Lade Inhalte...

Frauen in der Politik Die Hürden für Frauen sind hoch und unsichtbar

Deutschlands politische Kultur wandelt sich nur langsam.

Cornelia Möhring
Cornelia Möhring von den Linken auf der Demo Leben und Lieben ohne Bevormundung , einer Kundgebung für sexuelle Sebstbestimmung. Foto: Imago

In Deutschland gibt es kein Gesetz, das Frauen politische Arbeit verbietet. Die Hürden, die sie davon abhalten, sich in Parteien zu engagieren, sich als Kandidatinnen aufstellen zu lassen, gar Spitzenfunktionen zu übernehmen, sind nicht auf den ersten Blick sichtbar – aber darum nicht weniger hoch. Der zuletzt gesunkene Frauenanteil im Bundestag belegt das eindrücklich.

Die Ursachen sind vielfältig. Die Erklärung, dass Frauen mit Job, Sorgearbeit und Haushalt noch immer häufiger als Männer mehrfach belastet sind und ihnen schlicht weniger Zeit für politisches Engagement bleibt, ist sicher richtig, greift aber zu kurz. „Auch die politische Kultur in manchen Parteien schreckt Frauen ab“, weiß Gesine Agena, stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen. „Dort wo Machogehabe, Männernetzwerke und blöde Sprüche an der Tagesordnung sind, lädt das Frauen nicht dazu ein, sich zu beteiligen.“

Ihre Kollegin Cornelia Möhring von den Linken hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen eher bereit sind, für ganz konkrete Anliegen mit durchsetzbaren Zielen aktiv zu werden. „Das sehen wir auch am großen Anteil von Frauen in sogenannten Ein-Punkt-Bewegungen“, sagt Möhring und verweist auf die Umweltbewegung oder die aktuellen Proteste zum Paragrafen 219a. Dagegen habe Parteiarbeit allzu oft etwas von „Vereinsmeierei“, die Rollenbilder seien patriarchal geprägt. „Ein ‚guter‘ Politiker ist flexibel, immer im Einsatz, moralisch einwandfrei, kennt keine Schwäche oder Krankheit und hat zu jedem Thema etwas vermeintlich Kluges mitzuteilen. Und wenn dann noch in vollen Sälen die politische Wahrheit in die Massen gebrüllt wird – unter Applaus natürlich – dann bekommt ‚man‘ das Prädikat Vollblutpolitiker oder die Jüngeren: ‚politisches Talent‘“, so Möhring. „Mit der Lebensrealität und Vergesellschaftung der meisten Frauen hat das alles nichts zu tun.“

Grüne und Linke haben auf diese Erkenntnisse längst reagiert – mit quotierten Wahllisten beispielsweise. Auch Redezeiten bei Parteitagen werden nach Quote verteilt. Bei den Grünen gibt es für alle Funktionen die Doppelspitze, um den ewigen Kreislauf „Männer fördern Männer, die wiederum Männer fördern“ zu durchbrechen. Die Linke setzt verstärkt auf familienfreundliche Sitzungszeiten, Kinderbetreuung bei Parteitagen und Mentoringprogramme.

Ähnliche Ideen gewinnen auch bei Union und FDP zunehmend Raum – auch weil längst deutlich wird, dass es ansonsten seltener gelingt, weibliche Wählerinnen anzusprechen. Bei den Freien Demokraten macht sich die junge Juli-Chefin Ria Schröder öffentlich für frauenfreundlichere Strukturen stark. Bei der CDU fordert Annette Widmann-Mauz, die Vorsitzende der Frauen-Union, dass das „parteiinterne Frauenquorum von einem Drittel in der CDU verbindlicher werden muss“. Zudem müsse die „zeitraubende Arbeitsweise in den Gremien reformiert werden“. Widmann-Mauz schlägt außerdem vor, den Blick nach Frankreich zu richten, wo es geregelte Verfahren gibt, damit die Parteien auch in Wahlkreisen mehr Frauen aufstellen. „Das müssen wir uns ansehen.“

Die Grünen sind da schon weiter. „Unsere Frauenstrukturen sind gut und wichtig, an der politischen Kultur können alle weiter arbeiten“, sagt Gesine Agena. „Und das gilt nicht nur für die stärkere Beteiligung von Frauen. Das gilt auch für Menschen, die aufgrund anderer Merkmale als ihrem Geschlecht diskriminiert werden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen