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Frauen in Führungspositionen Henkel geht voran

Der Konsumgüterkonzern aus Düsseldorf ist das erste deutsche Dax-Unternehmen mit einer weiblichen Doppelspitze im Aufsichtsrat. In den Vorständen sieht es für Frauen hingegen weiter schlecht aus.

Simone Bagel-Trah
Simone Bagel-Trah ist Chefin des Aufsichtsrats von Henkel. Foto: imago

Das ist historisch: Wo andere Aufsichtsräte noch damit beschäftigt sind, ihre gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent zu erfüllen, sind beim Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel Frauen in Führungspositionen eine Selbstverständlichkeit: Erstmals gibt es in Deutschland im Aufsichtsrat eines der 30 größten börsennotierten Dax-Konzerne sogar eine weibliche Doppelspitze. Simone Bagel-Trah, die seit 2009 Vorsitzende des Henkel-Aufsichtsrates ist, bekommt nun weibliche Unterstützung: Birgit Helten-Kindlein wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums gewählt.

Das ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen passierte diese Wahl ohne viel Aufhebens – denn sie fand schon am 9. April statt, wurde allerdings erst jetzt bekannt. Auch das kann als Zeichen gesehen werden, nämlich als Zeichen von Normalität. Es zeigt zudem auch, dass der Hersteller von Shampoo, Zahnpasta und Waschmittel die Posten nicht nach Imagekriterien besetzt und sich danach als besonders modernes Unternehmen selbst feiert, sondern die Stellen nach Erfahrung und Fähigkeiten bekleidet. Die 54-jährige Helten-Kindlein ist langjährige Betriebsrätin bei Henkel, Finanzexpertin und hat einen Abschluss als Hochschulökonomin im Personalmanagement. Das Unternehmen hätte schließlich die Spitze auch wie zuvor paritätisch besetzen – und Bagel-Trah einen Mann an die Seite stellen können. Helten-Kindlein ist die Nachfolgerin des langjährigen Betriebsratschefs Winfried Zander. Die Personalie zeigt auch, dass sich in Sachen Gleichberechtigung etwas bewegt. Die gläserne Decke wird durchlässiger.

Insgesamt besteht der Henkel-Aufsichtsrat aus 16 Mitgliedern, davon sind sechs Frauen. Mit einem Anteil von 37,5 Prozent liegt der Frauenanteil in dem Unternehmen damit über der gesetzlichen Frauenquote von mindestens 30 Prozent. Seit rund zwei Jahren sind etwa hundert Unternehmen in Deutschland verpflichtet, ihre neu zu besetzenden Aufsichtsratsposten so lange mit Frauen zu besetzen, bis mindestens eine Quote von 30 Prozent erreicht ist. Dazu gehören in der Regel börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten.

Wird diese Verpflichtung bei einer Wahl nicht beachtet, müssen die Stühle leer bleiben. Zudem sind rund 4000 weitere Firmen angehalten, sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand und anderen Führungsgremien zu setzen. Das Gesetz hat bisher Wirkung erzielt. Seit der Einführung ist der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten deutlich gestiegen.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der Anteil in den Kontrollgremien der gut 100 Unternehmen inzwischen auf durchschnittlich 30 Prozent bis Ende 2017 gewachsen – rund drei Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor. Erstmals zeigt das Managerinnen-Barometer des DIW, dass zahlreiche Unternehmen den Frauenanteil in ihrem Aufsichtsrat auch über das vorgegebene Minimum hinaus erhöhen.

Allerdings sieht es in den Vorstandsetagen weiterhin düster, beziehungsweise sehr männlich aus. Dort liegt der Frauenanteil gerade mal bei sechs Prozent. Die ehemalige Familienministerin Katarina Barley (SPD) hatte am Ende ihrer Amtszeit den Vorständen gedroht, eine Quote auch bei den Vorständen einzuführen, wenn sich an dieser Zahl weiterhin nichts ändere. Auch ihre Nachfolgerin, die neue Familienministerin Franziska Giffey (SPD), hat angekündigt, mehr Druck machen und Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen zu wollen.

Wer sich als Unternehmen dieser Chance verschließe und sich bei der Besetzung künftiger Führungspositionen mit Frauen das Ziel ‚0 Prozent‘ setze, schöpfe nicht alle Möglichkeiten aus, um erfolgreich zu sein, sagte Giffey vergangene Woche. „Und es ist alles andere als zeitgemäß. Frauen können alles – das sollte auch endlich in den Unternehmen angekommen sein“, betonte die Ministerin weiter.

Immerhin: Bei Beiersdorf zieht mit Dessi Temperley erstmals eine Frau in den Vorstand des Dax-Konzerns. Das wurde am Dienstag bekannt. Die 45-jährige ehemalige Nestle-Managerin Temperley übernehme das Finanzressort von Jesper Andersen, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, teilte der Nivea-Hersteller mit. „Wir sind zuversichtlich, dass ihre umfangreiche Expertise im Finanzbereich dazu beitragen wird, Beiersdorfs Unternehmenserfolg und unseren Wachstumskurs weiter voranzutreiben“, warb Firmenchef Stefan Heidenreich für Temperley. Dennoch ist Beiersdorf nur einer von vielen: Von einer Signalwirkung für Vorstände und Geschäftsführungen, für die es in Deutschland bislang keine gesetzliche Quotenregelung gibt, kann noch keine Rede sein. (mit rtr)

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