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#MeToo #WeToo

Vorwürfe auch gegen Michael Douglas - was aber ist des Rudels Kern?

Michael Douglas
Dem Schauspieler Michael Douglas wird von einer Journalistin sexuelle Belästigung vorgeworfen. Foto: rtr

Jetzt der US-amerikanische Schauspieler Michael Douglas. In den späten 80ern beschäftigte er die Journalistin Susan Braudy im Büro seiner Firma Stonebridge Productions als Lektorin und persönliche Assistentin. Dabei habe er sie, wie sie damals Freunden, jetzt dem Magazin „Hollywood Reporter“ erzählte, immer wieder mit sexuellen Anspielungen belästigt, Details aus seinem Liebesleben geteilt und einmal vor ihren Augen masturbiert. Als sie daraufhin floh, habe er ihr nachgerufen: „Danke, du bist gut. Du hast mir geholfen, danke, danke.“

Zu den Freunden, denen sie damals davon erzählte, gehört der Autor Michael Wolff („Fire and Fury“). Michael Douglas wies den Vorwurf der sexuellen Belästigung zurück, wie der „Hollywood Reporter“ am Donnerstag berichtete. Zu keinem Zeitpunkt habe sich Braudy, die auch damals schon eine gestandene Frau gewesen sei, über die Arbeitsatmosphäre beklagt. Und wenn sie anzügliche Bemerkungen für „Belästigung“ halte, beleidige sie jene, die wirkliche Belästigung erfahren.

Eine nach der anderen werden die Konservenbüchsen Marke „Pandora“ jetzt aus den Kellerregalen geräumt und geöffnet. Die mit den prominenten Gesichtern darauf zuerst. Auch wenn die hier geschilderten Situationen in jedem anderen Büro oder Verein oder Kinderzimmer genauso stattgefunden haben mögen und noch immer stattfinden können.

Denn mit der Öffentlichkeit (die sich naturgemäß mehr für öffentliche Personen interessiert) gibt es jetzt eine Gerichtsbarkeit, die auch für das nicht Justiziable zuständig ist. Die in jedem Teil das Ganze erkennt und der die Aufgabe zuwächst, die Grenze des Zumutbaren so lange zur Diskussion zu stellen, bis sexuelle Zudringlichkeit von keinem mehr als Kavaliersdelikt angesehen wird.

Tatsächlich wachen die Menschen ja über ihr Geld in der Regel viel mehr als über ihre Würde. Kein Praktikant der Welt würde es dulden, wenn sich der Direktor einen Griff in sein Portemonnaie erlaubte. Die schwitzige Hand auf seiner Schulter aber nimmt er trotz Unbehagen womöglich ebenso in Kauf wie dumme Sprüche, weil er sich als Gegenleistung Anerkennung erhofft. In der Grauzone wird die Grenze von beiden Seiten markiert.

Susan Braudy sagte, dass sie damals den Tatbestand der „Belästigung“ noch gar nicht kannte. Das hat sich geändert und muss durchdekliniert werden bis in den Kindergarten. Wobei die von französischer Seite zu Recht beklagte Schnellverurteilung von Menschen, denen Übergriffe nur vorgeworfen werden, glücklicherweise nicht endlos re-inszeniert werden kann.

Es können nicht alle Karrieren zerstört werden, weil irgendjemand ja weiterhin vor oder hinter der Kamera stehen muss. Aber es wird ein Ruch bleiben, den keiner haben will. Wie der Käsefluch auf dem Schulhof im ersten Band von „Gregs Tagebuch“ . Die #MeToo-Bewegung hat das Schweigen im Wald beendet. Jetzt geht es aber nicht um Hetzjagden, sondern um Rudelerziehung.

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