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#MeToo Unvollständige Aktenlage erschwert Wahrheitssuche im Fall Wedel

Mehrere Sender prüfen ihre Akten auf Hinweise zu Vorwürfen sexueller Übergriffe, die gegen Dieter Wedel erhoben werden. Einige Filme liegen Jahrzehnte zurück, nicht alle Unterlagen sind noch greifbar.

02.02.2018 16:56
Dieter Wedel
Die Vorwürfe gegen Dieter Wedel werden zurzeit geprüft. Foto: dpa

Bei seinen Untersuchungen zu Regisseur Dieter Wedel (75) hat das ZDF hat nach eigenen Angaben keine schriftlichen Hinweise gefunden, die die Vorwürfe sexueller Übergriffe bestätigen würden. Der Sender werde seine Nachforschungen „in einigen Tagen“ vorerst abschließen, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut am Donnerstagabend in der Talkshow „Maybrit Illner“. „Wenn wir etwas finden, werden wir das natürlich transparent machen.“ Allerdings ist ein Teil der Akten nicht mehr vorhanden, wie das ZDF am Freitag bestätigte. Wedel hatte für das ZDF bei den Mehrteilern „Der große Bellheim“ und „Der Schattenmann“ Regie geführt.

Über Wedel sagte der heutige ZDF-Intendant in der Talksendung: „Ich habe ihn kennengelernt, als ich Programmdirektor des ZDF wurde, und er war ein interessanter Gesprächspartner, charismatisch, intelligent, begabt, und er galt in der Zeit, das ist ungefähr 16 Jahre her, als ein begnadeter Regisseur, der aus allen Themen etwas machen konnte.“

ZDF schreddert nach zehn Jahren

Illners Frage, ob ihm nie etwas von der Art und Weise Wedels zu arbeiten zu Ohren gekommen sei, verneinte Bellut. „Auch nicht denen, die sich mit diesen Filmen beschäftigt haben, nichts. Wir haben natürlich sofort nachgefragt, wir untersuchen das jetzt noch genauer. Schriftlich haben wir nichts gefunden, etwa vergleichbar zum Saarländischen Rundfunk.“ Der Saarländische Rundfunk hat einen internen Bericht, in dem Vorwürfe einer Schauspielerin gegen Wedel dokumentiert sind.

„Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo äußerte die Vermutung, das liege daran, dass in Saarbrücken die Akten anders als beim ZDF in vollständiger Anzahl vorhanden seien, sie beim ZDF aber nach zehn Jahren geschreddert würden. Das ZDF teilte dazu am Freitag auf Anfrage mit, für die Aufbewahrung von Akten sei der Sender an gesetzliche Regelungen und Aufbewahrungsfristen gebunden. Aus ökonomischen Gründen würden Akten im ZDF grundsätzlich nur so lange gelagert, wie dies die Rechts- und Verwaltungsvorschriften vorschrieben.

„Übliche Geschäftsunterlagen werden demnach zehn Jahre aufbewahrt. Unterlagen, die zur Erfüllung des Unternehmenszwecks langfristig erforderlich sind, oder historisch wertvolles Schriftgut, das für die Unternehmensüberlieferung wichtig ist, werden länger aufbewahrt.“ In den ZDF-Archiven werden nach Angaben des Senders jedes Jahr 6000 bis 7000 Akten neu eingelagert.

Andere Sender wie Sat.1, der Bayerische Rundfunk oder der Norddeutsche Rundfunk (NDR) haben ebenfalls angekündigt, die Zusammenarbeit mit Wedel zu untersuchen. Ähnlich wie beim ZDF sind auch beim NDR allerdings nicht mehr alle Akten verfügbar: „Die Aufbewahrungsfristen sind längst alle verstrichen“, sagte ein NDR-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Was überhaupt noch da ist, wird gecheckt.“

Bisher sei aber nichts gefunden worden, was auf Kenntnisse über vergleichbare Vorwürfe schließen lasse, die gegen Wedel von mehreren Frauen erhoben werden und die von Belästigung bis Vergewaltigung reichen und die Wedel zurückgewiesen hat.

Die Zusammenarbeit mit Wedel reiche beim NDR allerdings bis 1969 zurück. „Das ist fast 50 Jahre her“, sagte der Sprecher. „Die letzte Produktion für den NDR war 1991.“ Auch die Revision sei an der Prüfung der Unterlagen beteiligt und habe „keine Befassung“ festgestellt. „Es wird aber weitergesucht, auch in den Archiven und den Kellern.“ (dpa)

 

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