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Weltfrauentag „Kinder scheinen was zum Abhaken zu sein“

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Drei FR-Redakteurinnen im Gespräch – über äußeren Druck, die innere Stimme und Männer, die keine Antworten liefern.

Arbeiten oder Kinderkriegen
Der Storch sitzt den Frauen ab einem gewissen Alter im Nacken. Aber wie lässt sich das mit der Karriere vereinbaren? Und will man das überhaupt? Foto: Imago

Elena: Als ich überlegt habe, welchen Job ich will, gab es nicht die Überlegung, einen auszusuchen, in dem man toll Kinder bekommen kann. Trotzdem ist da diese Stimme, die einem sagt, dass man das Kind nicht erst um 18 Uhr aus der Kita abholen kann.
Sonja: Ich glaube, das kommt nicht aus einem selbst. Ich glaube, das sind Erwartungen von außen. Gerade von solchen Super-Muttis, die sich eine Gesellschaft nur nach ihrem Modell vorstellen können. 

Lara: Ein großes Problem ist, dass man gar keine große Wahl hat, wenn man keinen Betreuungsplatz findet. Fünf Tage arbeiten zu gehen, ist dann eher eine Luxussituation. Und dann ist es teuer. 
Elena: Das kommt noch dazu. Du arbeitest aber nicht nur für die Betreuung deines Kindes, sondern auch, um unabhängig zu sein. Ich finde es ohnehin blauäugig, heute noch zu sagen, dann bleibe ich zu Hause, mein Mann verdient ja gut. Wie schnell kann das vorbei sein? Diese Annahme, als Frau müsse man beim Einkommen zurückstecken, bringt sie hintendran – bei der Rente oder wenn der Mann denkt, die Sekretärin sei die bessere Partnerin.

Sonja: Von Frauen wird erwartet, dass sie in Teilzeit zurückstufen, sobald sie ein Kind haben. Ich kenne keinen Mann in meinem Freundeskreis, vom dem das jemals erwartet wurde. 
Elena: Dafür hat man dann Jahre in die Berufsausbildung investiert. Wer einen guten Job hat, verdient auch bei 80 Prozent noch gut. Wenn beide 80 Prozent arbeiten, muss sie nicht allein auf 60 Prozent runtergehen.
Lara: Bei der Elternzeit finde ich blöd, dass die meiste Arbeit an der Frau hängenbleibt, selbst wenn sich beide die Zeit teilen. Leider scheinen viele Männer die Elternzeit als eine Art Extra-Urlaub zu empfinden, in dem sie keine anderen Aufgaben übernehmen müssten.
Elena: Man kann einem Mann ja auch unterstellen, dass er gerne Vater sein will. Alles andere ist eine total antiquierte Vorstellung. 
Sonja: Das Absprechen der väterlichen Kompetenz erlebe ich oft. Da schafft man es mal, die Muttis von den Kindern loszueisen, und dann sitzt man mit ihnen im Café, und sie hängen nur über dem Handy. Und ihre Erklärung: „Ich muss ihn fragen welchen Schlafanzug er angezogen hat; auf wie viel Grad er das Fläschchen erwärmt hat.“ Ich sitze daneben und denke „Er ist der Vater, er wird es schon nicht umbringen.“ 

Lara: Interessant wäre, dieses Gespräch in fünf Jahren noch mal zu führen. 
Elena: Wenn wir dann alle mit Kind hier sitzen … Man könnte uns unterstellen, wir beschweren uns über etwas, das wir selbst eingefordert haben. Die ganz Reaktionären könnten jetzt sagen „Ihr wolltet doch arbeiten, ihr wolltet doch finanziell unabhängig sein, und ihr wolltet alles dürfen, was ein Mann darf“. Aber da ist zusätzlich dieses riesige Ding „Mutter“, das betrifft einen Mann – zumindest in der Gesellschaft, wie sie heute ist – nicht.

Lara: Die Planungsfrage, die wir am Anfang hatten, wird Männern nicht so häufig gestellt. Noch mal zurück zum richtigen Zeitpunkt: Habt ihr Barrieren? So im Arbeitsleben? 
Sonja: Ja, den befristeten Vertrag. In meinem Umfeld wurde gerechnet: „Du hast einen Zwei-Jahres-Vertrag. Wenn du jetzt schwanger wirst, passt doch alles …“ Dabei gehe ich zu 99,9 Prozent davon aus, dass ein Vertrag nicht verlängert wird, wenn du schwanger wirst.
Lara: Dabei wissen unsere Arbeitgeber, dass wir gerne und viel arbeiten. Dass wir lange studiert haben, im Ausland waren – ich mache sogar parallel noch ein Studium. All das mache ich nicht, um dann zu Hause zu bleiben.
Elena: Wie geht ihr mit der Befristung um? 
Lara: Ich lass mich davon nicht beeindrucken. Entweder mein Arbeitgeber weiß, dass ich gerne arbeite, viel investiert habe und dass ich wiederkomme, oder halt nicht. Wenn ich alt und grau auf mein Leben zurückschaue, werde ich vermutlich eher bereuen, keine Kinder bekommen zu haben, als in Kauf genommen zu haben, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. 
Sonja: Nein, ich plane das nicht. Wenn ich irgendwann aufwache und denke „Ein Kind wäre schön“, dann mache ich das. Ich möchte das nicht von irgendetwas abhängig machen.
Lara: Wenn mein Mann einen befristeten Arbeitsvertrag hätte, hätte ein Baby für ihn null Auswirkungen, für ihn steht nicht alles auf der Kippe. Für mich als Frau schon.

Sonja: Eigentlich freue ich mich ja schon auf das Kinderkriegen: Wenn es so weit ist, wird es gut, weil ich mir vorgenommen habe, dass ich es anders mache. Ich glaube fest daran, dass es anders geht. 
Elena: Das ist gut. Eine Grundsouveränität muss man haben, sonst kann man es gleich lassen. Vielleicht muss man es als eine kleine Art Gesellschaftskampf sehen …
Lara: Wenn ich übermorgen aufwache und denke „Irgendwie passt es jetzt“, dann würde ich mich auch von einem befristeten Arbeitsvertrag, von allen anderen Erwartungen nicht abhalten lassen. Ich würde den Kopf ausschalten.

Im Gespräch: Elena Müller, 31
Lara Feder, 28
Sonja Thomaser, 31

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