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Feminismus Von Feminazi bis Hure

Es gibt unendlich viele Schimpfwörter für Frauen. Die FR hat neun der Bekanntesten unter die Lupe genommen und klärt auf, woher sie kommen und was sich dahinter verbirgt.

Bitch
Bitch! Ist das überhaupt noch eine Beschimpfung? Foto: Imago

Bitterfotze 

Der Titel des Romans von Maria Sveland sorgte 2009 für Naserümpfen. Der klassische Vorwurf, „verbittert“ zu sein, kombiniert mit einer maximal abwertenden Beschimpfung – und das von einer Frau. Die Autorin selbst sah in der „Bitterfotze“ ein feministisches Statement. In dem autobiografisch geprägten Roman geht es um eine Frau, die zwischen „Familienhölle“ und antifeministischer Gesellschaft müde und wütend wird – wütend, nicht traurig. Das ist wichtig. Eine Bitterfotze, erklärte Sveland damals, sei das Gegenteil einer weiblichen Märtyrerin. Diese nämlich habe gelernt, Ungerechtigkeit freundlich und widerstandslos hinzunehmen, und sie schlucke den Schmerz und Ärger immer herunter – anstatt alles heraus zu lassen. Eine Bitterfotze macht genau das. „Sie ist im Gegensatz zur weiblichen Märtyrerin eine Frau, die die Schnauze voll hat, die ihren Ärger ernst nimmt und ihn nutzt, um Ungerechtigkeiten konstruktiv entgegenzutreten.“ Eine Bitterfotze zu sein, sei der einzige Weg, als Frau in dieser Welt zu überleben und nicht verrückt zu werden.

Luder

In den 90er-Jahren hatte das „Luder“ seinen großen Auftritt. Boxenluder, Partyluder und Promiluder waren in aller Munde. Mittlerweile wird das Luder etwas seltener durchs Dorf getrieben – und das ist gut so. Denn wenn Schlampe, Schnalle oder Fotze schon unterste Schublade sind, dann ist Luder tiefstes Kellerloch. Der Begriff stammt – mal wieder – aus der Jägersprache und bezeichnet dort ein totes(!) Tier(!), das zum Anlocken(!) von Raubtieren(!) verwendet wird. Wow, ekelhafter geht es wirklich nicht.

Weib

„Weib“ war einmal ein neutraler Begriff, eine Verwendung, die bis heute etwa im Adjektiv „weiblich“ überdauert hat. Erst durch die generell verächtliche Sicht auf Frauen bekam das Weib etwa seit dem Jahr 1500 einen abfälligen Beiklang. Ähnlich ist es mit anderen Bezeichnungen wie Dirne oder Fräulein. Die Bedeutungsverschlechterungen reflektierten „direkt den historisch geringen Status der Frau, ihre niedrige gesellschaftliche Stellung und Wertschätzung“. Zugleich setzte sich ab dem späten Mittelalter das Wort „Dame“ oder „Frau“ immer mehr als Bezeichnung Adliger durch. Das „Weib“ wurde zum abwertenden Ausdruck für deren arme Geschlechtsgenossinnen. 

Tussi

Tussi war mal für überkandidelte Frauen reserviert, die irgendwie etepetete waren. Mittlerweile ist das Wort auf Schulhöfen schon fast zum Synonym für „Frau“ oder „Mädchen“ geworden – analog zum „Typ“. Und woher kommt’s? Von Thusnelda! Sie wissen schon, Thusnelda, vielleicht die einzige Frau, die sowohl von ihrem späteren Ehemann, dem Cheruskerfürsten Arminius, als auch von ihrem Vater, dem Cheruskerfürsten Segestes, entführt wurde. Bekannt wurde sie später allerdings weniger dafür, sondern – dank Kleists Theaterstück „Die Hermannsschlacht“ – als angeblich nervige Ehefrau. Und mal wieder muss man mit Thusneldas Geschichte im Hintergrund sagen: Selbst wenn’s so war, wen wundert’s? 

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