Lade Inhalte...

Sexismus „Danke, ich habe schon einen Papa“

Junge, erfolgreiche Frauen in der Politik – das scheint für einige alteingesessene männliche Abgeordnete noch immer ein exotisches und zugleich bedrohliches Bild darzustellen. Politikerinnen berichten.

Katarina Barley und Andrea Nahles
Die SPD-Politikerinnen Katharina barley und Andrea Nahles (r.) haben selbst Erfahrungen mit Sexismus im Politikbetrieb machen müssen. Sie sind bei weitem keine Seltenheit. Foto: dpa

Die Hand auf dem Schenkel, eine Bemerkung über die Brüste, ein verrutschtes Kompliment, das bei der Empfängerin ein unangenehmes Gefühl auslöst – das sind Erlebnisse, die jeden Tag tausendfach passieren. Auch in der Politik. Die schwedische Außenministerin Margot Wallström erfuhr bei einem Abendessen eine Belästigung auf „höchster politischer Ebene“. Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli entfachte eine Debatte darüber, ob ein deplatziertes Kompliment unter die Kategorie Alltagssexismus fällt. Alles übertrieben? Einzelfälle?

Junge, erfolgreiche Frauen in der Politik – das scheint für einige alteingesessene männliche Abgeordnete noch immer ein exotisches und zugleich bedrohliches Bild darzustellen. Das Resultat: Skepsis und diffamierende und sexistische Sprüche auf der einen Seite, verbale Selbstverteidigung und ein langer Atem auf der anderen Seite. Das kennen auch weibliche Politikerinnen auf Bundesebene.

„Die hat sich wohl hoch geschlafen“

Caren Lay, stellvertretende Fraktionsvorsitze der Linken, erzählt von einem sexistischen Vorfall in ihrer eigenen Partei: „Das krasseste, was mir passiert ist, geschah vor einigen Jahren, als ich Bundesgeschäftsführerin meiner Partei war. Auf einem Parteifest sang eine ganze Clique meiner innerparteilichen Gegner umgedichtete, sexistische Arbeiterlieder, in denen ich vorkam und beleidigt wurde“, erzählt die 44-Jährige. Sie sei auf dem Fest nicht anwesend gewesen. „In einem Lied hängten sie mir eine Affäre mit einem führenden Genossen an. Die Unterstellung war: die hat sich wohl hoch geschlafen“, sagt Lay.

Hinterher wolle es niemand gewesen sein. „Ich wurde unter Druck gesetzt, besser nicht darüber zu sprechen“, sagt sie. Eine Entschuldigung stehe noch aus. Immer wieder geschehe es, dass sie eher als Trägerin eines schönen Kleides, anstatt als Politikerin wahrgenommen werde.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum