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FR-Themenspecial Warum 2018 das Jahr der Frau ist

Wir feiern: 100 Jahre Frauenwahlrecht; 110 Jahre, dass Frauen an Universitäten studieren dürfen; 125 Jahre, seit das erste Mädchen auf ein Gymnasium gehen konnte. Zweifellos – 2018 ist das Jahr der Frau! Die FR erklärt den langen Weg bis hierhin - und weshalb wir noch lange nicht am Ziel sind.

Das Jahr der Frauen

Das Jahr 2018 steht für einen emanzipatorischen Auftrag und für zwei Botschaften. Erstens: Frauen haben viel erreicht, aber noch längst nicht genug! Zweitens: Kein Recht wurde ihnen je zugestanden, für das sie nicht bereit waren zu streiten!

Von der ersten Frauenbewegung im 19. Jahrhundert können wir lernen: Jede Strategie, die zu mehr Gleichberechtigung führt, ist eine gute Strategie. Mal müssen wir diplomatisch sein, mal laut, mal kämpferisch. Wir müssen fordern! Sonst wird das nichts mit unserer Selbstbestimmung. Denn Freiheiten wurden uns nie geschenkt, höchstens gewährt. Und stets wurden uns nur die Chancen eingeräumt, die wir mit Macht beanspruchten.

Die Frankfurter Rundschau leuchtet das Feld weiblicher Emanzipationsbestrebungen aus. Wir stellen Heldinnen vor, Verführerinnen, Streiterinnen und viele mehr. Beschäftigen uns mit Themen wie Emanzipation, Sexismus, MeToo-Debatte, Women’s Marches als Protest gegen Donald Trump, Feminismus und Prostitution. Themen also, die gemeinhin als Frauenfragen bezeichnet werden – als ginge es nicht vielmehr um Menschheitsfragen.

 

Jahr der Frau: Streiterinnen

Es ist ein ermutigendes Signal. Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an zwei Streiterinnen und Streiter – an  Nadia Murad und Denis Mukwege , die sich seit Jahren aktiv gegen sexuelle Gewalt einsetzen. Sie haben es geschafft, so das Nobelkomitee, die Aufmerksamkeit der Welt verstärkt auf dieses Kriegsverbrechen zu lenken. Auch jenseits des Friedensnobelpreises beschäftigen wir uns in den kommenden Wochen mit Streiterinnen. Mit widerständigen, mutigen Frauen, die uns ein Vorbild sein können.

Einer männerdominierten Welt ist der Mythos von der immerzu sanften Frau sehr nützlich. Mehr noch: Er redet auch den Frauen ein, nicht zur Streiterin geboren zu sein. Dabei zeigt die Geschichte ebenso wie die Gegenwart, wozu gerade die laute Kämpferin imstande ist. Lesen Sie dazu den Essay von FR-Chefredakteurin Bascha Mika.

In diesem Oktober wird es in Ihrer Frankfurter Rundschau an mehreren Tagen der Woche um das Thema Streiterinnen gehen. Um angriffsfreudige Frauen als Literatinnen und in der Literatur, um Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht und Aktivistinnen für politische Partizipation. Wir spüren Frauen nach, die in der Familie, der Mode, der Spiele- oder der Sexindustrie ihr Ding machen.

Begleiten Sie uns zu den Streiterinnen und freuen Sie sich auf unsere Sonderausgaben! Oder kommen Sie auf die Frankfurter Buchmesse, wo es an jedem Tag ein FR-Podium zum Thema geben wird.

 

Jahr der Frau: Arbeiterinnen

Frauen und Arbeit – passt das überhaupt zusammen?, fragt FR-Autorin Ella Carina Werner. Lange Zeit durften Frauen Männerarbeit nicht machen, dafür waren sie nicht geeignet. Zu kleine Körper (Militär), zu kleine Gehirne (Wissenschaft), zu schwache Nerven (Politik) und so fort. Die Aufgabenteilung war klar. Straße fegen: männlich. Haus fegen: weiblich. Diktieren: männlich. Diktat abtippen: weiblich. Krieg machen: männlich. Trümmer nach Krieg wegräumen: weiblich.

Pflicht zur Hausarbeit, kaum Chancen auf Ausbildung – vom Jahr 1968 an stritt die Frauenbewegung auch für die gleichberechtigte Teilhabe an der Arbeitswelt. Doch die Dilemmata der Emanzipation in den Überschneidungen zwischen Arbeit und Geschlecht erweisen sich vertrackt, erinnert sich die Politikwissenschaftlerin Ingrid Kurz-Scherf.

Jetzt ist 2018. Klar separierte Frauen- und Männerberufe gibt es heute kaum noch, aber zahllose Jobs werden noch immer als weiblich oder männlich wahrgenommen. Geburtshilfe: weiblich. Bestattungshilfe: männlich. Tagesmutter: weiblich. Tagesvater: lustig. Und noch immer wird Frauenarbeit häufig schlechter bezahlt. 

„Selbständig müssen die Frauen werden“ - Louise-Otto Peters’ Forderung aus dem Jahre 1847 ist heute noch so aktuell wie damals. Der Weg dahin führt über den Beruf und die öffentliche Anerkennung, analysiert FR-Chefredakteurin Bascha Mika.

Hartnäckig hält sich übrigens der Mythos von Prostitution als dem ältesten Gewerbe der Welt. Doch bevor Frauen ihren Körper verkauften, wurden sie von Männern zur Ware erklärt: Erst Sklavin, dann Hure, fasst die Aktivistin und Bloggerin Mira Sigel zusammen. 

Die 20-seitige Beilage ist gedruckt in der Frankfurter Rundschau erscheinen zum Internationalen Frauentag am 8. März 2018.

 

Jahr der Frau: Schöpferinnen

Die Schöpfung ist weiblich – so legt es zumindest der Artikel des Begriffs nahe. Und dass es keine Lebensschöpfer, sondern nur -schöpferinnen gibt, wussten bereits sehr frühe Kulturen. Sie verliehen der Fruchtbarkeit göttlichen Status, verehrten die Erde als weibliche Urkraft, die hervorbringt und auch verschlingt.

Vielleicht ist es ja die Biologie, die der Schöpfungskraft von Frauen menschheitsgeschichtlich zum Verhängnis wurde. Zumindest geht eine, wenn auch etwas platt geratene, feministische Theorie davon aus: Seit Jahrtausenden versucht das männliche Prinzip dem weiblichen das schöpferische Potenzial abzusprechen und es im Kreatürlichen einzuhegen – aus Neid auf die Gebärfähigkeit. Gleichzeitig dürfen Frauen nicht als Zerstörerinnen auftreten, denn nur wer neu erschafft, darf zertrümmern.

Tatsächlich folgen die meisten Weltreligionen und Welterklärungen diesem Muster. Und bis heute haben sich Männer im schöpferischen Bereich ihre Vormachtstellung gesichert, sei es in der Kunst und Literatur, der Wissenschaft und Technik, in der digitalen oder der Modewelt. Der kreative Geist kommt nach wie vor überwältigend männlich daher.

Grund genug, uns den Schöpferinnen zu widmen. Weibliches Erschaffen und Zerschlagen – eine schwere Geburt manchmal. Wortwörtlich. Schwangere wollen unbedingt alles richtig machen - und wehe, sie haben nicht alles unter Kontrolle, warnt FR-Redakteurin Nadja Erb.

Außerdem: Die Wortschöpferin und Rapperin Sookee im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Macht der Begriffe, Frauenhass im deutschen Hip-Hop und warum man Kunst auch mal kaputtmachen muss. 

 

Jahr der Frau: Extremistinnen

Es gibt Mythen, die ihr Unwesen seit tausenden von Jahren treiben, die kulturgeschichtlich fest in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind und sich bis heute in Stereotypen über Männer und Frauen niederschlagen. Zu diesen Legenden gehört die Vorstellung, das weibliche Wesen neige eher nicht zur Radikalität und strebe nur selten nach dem Absoluten, nach der Grenzerfahrung. Männer das extreme Geschlecht, Frauen gemäßigt?

Die gesellschaftlichen Verhältnisse scheinen dafür viele Belege zu liefern – zum Beispiel wenn es um die Anzahl männlicher und weiblicher Gewalttaten geht. Doch das Oberflächenbild kann auch täuschen: Es gibt sie überall, die Extremistinnen. Frauen, die außergewöhnliche Herausforderungen suchen, sich selbst und ihren Körper bedingungslos einem Ziel unterwerfen, in radikalen Ideologien ihre Identität suchen – oder es einfach satt haben, als nett und kompromissbereit zu gelten.

Zum Jahr der Frau nimmt die FR die Extremistinnen in den Blick. Frauen, die bis zum Äußersten gehen. Der Essener Psychotherapeut Christian Lüdke kennt sie. „Frauen vergiften lieber, als dass sie erschießen“, sagt er im Gespräch über Extremismus und Geschlecht. In einer Welt der extremen Gefühle lebt, wer an der Borderline-Störung leidet. Eine junge Frau gewährt Einblick.

 

Jahr der Frau: Schwestern

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Die Parole der französischen Revolution. Und was ist mit der Schwesterlichkeit? Als die Revolutionärin Olympe de Gouges Freiheit und Gleichheit auch für Frauen forderte, landete sie auf dem Schafott.

