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#MeToo Er will doch nur spielen

Der Mann als grapschendes Unschuldslamm: In Frankreich macht ein offener Brief die Runde, in dem die „#MeToo“-Debatte scharf kritisiert wird. Catherine Deneuve gehört zu den rund 100 Unterzeichnerinnen.

Catherine Deneuve
„So bewegt man die Dinge nicht“: Die Schauspielerin Catherine Deneuve bringt Feministinnen gegen sich auf. Foto: rtr

„Vergewaltigung ist ein Delikt“, beginnt der Beitrag im Renommierblatt „Le Monde“. „Aber selbst die aufdringliche oder ungeschickte Anmache ist kein Delikt. Und die Galanterie ist keine machistische Aggression. Wir verteidigen die Freiheit, lästig zu fallen, als unerlässlich für die sexuelle Freiheit.“

Verfasst wurde der Text von fünf bekannten Frauen wie der Psychoanalytikerin Sarah Chiche, der Autorin Abnousse Shalmani, die sowohl die iranischen Mollahs wie auch die Feministinnen attackiert, oder der Kunstkritikerin Catherine Millet, die vor Jahren mit dem Buch „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ Furore gemacht hatte.

Hundert weitere Unterschriften stammen etwa von der Sängerin Ingrid Caven, dem heute journalistisch tätigen Ex-Pornostar Brigitte Lahaie oder der Schauspielerin Catherine Deneuve.

Im Namen der Freiheit

Die 74-jährige Doyenne des französischen Kinos hatte sich schon im vergangenen Herbst gegen die französische Kampagne „balance ton proc“ („verpfeif dein Schwein“) im Zuge der Weinstein-Affäre und der „#MeToo“-Debatte geäußert: „So bewegt man die Dinge nicht. Was wird als nächstes kommen? Verpfeif deine Hure?“ Früher hatte sie sich bereits gegen eine Anzeigepflicht von Flüchtlingsbeherbergern oder gegen Bußen für Freier gewehrt – stets im Namen der Freiheit.

Das Kollektiv begrüßt die Post-Weinstein-Debatte um sexuelle Gewalt gegen Frauen als „legitim und nötig“. Doch heute verfolge eine Art Schnelljustiz „Männer, deren einziger Fehler es war, ein Knie berührt, einen Kuss erhascht oder bei einem Arbeitsessen intime Dinge angesprochen zu haben“.

Sich am Nachbarn in der Metro zu reiben, sei ein Delikt – doch könne man das auch als sexuelle Misere eines Mannes deuten – und damit vielleicht darüber hinwegschauen. Psychoanalytikerin Chiche fügte am Mittwoch auf dem Radiosender Franceinfo an: „Einem Mann nein sagen zu können, setzt voraus, dass er ihr einen Vorschlag gemacht hat, und zwar auf freie Weise.“

Die Verfasserinnen halten der Gegenseite „Puritanismus“ und eine selbst eingenommene Rolle „ewiger Opfer“ vor. Dies führe zu einer Kultur des „Denunzierens“ und dem „Klima einer totalitären Gesellschaft“. „Als Frauen erkennen wir uns nicht in einem Feminismus wieder, der – über das Anprangern des Machtmissbrauchs hinaus – zu einem Hass auf die Männer und die Sexualität führt.“ Diese Haltung nütze letztlich nur den Gegnern der sexuellen Freiheit, so den religiösen Extremisten, den Reaktionären oder Moralverfechtern.

Gerade in Frankreich, wo die Grenzen zwischen libertärem Esprit und Machokultur, zwischen staatlich verschriebenem Einheitsdenken und politischer Korrektheit immer fließend waren, waren die Reaktionen vorprogrammiert. „Endlich!“, atmete auf der „Le Monde“-Webseite ein Vertreter der wahrscheinlich männlichen Zunft auf; ein anderer äußerte „Dank den Damen für diesen Beitrag, der einmal etwas anderes als die verbreiteten Schuldzuweisungen bringt.“

Bedeutend distanzierter meinte der Beziehungsspezialist Paul Ackermann, er werde den Eindruck nicht los, dass das Frauenkollektiv rundum der Generation von Mai 1968 angehöre. Die frühere sozialistische Frauenministerin Laurence Rossignol unterstellt den Verfasserinnen, sie seien auf die Blicke und das Verlangen der Männer angewiesen – „was intelligente Frauen dazu verleitet, gewaltige Albernheiten von sich zu geben“.

Die Feministin Caroline De Haas geht noch einen Schritt weiter und bezichtigt die hundert Frauen, „das Recht der sexuellen Aggression auf die Frauen zu verteidigen“. Unter ihrer Federführung widersprachen in einem eigenen Beitrag 30 Frauenrechtlerinnen der Behauptung, man könne „nicht mehr flirten“. Tatsache sei hingegen, dass täglich hunderttausende von Frauen in Frankreich sexuell belästigt würden. Caroline De Haas weiter: „Die Verfasserinnen des Beitrags vermengen vorsätzlich Gewalt mit Verführung, Respekt und Vergnügen.“

Eigentlich seltsam: Den genau gleichen Vorwurf erheben auf der Gegenseite auch die Frauen um Deneuve.

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