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FR-Diskussion Eine Bewegung für alle Frauen

Cassady Fendlay, Sprecherin des „Women’s March“ in den USA, diskutiert mit der FR über die Zukunft des feministischen Aktivismus.

Cassady Fendlay
Cassady Fendlay (r.) mit FR-Politikredakteurin Nadja Erb. Foto: Monika Müller

Es sei extrem anstrengend, anspruchsvoll und emotional gewesen: Das erste Jahr der „Women’s March“–Bewegung nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hat den Aktivistinnen um Cassady Fendlay viel abverlangt. Anfeindungen, Drohungen und massiver Widerstand seien den Frauen entgegengeschlagen, die sich am 21. Januar 2017 zum „Women’s March on Washington“ versammelt hatten, um ihren Protest gegen den Sexisten im Weißen Haus auf die Straße zu bringen. Über eine Million Frauen demonstrierten in der US-amerikanischen Hauptstadt, über fünf Millionen insgesamt bei sogenannten Schwestermärschen auf der ganzen Welt. Seitdem hat sich unter dem Namen eine weltweite Bewegung entwickelt.

„Das Jahr hat uns gezeigt, was wir erreichen können und wo wir noch dazulernen müssen“, sagte Fendlay, Mitorganisatorin des ersten Women’s March und Sprecherin der Bewegung in den USA. Am Internationalen Frauentag sprach sie im Frankfurter Gewerkschaftshaus auf Einladung des DGB mit der stellvertretenden Ressortleiterin Politik der FR, Nadja Erb, über das bereits Erreichte und neue Herausforderungen.

Frauen eine Stimme geben

„Wir haben schnell gelernt, dass wir, wenn wir Frauen ermutigen wollen, sich zu engagieren, niemanden ausschließen dürfen. Als privilegierte Weiße muss ich vielmehr die Aufmerksamkeit nutzen, um all jene Frauen zu uns einzuladen und ihnen eine Stimme zu geben, die immer noch unterpriviligiert sind“, sagte Fendlay. Der „Women’s March“ wolle so afroamerikanischen, indigenen, muslimischen und behinderten Frauen ermöglichen, gehört zu werden und dabei helfen, ihre Situation zu verbessern.

Auf die #MeToo-Bewegung angesprochen sagt die Aktivistin, die vor ihrem Engagement für das feministische Netzwerk in der Arbeiterbewegung aktiv war, dies sei ein gutes Beispiel dafür, wie sehr bestimmte Gruppen unterrepräsentiert seien. Der mittlerweile weltweit bekannte Hashtag #MeToo wurde eigentlich von der Afroamerikanerin Tarana Burke initiiert, doch erst als weiße Hollywood-Schauspielerinnen über ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch und Gewalt sprachen, bekam der Begriff eine größere Aufmerksamkeit.

„Das Problem ist, dass Themen in den Medien immer auf eine bestimmte Weise angegangen werden und so bestimmte Gruppen nicht repräsentiert werden“, so Fendlay, „was auch daran liegt, dass die Mehrheit der Journalisten und Redakteure weiße Männer sind.“ Das Gleiche gelte für die Schülerproteste nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, vor rund vier Wochen: So wichtig und richtig die Aufmerksamkeit für die beeindrucken Schülerproteste sei, so wichtig sei auch festzustellen, dass es schon viel länger eine Bewegung gegen Schusswaffenbesitz gebe, diese aber viel weniger wahrgenommen werde, da sie überwiegend aus armen, afroamerikanischen Communities komme.

Fendlay und die Bewegung begreifen sich deshalb nicht allein als feministische Aktivistinnen, sondern als Kämpferinnen für Menschenrechte. In ihren „Unity Principles“ ist festgeschrieben: „Wir sind der Überzeugung, dass Frauenrechte Menschenrechte sind und Menschenrechte Frauenrechte.“ Die Bewegung solle in Zukunft auf breitere Füße gestellt werden: „Wir wollen Frauen ermutigen, sich politisch zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und sich politisch weiterzubilden. Unser aller Stimmen zählen. Und wir müssen zeigen, dass afroamerikanische Frauen Anführerinnen sein können.“

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