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Das Jahr der Frauen Erst Sklavin, dann Hure

Der Mythos von Prostitution als dem ältesten Gewerbe der Welt hält sich hartnäckig. Doch bevor Frauen ihren Körper verkauften, wurden sie von Männern zur Ware erklärt.

Prostituierte bei ihrer Arbeit im Bordell
Prostituierte bei ihrer Arbeit im Bordell. Foto: Imago

Wenn es um Prostitution geht, ist oft die Rede vom „ältesten Gewerbe der Welt“. Doch Prostitution entstand erst mit dem Patriarchat und ist keineswegs eine menschliche Universalie. Ihre Entstehung ist eng verbunden mit der Geschichte der Unterdrückung der Frau und der Sklaverei. 

Die Tempelhuren von Babylon 
Als Beleg für die Behauptung vom „ältesten Gewerbe der Welt“ wird die angebliche Tempelprostitution in Altbabylon angeführt, eine Art „heilige Prostitution“, bei der sich angeblich Frauen aus Dienst an der Göttin Ischtar prostituierten. Die „heilige Prostitution“ gab es so nicht, sondern stattdessen den Brauch, dass Frauen, bevor sie heirateten, eine Nacht mit einem Fremden verbrachten, der sie mit einer symbolischen Münze bezahlte, damit die Ehe glücklich und fruchtbar wurde. Zu Ehren der Göttin Ischtar wurde außerdem einmal im Jahr eine „heilige Hochzeit“ abgehalten, ritueller Sex, der für die Fruchtbarkeit der Felder sorgte. Berühmtestes Zeugnis dafür ist das Gilgamesch-Epos. Trotzdem gab es in Mesopotamien Prostitution, und zwar in ihrem profanen Sinne. Sie steht in enger Verbindung mit dem Erstarken des Patriarchats und des wachsenden Einflusses einer männlichen Kriegerkaste. Die Herabstufung der weiblichen Gottheit zugunsten des Aufstiegs männlicher Götter korrespondiert mit dem sinkenden Ansehen der Frau an sich. Feministische Historikerinnen wie Gerda Lerner zeigen auf, dass Prostitution ihren Ursprung in der Sklaverei hat, und diese wiederum aus dem sich professionalisierenden Kriegswesen ab dem 5. Jahrtausend vor Christus entstand. Auf Kriegszügen wurden Frauen geraubt, vergewaltigt und zur Arbeit gezwungen. Parallel nahm die Anzahl der Gesetze zu, die Frauen in ihren Freiheiten einschränken, wie etwa Strafe bei Ehebruch.

Die „Huren“ im Alten Testament 
Im Buch Mose ist von „kadesha“ die Rede – was immer mit „heilige Hure“ übersetzt wird, doch auch andere Übersetzungen sind denkbar – die die magischen Fähigkeiten einer Frau und ihre Selbstbestimmung ausdrücken. „Zonah“ entspricht etwa dem, was wir heute unter „Schlampe“ verstehen – beschrieb also auch untreue Ehefrauen. Wir können davon ausgehen, dass die wenigsten Frauen, die im Alten Testament als „zonah“ bezeichnet werden, wirklich Prostituierte im engeren Sinn waren. Gleichzeitig werden Prostituierte als verschlagen und listig dargestellt, die Männer müssen, wie Juda, ständig auf der Hut vor ihnen sein.

Die Hetären der Antike 
Im antiken Griechenland waren Frauen streng auf die Sphäre des Hauses zurückgeworfen und der Autorität von Vater und Ehemann unterstellt. Ein Vergewaltiger hatte mit einer geringeren Strafe zu rechnen als ein Mann, der die Frau eines anderen „verführte“. Frauen wurden von Denkern wie Platon und Aristoteles als zutiefst triebgesteuert und nur mit einem schwachen Willen ausgestattet beschrieben. Damit die Männer ihren Lustinteressen nachgehen konnten, gab es staatlich organisierte Bordelle, in denen Sklavinnen und ehemalige Sklavinnen arbeiteten. Weibliche Neugeborene galten nach patriarchalem Verständnis als „wertlos“ und wurden entsorgt. Die „entsorgten“ weiblichen Neugeborenen hatten automatisch den Status von Sklaven – und waren somit für die Bordellbesitzer von Nutzen. Die Einnahmen aus der Prostitution gingen an den Staat. Vom griechischen Wort „hora“ stammt unser Wort „Hure“ ab – es wurde aber nicht nur für Prostituierte verwendet, sondern auch für Frauen, die sich sexuell freizügig oder auch nur eigensinnig zeigten. Rom übernahm von Griechenland nicht nur die Sklaverei und die Entrechtung von Frauen, sondern auch die Prostitution. 

Das Christentum und das Neue Testament 
Auch das Neue Testament trägt den Frauenhass in sich. Paulus erklärte in seinem Brief an die Korinther, dass nicht die Frau, sondern der Mann über ihren Körper verfügte. Es war Kirchenvater Augustinus, der zum ersten Mal von der Notwendigkeit der Prostitution schrieb – ohne die es zu einer Explosion der Triebe kommen würde, ein Motiv, das sich in der Rechtfertigung der Prostitution bis in das 20. Jahrhundert findet. 

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