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#MeToo in Frankreich Deneuve hat leicht reden

Warum über Frankreichs prominente #MeToo-Kritikerinnen eine Woge des Zorns hereinbricht.

Caroline de Haa
Feministin Caroline de Haas bezeichnet die #MeToo-Kritikerinnen als „Pädophilie und Vergewaltigung gutheißende Rückfalltäterinnen“. Foto: afp

Sie sind mit der #MeToo-Bewegung öffentlich ins Gericht gegangen. Nun stehen sie selbst am Pranger. Eine Woge der Empörung bricht über die Schauspielerin Catherine Deneuve, die Schriftstellerin Peggy Sastre, die Psychoanalytikerin Sarah Chiche und ihre 97 Mitstreiterinnen herein, die sich in „Le Monde“ für die „Freiheit (des Mannes) zur Belästigung“ stark gemacht hatten. „Fehlendes Mitgefühl für die Opfer sexueller Aggression, Verrat an den Idealen des Feminismus, des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper zumal“, schallt es den Unterzeichnerinnen des offenen Briefes entgegen. 

Gewiss, die Französinnen hatten in „Le Monde“ klargestellt, dass sie keineswegs sexueller Aggression Vorschub leisten wollten, die zu Recht unter Strafe stehe. Wenn sie an die Öffentlichkeit gegangen seien, dann allein aus Sorge, Moralapostel könnten den kollektiven Aufschrei bedrängter Frauen als Aufruf zur Prüderie deuten. In ihrer Sorge waren die #MeToo-Kritikerinnen so weit gegangen, ungeschickte und aufdringliche Anmache eines Mannes als Ausdruck wünschenswerter sexueller Freizügigkeit für gesellschaftlich akzeptabel zu erklären. Selbst aufdringliche körperliche Annäherung in einer überfüllten Metro sei gelassen hinzunehmen, finden Deneuve und ihre Mitstreiterinnen. 

„Ich frage mich, wann diese Frauen das letzte Mal U-Bahn gefahren sind“, schimpft Laurence Rossignol, Frankreichs frühere Frauenrechtsministerin. Da schickten sich die Frauen endlich an, alltäglicher sexueller Belästigung Einhalt zu gebieten und laut Stopp zu sagen, und dann fielen ihnen andere Frauen in den Rücken, schlügen sich auf die Seite der Aggressoren. Fassungslos sei sie angesichts einer derart unverantwortlichen Initiative. 

Christine Bard, über Entstehung und Entwicklung des Feminismus forschende Geschichtswissenschaftlerin, beklagt einen „Rückfall in Zeiten, da Sexualität noch als Ausdruck des Trieblebens galt und nicht als kulturell geprägtes Verhalten“. Der #MeToo-Kampagne zu unterstellen, sie verderbe Frauen und Männern die Freude an freier sexueller Entfaltung, sei aberwitzig, gibt Bard zu verstehen. Frauenrechtlerinnen seien es doch erst gewesen, die der Verhütung, dem Recht auf Abtreibung oder auch der Sexualerziehung den Weg gebahnt hätten. 
Bards Kollegin Michèle Riot-Sarcey wirft den Unterzeichnerinnen des offenen Briefes vor, sie seien „blind für die Wirklichkeit, in der Frauen gegen ihren Willen betatscht, belästigt, vergewaltigt“ würden. Und die kampferprobte Feministin Caroline de Haas geht in ihrem Zorn gar so weit, das Gros der #MeToo-Kritikerinnen als „Pädophilie und Vergewaltigung gutheißende Rückfalltäterinnen“ zu schmähen.

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