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#metoo Die gespaltene feministische Bewegung

Im Schatten der aktuellen #MeToo-Bewegung prallen feministische Grundsätze aufeinander. Die Befürchtung eines gesellschaftlichen Backlashs betrifft keineswegs nur die Akzeptanz von Frauenrechten.

A woman has the symbol for women painted on her face during a protest against femicides and violence against women in Buenos Aires
Eine Argentinierin protestiert gegen Gewalt gegen Frauen. Foto: rtr/Marcos Brindicci

Judith Butler, die große Vordenkerin der Gender-Theorie, beschlich angesichts der Debatte um die sexuellen Übergriffe des amerikanischen Filmmoguls Harvey Weinstein ein ungutes Gefühl. Die Heftigkeit, mit der der Sturz Weinsteins betrieben wird, sagte Butler im Rahmen einer Podiumsdiskussion an der Universität Zürich, sei womöglich auch ein Ersatz dafür, dass es nicht gelungen sei, Donald Trump zu verhindern. Ein hässlicher, ungehobelter Rüpel, der Gewalt gegen Frauen als legitim erachtet, ist an der Macht, gewählt von Leuten, die ähnlich denken wie er. Die große Solidarisierung, die sich unter dem Hashtag #MeToo versammelt, wäre demnach das symbolische Eingeständnis einer Niederlage.

Überfällige Gegenwehr gegen sexualisierte Gewalt

Was als lauter Aufschrei einer längst überfälligen Gegenwehr gegen sexualisierte Gewalt im Alltag daherkommt, offenbarte letztlich nur die Hilflosigkeit gegenüber einem sich manifestierenden gesellschaftlichen Wandel, der die Errungenschaften des offenen und demokratischen Rechtsstaats aushöhlt. Weinstein und Trump als Spitzen einer vulgären Rache gegen die mit den Instrumentarien der politischen Korrektheit weitgehend durchgesetzten Fundamentalliberalisierung.

Die Befürchtung eines dramatisch sich vollziehenden gesellschaftlichen Backlashs betrifft keineswegs nur die Akzeptanz und Geltung von Frauenrechten. Längst kann man ganz allgemein von einer starken anti-emanzipatorischen Bewegung sprechen, die jeglichen Einsatz gegen die Diskriminierung von Minderheiten zum Feindbild erkoren hat. Der Kulturkampf tobt nicht zuletzt innerhalb der Frauenbewegung selbst. Mit einigem rhetorischen Geschick ist beispielsweise die konservative Publizistin Birgit Kelle überall dort zur Stelle, wo die Chance besteht, feministische Grundsätze in Frage zu stellen. Die Weinstein-Debatte war für sie ein Anlass zu einer demonstrativen Positionsverschiebung. Was Judith Butler als bloßes Unbehagen formulierte, nutzte Kelle in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ zur frontalen Attacke gegen den Feminismus.

Birgit Kelle mit antifeministischer Frontalattacke

„Wer blöde Komplimente bereits zum Sexismus hochstilisiert, muss sich auch die Frage gefallen lassen, wo denn die Solidarität mit denjenigen Frauen ist, die täglich Sexismus, Beleidigungen, Nötigungen oder gar körperlichen Übergriffen ausgesetzt sind, die nicht aus der hetero-weißen Klischee-Ecke stammen.“ Kelle unterstellt, dass die Solidarität gerade dort ende, wo die Gewalt von anderen Minderheiten ausgeht, die ihrer Ansicht nach einen übertriebenen Schutz genießen. „Warum sind gerade Feministinnen im Moment bereit, hier bis zur Selbstverleugnung der eigenen Idee beide Augen zuzudrücken, aber gleichzeitig vorne dabei, jeden falschen Blick und jedes falsche Wort eines weißen alten Sacks aus Übersee öffentlich lauthals zu beweinen? Diese Kultur des Wegsehens schafft gerade neue Opfer.“

Was Kelle hier mit Verweis auf die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht von 2015/2016 polemisch zuspitzt, hat unlängst auch Alice Schwarzer gegen Judith Butler in Stellung gebracht. Denn Schwarzer hält unbeirrt an einer universalistischen Vorstellung fest: Frauen sind weltweit unterdrückt, und der Kampf für Gleichberechtigung und Emanzipation darf sich deshalb keine perspektivischen Verschränkungen erlauben. Das muslimische Kopftuch ist in diesem Sinne unzweifelhaft ein historisch von Männern verfügtes domestizierendes Symbol, das politisch bekämpft werden muss.

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