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Sookee im Interview „Sexismus ist keine Party“

Rapperin Sookee über die Macht der Begriffe, Frauenhass im deutschen Hip-Hop und warum man Kunst auch mal kaputtmachen muss.

Sookee
Queer-Feminist-MC und linke Aktivistin: Sookee. Foto: promo

Ich wollte MC sein, doch war mal wieder ’ne Frau“, rappt Sookee und ist dann doch genau das geworden: Queer-Feminist-Rapperin, mitten im männerdominierten und frauenverachtenden Deutschrap. 

Was denkst Du, wenn Du den Begriff „Frauenrap“ hörst?
Damit kann ich wenig anfangen. Der wird weder den Frauen gerecht, noch der Musik, die sie machen. Es gibt ja auch kein Genre, das Männerrap heißt.

Wie ist es mit Zeckenrap?
Der geht klar, wenn er Musik beschreiben soll, die antifaschistische Inhalte abbildet und ihnen zuarbeitet. Ich bezeichne mich und meine Leute gerne als Zecken. Nazis haben das mal als Schimpfwort benutzt, dann haben Aktivist*innen den Begriff für sich beansprucht und positiv umgedeutet. Allerdings wird die Bezeichnung heute seltener auf mich angewendet als früher.

Woran liegt das?
Meine Musik wird nicht mehr so szenegebunden wahrgenommen. Gefühlt bin ich früher in jedem autonomen Jugendzentrum der Republik mindestens einmal aufgetreten. Das mache ich heute nur noch vereinzelt.

Jugendzentren dürften mittlerweile zu klein für Deine Auftritte sein. Linker Rap liegt im Trend. 
Zum Glück! Meine Generation hat dazu beigetragen, dass es wieder möglich ist, Hip-Hop-Konzerte in linken Kontexten zu erleben. Das war lange undenkbar.

Feiert linker Deutschrap sein Debüt oder sein Comeback?
Eher ein Comeback. Anfang der 1990er haben Hip-Hop-Crews wie Advanced Chemistry oder Anarchist Academy auch antirassistische Themen behandelt.

Und was ist dann passiert?
Dann kam der kommerzielle Erfolg mit poppigem Rap von weißen Mittelstandskindern wie den Fantastischen Vier. Auf einmal konnte man viel Geld mit dieser Art von Musik verdienen. Zur Jahrtausendwende meinten vor allem Berliner Rapper, sie müssten Tabus brechen, die eigentlich gar keine waren. Rap wurde zutiefst sexistisch und ein Genre, das zwar kontrovers diskutiert wurde, aber sich gleichzeitig sehr gut verkaufte. Die deutsche Hip-Hop Szene ist bis heute davon geprägt. Das ändert sich auch nicht, nur weil Bushido den Integrationsbambi einheimst.

Was hast Du gedacht, als Bushido den Bambi bekommen hat?
Eigentlich war das ganz passend. Eine sexistische homophobe Gesellschaft gibt einem sexistischen, homophoben Typen einen Preis, weil er sich gut in diese Gesellschaft integriert hat. 

Wobei Deutschrap die Gesellschaft häufig überbietet, wenn es um expliziten Frauenhass geht.
Dort ist man in seinem Machismo expliziter, das stimmt. Dadurch wird die Sache aber auch bagatellisiert. Das Ergebnis ist jemand wie Cro, der radiotaugliche Musik macht und dadurch sehr viele Hörer*innen erreicht. Er verzichtet auf Kraftausdrücke, aber das Frauenbild, das er in einem Song wie „Easy“ transportiert, ist genauso bedenklich. Der Text handelt davon, dass sich ein Mädchen in ihn verliebt, er sie schwängert und sitzen lässt. Das ist weniger explizit, aber keinen Deut besser als die Darstellung von Frauen Bushido oder Kollegah. Natürlich sind weder Cro noch Kollegah das Übel der Welt. Aber ein Stück Schokolade ist auch nicht das Problem. Wenn ich aber nur noch Süßigkeiten esse, faulen mir irgendwann die Zähne weg. Dann sollte es jemanden geben, der sich neben einen stellt und nervt: Putz dir die Zähne und dann braucht man auch eine Zahnbürste.

Und das bist Du.
Ja, ich bin die Zahnbürste des Deutschraps!

Du stellst Dich diesem Duktus und seinen Vertretern auf jeden Fall entgegen. Ist das nicht ganz schön ermüdend?
Nein, ich fände es langweilig, mich nur mit Leuten zu konfrontieren, die auf meiner Wellenlänge liegen. Es geht auch nicht nur um Feminismus, sondern allgemein um Ideologien der Ungleichheit. Wenn es um Rassismuskritik geht, finden männliche Rapper und ich häufig gemeinsame Überzeugungen. Das ist ein Punkt, an dem ich anknüpfen kann.

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