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Gender Pay Gap Lohngleichheit erst in 120 Jahren

Männer erhalten weiter deutlich mehr Lohn als Frauen. Interessant sind die regionalen Unterschiede, denn sie zeigen auch den Kern des Problems.

Berufsleben
Männer erhalten weiterhin deutlich mehr Lohn für ihre Arbeit als Frauen. Foto: imago

Ein Baby, das heute geboren wird, wird es vermutlich nicht mehr erleben, dass Frauen und Männer in Deutschland gleich viel verdienen. Denn würde sich die Lohnlücke im gleichen Tempo verkleinern, wie sie es in den vergangenen zehn Jahren getan hat, wird eine Angleichung der Löhne erst in etwa 120 Jahren erreicht werden – also im Jahr 2138.

Denn in Deutschland verdienen Frauen laut der unbereinigten Lohnlücke, die Faktoren wie Mutterschutz, Position oder Ausbildung unberücksichtigt lässt, nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes noch immer 21 Prozent weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap verringert sich nur im Schneckentempo: 2006 lag dieser bei 23 Prozent. Ganze zwei Prozentpunkte hat er sich seitdem verkleinert. Konkret bedeutet das: Frauen bekommen durchschnittlich 16,59 Euro Bruttolohn in der Stunde, Männer dagegen 21 Euro. Überraschend ist das nicht. Seit Jahren dümpelt der Wert auf vergleichbar schlechtem Niveau – trotz Frauenquote in Aufsichtsräten und politischer Debatten.

Das neue Gesetz geht an den betroffenen Frauen vorbei

Ob das neue Entgeltgleichheitsgesetz irgendeinen Effekt auf diese Lohnlücke haben kann, wird sich noch zeigen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering, da das Gesetz die meisten betroffenen Frauen gar nicht erreicht. Nur in Betrieben ab 200 Mitarbeitern darf man erfragen, was der Kollege des anderen Geschlechts verdient.

Interessant ist der Ost-West-Vergleich: In den neuen Bundesländern beträgt die unbereinigte Lücke nur sieben Prozent. Sie war jedoch schon mal geringer und scheint sich langsam dem Westen anzupassen.

Gründe für den eklatanten Unterschied zwischen Ost und West: Im Osten war es traditionell schon immer so, dass Frauen mehr arbeiteten und ihre Kinder ganztags betreuen ließen. Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung waren in den neuen Bundesländern stets besser. Im Osten ist der Beschäftigungsanteil der Frauen daher auch höher.

Regional fällt die Lohnlücke allerdings recht unterschiedlich aus. Dort, wo gut bezahlte Industriejobs Mangelware sind, sind Männer auch häufiger arbeitslos. Dort ist der Gender Pay Gap geringer. Oder er dreht sich sogar gänzlich um. Ein Beispiel: In Cottbus fällt der Gender Pay Gap mit 17 Prozent zugunsten der Frau aus. Im bayerischen Dingolfing-Landau, wo das größte BMW-Werk Europas sitzt, beträgt das Lohngefälle fast 39 Prozent – zugunsten der Männer. Regionen, in denen es gut bezahlte „typische“ Männerjobs in der Industrie gibt, fällt der Gender Pay Gap also zum Nachteil der Frauen aus.

Herausforderung für die neue Familienministerin Giffey 

Die neue Familienministerin Franziska Giffey (SPD) war daher am Donnerstag an ihrem ersten Arbeitstag direkt mit einem der drängendsten Probleme konfrontiert, als die Zahlen anlässlich des Equal Pay Day am 18. März veröffentlicht wurden. Diese Problematik wird die 39-Jährige in den kommenden Jahren als Ministerin im Kampf für mehr Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern begleiten – und sie wird ihre Erfahrungen sowohl aus der Zeit als Bezirksbürgermeisterin in Neukölln als auch ihre Erkenntnisse aus dem Osten einbringen können.

Ihre Vorgängerin Katarina Barley hatte zuletzt eine Frauenquote für Vorstände gefordert. Auch das Entgeltgleichheitsgesetz war für Barley nur ein Kompromiss geblieben. Jetzt ist Giffey dran.

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