„Wir alle sind Schwestern!“ Mit diesem Kampfruf trat die zweite Frauenbewegung an. Es ging darum, Gemeinschaft zu stiften, schwesterlich im Widerstand gegen das Patriarchat. Und wie steht es um die Schwesternschaft hier und jetzt?

Hunderttausende Frauen gingen bei den „Women’s Marches“ in den USA zu Demonstrationen gegen Präsident Trump und für einen modernen Feminismus auf die Straße. Doch vor allem schwarze Frauen fühlen sich nicht wirklich vertreten. „Schwestern, wo seid ihr?“, fragt FR-Korrespondent Sebastian Moll.

Frauen-Netzwerke sind auch sonst noch zu dünn, sagt FR-Redakteurin Sabine Hamacher. Wenn sie überhaupt Seilschaften bilden, seien sie wenig zielstrebig - und wenig loyal.

 

Jahr der Frau: Heldinnen

Kleine Mädchen möchten fliegen wie Superwoman oder stark sein wie Pippi Langstrumpf. Große Mädchen wollen so klug sein wie Michelle Obama oder so mutig wie Arundathi Roy. Die Sehnsucht nach Heldinnen ist groß. Sie sind Ansporn und Vorbild in einer von männlichen Heldenmythen geprägten Welt.

Die Frankfurter Rundschau fragt zum Jahr der Frau nach Heldinnen in der Realität und der Fantasie. Ob Vorzeigesportlerin oder feministische Politikerin, ob Piratin oder Rebel Girl – die Heldinnen sind unter uns, wir müssen sie nur entdecken.

Gehen Sie mit uns auf die Suche! Sie werden unter anderem finden die Ex-Nationaltorhüterin Nadine Angerer, die mit der Frankfurter Rundschau über falsche Vorbilder spricht, und  Marlène Schiappa, die Frankreichs Politik aufwirbelt. 

 

Jahr der Frau: Verführerinnen

Eva, der Apfel, die Schlange, der Teufel. Eva verführte und wurde verführt. Zwar verdanken wir der Urfrau, dass wir in dieser Welt leben und nicht im langweiligen Paradies. Dennoch haben weibliche Verführungskräfte spätestens seit der Schöpfungsgeschichte einen verdammt schlechten Ruf.

Das lässt sich ändern. Denn Verführung ist allgegenwärtig, wir alle erliegen ihr ständig. Der Schönheit, dem Genuss, der Erotik, der Karriere, einem Menschen, der uns Liebe verspricht. Dabei scheint es häufig, als wäre die Verführerin eine weibliche Paraderolle. Dem wollen wir zum Jahr der Frau nachgehen.

Für Sexshopbetreiberin Kathi Leiber ist Verführung der steinige Weg zwischen „Tagesschau“ und Schlafzimmer. Ein Gespräch über erste Signale, festgefahrene Rollen und die Wertschätzung, die in einer Aufforderung zum Geschlechtsverkehr liegen kann.

Viele Facetten hat das Bezirzen im Tierreich

Lassen Sie sich von unseren Texten und Bildern bezirzen!

 

Jahr der Frau: Schlampen

Sie ist liederlich, schmutzig, nachlässig, ordinär und leichtfertig – um wen geht es hier wohl? Ganz klar, um eine Schlampe. Um eine Frau, die nicht der herrschenden Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit entspricht, die sich Freiheiten nimmt statt sich Normen zu beugen. Auch im Sexuellen.

Als Schimpfwort wurde die Schlampe eigens für Frauen erfunden. Ursprünglich bezeichnete der Begriff nur den schlotternden, unordentlich herabhängenden Weiberrock. Doch schon bald wurde daraus eine Beleidigung, mit der auch Frauen andere Frauen gern niedermachen. Lassen sich sexistische Beleidigungen umdeuten, sich ironisch interpretieren oder rebellisch aneignen? Diesen Versuch machen wir.

Carolin Kebekus springt als Praktikantin bei RTL in einem Sketch ein, weil sich ein Schauspieler verspätet. „Die Kleene ist ja ganz lustig“, sagt Produzent Hugo Egon Balder. Ihre Karriere in der Comedy-Welt beginnt. Seit 2015 moderiert Kebekus ihre eigene Sendung „Pussy Terror TV“, die im Ersten läuft. Sie ist auch Teil des Ensembles der „ZDF heute-show“. Der FR erzählt sie im Interview, wie sie mit Shitstorms umgeht, warum gutes Aussehen sie vor noch mehr Anfeindungen schützt und warum Frauen manchmal untereinander einfach nur biestig sind. 

 

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