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Influencer Du willst das doch auch!

Bis vor ein paar Jahren waren Youtuber die Plaudertaschen des Internets - heute sind Influencer die Darlings der Werbeindustrie: Keiner verführt so authentisch wie sie.

Bianca Heinicke
Youtuberin Bibi mit ihrem Hologramm bei Madame Tussauds in Berlin. (Archiv) Foto: Imago

Dierks führt die Kölnerin Farina Opoku an, die unter dem schwülstigen Namen „NovaLanaLove“ ihre 845.000 Follower auf Instagram nicht nur an ihren Traumreisen rund um den Globus teilhaben lässt, sondern auch die Themen Beauty, Mode und Wohntrends abdeckt. Wer ihre stilvolle, mit reichlich Fotos bestückte Webseite besucht, erfährt etwa unter dem Thema „Apartment Tour“, dass sie gerade mit ihrem Freund zusammengezogen ist. Ihre neue Wohnung ist übrigens „zu 99 Prozent“ mit Möbeln und Accessoires einer bestimmten Firma ausgestattet. Und damit ihre Follower nicht bloß zusehen müssen, wie sich Farina in ihrer Designermöbel-Katalog-Wohnung auf dem sandfarbenen Samtsofa räkelt, sondern auch selbst ein bisschen schöner wohnen können, hat Farina einen, wie sie es nennt: „langersehnten Code“ ergattert, mit dem die Fans auf eine Online-Bestellung bei Farinas neuem Lieblingsausstatter 20 Prozent Rabatt bekommen. Einfach auf den Link klicken und stöbern und eine Kleinigkeit kaufen – irgendwas findet man ja meistens. Das ist übrigens ein sogenannter Affiliate-Link, der oft mit einem Mindestbestellwert für den Kunden und in der Regel mit einer Provision für den Influencer gekoppelt ist. Die über solche Links generierten Provisionen können bis zu einem Fünftel der monatlichen Einkünfte eines Influencers ausmachen.

Im April 2017 veröffentlichte das „Manager Magazin“ einen Artikel über Bibi Heinicke und ihr – man kann es wohl inzwischen so nennen – kleines Werbeimperium. Heinicke betreibt seit 2012 ihren Kanal „Bibi’s Beauty Palace“ und hat allein dort knapp fünf Millionen Abonnenten, Schätzungen von Experten zufolge könnte Bibis monatliches Einkommen bei rund 110.000 Euro liegen. Allein Plaudern reicht dafür nicht. Diese Summe setzt sich zusammen aus Werbeeinnahmen, Provisionen von den eben erwähnten Affiliate-Links und nicht zuletzt aus Einnahmen aus dem Verkauf ihrer eigenen Körperpflegemarke, die von mehreren Drogerieketten vermarktet wird.

Heinickes Management wollte die Zahlen laut „Manager Magazin“ nicht kommentieren. Andererseits kommt es auf ein paar tausend Euro mehr oder weniger nicht an, solange ankommt, was Bibi macht. Zumal der Win-win-Mechanismus ja auch anders herum funktioniert: So hat die Drogeriekette „dm“ Anfang Juli eine neue Eigenmarke lanciert, die dank der warmen Empfehlung der Beauty-Influencerin Paola Maria Koslowski schon nach zwei Tagen vergriffen war. Kein Wunder, Koslowski hat auf Youtube 1,7 Millionen Follower und auf Instagram 3,5 Millionen Fans.

Es braucht zum Geldverdienen aber nicht immer materielle Güter, wie die Karriere von Viktoria und Sarina belegt. Die zwei Mädels aus Österreich haben rund 1,3 Millionen Youtube-Abonnenten und konnten sich neben dem klassischen Beauty-Mode-Tralala vor allem durch pfiffige Do-it-yourself-Videos eine große Fangemeinde schaffen. Im Frühjahr 2017 haben die zwei ein Buch rausgebracht mit dem Titel „Spring in eine Pfütze“. Das hübsch aufgemachte Büchlein, das für jeden Tag des Jahres eine Challenge, also eine kleine Aufgabe, enthält, hat sich über 300.000 Mal verkauft.

Spring in eine Pfütze? Einerseits muss man anerkennen, wenn jemand aus so etwas Naheliegendem einen so großen Erfolg macht – etablierte Autoren verkaufen heute deutlich weniger Bücher und landen trotzdem in der Spiegel-Bestsellerliste. Andererseits stellt sich die Frage: Warum kommen unsere Kinder da nicht selbst darauf? Müssen erst zwei Grazer Gören den Teenies erklären, wie man ein bisschen verrückt ist? Wie man Kind ist? Sind wir Eltern schuld, weil wir zu oft gesagt haben: „Nicht in die Pfütze springen!“? Oder ist das Problem, dass unsere Kinder vor lauter Zuschauen nicht mehr zum Machen kommen?

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