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Schau mir in die acht Augen, Kleiner

Im Tierreich hat das Bezirzen viele Facetten.

Glühwürmchen
Mademoiselle Glühwürmchen leuchtet in der Nacht - wer kann da widerstehen? Foto: imago

Verführungskünste sind in der Tierwelt besonders wichtig. Grob zusammengefasst lässt sich sagen: Die Männchen hauen sich ziemlich rein, um die Traumfrau ihrer schlaflosen Nächte rumzukriegen. Die Weibchen nehmen ihre Partner nach Gebrauch gern mal als Hauptmahlzeit zu sich.

Wer je mit Muße dem Gesang des Buchfinks gelauscht hat, der Virtuosität des Herrn Amsel und dem Klanggebäude von Monsieur Nachtigall, der (und vor allem: die) dürfte keine Zweifel mehr an der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten haben. Da werden keine leeren Versprechungen gemacht. Die Botschaft lautet: „Hier geht’s um Familienplanung, Süße, das kann ich dir zwitschern.“

Weniger auf seine stimmlichen als auf seine architektonischen Qualitäten baut der Hüttengärtner in Indonesien. Hütte ist in seinem Fall stark untertrieben – er errichtet ein Eigenheim monumentalen Ausmaßes für die Hüttengärtnerin seiner Sehnsucht. Und er drapiert drumherum riesige bunte Haufen aus Blättern, Moosen, Pilzen, Früchten, Blüten, jeweils präzise einfarbig gehalten, er sammelt gar Gleichfarbiges aus dem Müll der Touristen, arrangiert Getränkedosen-Sammlungen, alles säuberlich sortiert. Wenn er auch nicht umwerfend schön ist, der Hüttengärtner, und nicht betörend singen kann: Von Ästhetik versteht er was. Reichtümer ansammeln, das kann er. Und so was kommt in der Damenwelt ja vereinzelt auch ganz gut an.

Was setzt die holde Weiblichkeit den Pfauen und Protzen vom anderen Geschlecht entgegen, wie verführt frau im Tierreich? Nun, Spot an für Mademoiselle Glühwürmchen: Sie leuchtet in der Nacht und nutzt dazu das Verfahren der Biolumineszenz, einen Begriff, den die meisten von uns schon eine Woche nach dem Abi wieder vergessen haben. Wer kann da widerstehen?

Allerdings gibt unter den Leuchtkäferinnen auch fiese, die nur Licht anmachen, um Männchen der anderen Unterart zu locken – und aufzufressen. Das ist im Übrigen eine weit verbreitete Marotte unter den Damen der Schöpfung. Ob Gottesanbeterinnen, Schwarze Witwen, viele weitere Spinnenarten, sie tun es, und dann hauen sie sich den Gatten rein für die Extraportion Protein. Frau Breitfuß-Beutelmaus macht ihren Partner bei der stundenlangen wilden Paarung so fertig, dass er anschließend entkräftet stirbt. Dass bei Bienen und Wespen der Kerl nur zum Schuften da ist, hat sich auch herumgesprochen.

Da loben wir uns die Bonobos, unsere sinnlichen Verwandten aus der Schimpansenwelt, die einander den ganzen Tag verführen, sei es zum Zeitvertreib oder auch, um Streit zu schlichten, aber dabei nie Böses im Sinn haben. Und zum Schluss kraulen wir noch hinüber zu den Seepferdchen: Sie tanzen einen langen, überwältigend schönen Balztanz – und dann befruchtet die Frau den Mann, legt die Eier in seiner Bruttasche ab, und den dicken Bauch kriegt: er.

Menschen reden über Gleichberechtigung. Andere sind da schon weiter.

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