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Weltfrauentag „Kinder scheinen was zum Abhaken zu sein“

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Drei FR-Redakteurinnen im Gespräch – über äußeren Druck, die innere Stimme und Männer, die keine Antworten liefern.

Arbeiten oder Kinderkriegen
Der Storch sitzt den Frauen ab einem gewissen Alter im Nacken. Aber wie lässt sich das mit der Karriere vereinbaren? Und will man das überhaupt? Foto: Imago

Elena: Mädels, wann ist es denn bei euch so weit?
Sonja: Das ist die absolute Hassfrage. Die Small-Talk-Frage, die man auch gestellt bekommt, wenn man nicht schwanger ist.
Lara: Weil alles im Leben so geplant ist, auch die Familie. Dabei ist es nicht planbar. Ob es klappt, weiß keiner.

Elena: Es wird immer nur davon ausgegangen, dass wir unser Leben danach ausrichten. Man kann zwar sagen: „Jetzt habe ich alles durchgezogen, bin 35, jetzt gilt es.“ Und dann sagt dir ein Arzt: „Nee, sorry, ist nicht.“ Oder körperlich müsste es klappen, und es klappt nicht. Oder man verliert es. 

Sonja: Dabei scheinen Kinder was zum Abhaken zu sein, wie auf einer Liste. Studium, Job, Kind. Ab dem Tag, an dem ich meinen Studienabschluss hatte, kam die Frage nach dem Kinderwunsch. 
Lara: Wie hast du reagiert?
Sonja: Ich habe gesagt, dass ich nicht studiert habe, um gleich Mutter zu werden. Das wurde abgenickt, aber nicht akzeptiert. 
Elena: Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Und ihr?
Sonja: Nein, noch nicht entschieden.
Lara: Ich auch nicht.
Sonja: Obwohl ich denke, dass ich Kinder will, will ich sie jetzt noch nicht. Ich hätte gerne noch zehn Jahre. Aber wenn das so bleibt, habe ich ja auch eine Entscheidung getroffen. Wenn ich weiter denke, dass ich gerne noch zehn Jahre hätte, ist das wohl nix für mich.

Lara: Es gab doch vor drei, vier Jahren die Debatte um das Social Freezing, das total verurteilt wurde. Klar, dass der Arbeitgeber einen in der Zeit verheizt, ist nicht gut. Aber dass es die Möglichkeit gibt, den Kinderwunsch aufzuschieben, finde ich gar nicht so schlecht.
Sonja: Ich habe die Kritik nicht verstanden. Es hieß ja unter anderem, dass dann in 20 Jahren lauter 50-jährige Mütter mit Babys herumlaufen. Warum nicht?
Lara: Bei Vätern ist es vollkommen normal. Dabei müssen wir uns vielleicht einfach an das Bild gewöhnen.

Elena: Ich finde die Idee, sich loszulösen von der Natur, das biologische „Ablaufdatum“ der weiblichen Reproduktionsfähigkeit zu verlängern, legitim. Aber ich weiß gar nicht, ob mir das persönlich helfen würde.
Lara: Weil es das Problem nicht löst, sondern nur verschiebt.
Elena: Genau. Eigentlich will ich eine Familie haben. Andererseits habe ich das Gefühl, noch so viel erleben und erreichen zu wollen, das einfach leichter ist ohne Kinder. 
Lara: Aber was hält uns davon ab, das auch mit Kindern zu machen? Den Stress macht man sich auch selbst. 

Sonja: Ich erlebe so oft, dass das Kind zum Mittelpunkt wird. Das ist, was mich davon abhält, Kinder zu bekommen. Dass ich immer nur Menschen sehe, die das Kind zu ihrem Mittelpunkt gemacht haben. Ein Beispiel: Ich habe Freunde, die bekommen im April ihr Kind. Wir haben für Juni einen Besuch angefragt. Die Antwort war: Nein, bis September können wir nicht, wir bekommen ja ein Kind.

Elena: Wie unentspannt … Es ist aber auch müßig, sich zu überlegen, wie man als Mutter mal sein wird. Irgendwie muss man als Frau jede Rolle übererfüllen. Wir sollen eine tolle Ausbildung machen, mit Praktika und Auslandsaufenthalt, man sollte tolle Hobbys haben …
Sonja: … und nicht nur joggen …
Lara: … um dann nach einer Schwangerschaft die Figur zu halten.
Sonja: Stimmt, gut aussehen muss man ja auch noch.

Elena: Man muss das alles übererfüllen. Und deshalb denke ich, man muss auch das Muttersein übererfüllen. Man muss Dinkel-Vollkorn-Pancakes für die Kleinen backen und das auch noch gerne.
Sonja: Das mit dem Rollen-Erfüllen schlägt sich auch im Arbeiten mit Kind nieder. An Frauen werden andere Erwartung gestellt. Wenn man ein Kind bekommt, ist der Job irgendwie nur noch so schmuckes Beiwerk. So Teilzeit darf’s dann noch sein, aber Vollzeit? Was bist du denn für eine Rabenmutter? Das wurde mir erwidert, als ich sagte, ich würde nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten wollen.

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