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Geiselnahme in Köln Tatverdächtiger war wohl traumatisiert

Die Sicherheitsbehörden halten die Geiselnahme von Köln bislang nicht für einen Terrorakt.

Geiselnahme in Köln
Am Kölner Hauptbahnhof hatte ein Mann am Montag einen Molotow-Cocktail gezündet und in einer Apotheke eine Geisel genommen. Foto: dpa

Nach der Geiselnahme am Montag im Kölner Hauptbahnhof mehren sich die Hinweise, dass es sich bei dem schwer verletzten Täter nicht um einen Islamisten, sondern um einen psychisch kranken Mann handelt.

Der Verdächtige schwebte am Dienstag noch in Lebensgefahr und wurde auf der Intensivstation behandelt. Er war von einem Spezialeinsatzkommando angeschossen worden und musste anschließend reanimiert werden. Der bewaffnete Mann hatte in einem Café im Bahnhof einen Molotowcocktail gezündet und sich dann mit einer Geisel in einer Apotheke verschanzt. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte das Geschäft.

Die Identität des Geiselnehmers war zunächst noch nicht zweifelsfrei geklärt. Am Tatort wurden aber laut Polizei Papiere eines 55 Jahre alten Syrers gefunden, der offenbar seit 2015 in Deutschland lebt und einen offiziellen Flüchtlingsstatus hat. Die Polizei geht mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass die Papiere zu dem Täter gehören. Die „Kölnische Rundschau“ berichtet, die Polizei habe bei der Durchsuchung der Wohnung des Kölner Geiselnehmers in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld Beweismaterial sichergestellt. Besondere Bedeutung hat möglicherweise eine Tasche, die der Täter in dem Café zurückließ und später zurückforderte.

Die Sicherheitsbehörden haben wohl bisher keinen Anhaltspunkt dafür, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Islamisten handelt oder einen Mann, der aus einer islamistischen Motivation agierte. Jedenfalls sei er bisher nicht als Islamist aufgefallen, hieß es in Sicherheitskreisen.

Dagegen spreche, dass er mit 55 Jahren für einen islamistischen Attentäter schon relativ alt wäre. Zudem soll er Passanten zufolge gerufen haben, dass er zur Terrorgruppe Daesh gehöre. „Daesh“ ist der arabische Name für die Terrormiliz „Islamischer Staat“, wird aber von IS-Kämpfern nicht zur Selbstbezichtigung genutzt, sondern dient in einschlägigen Kreisen zur Abgrenzung.

Folter und Gefängnis

Die Behörden gehen eher davon aus, dass der Mann geistig verwirrt ist. Dafür sprechen auch Aussagen von Menschen, die ihn kennen. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte der Mann seinem Nachbarn und Vermieter erzählt, dass er in seiner syrischen Heimat ungefähr 20 Jahre lang als politischer Häftling und Gegner des Assad-Regimes im Gefängnis gesessen habe. Die Folter habe ihn psychisch krank gemacht, so der Nachbar. Der Mann sei deshalb in Behandlung gewesen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul sagte am Dienstag: „Ich bin sehr bestürzt über das, was gestern am Kölner Hauptbahnhof passiert ist. Den Verletzten wünsche ich eine gute und vollständige Genesung.“ Die Polizei habe durch ihr konsequentes und professionelles Einschreiten Schlimmeres verhindern können. Dies habe aber nur funktionieren können dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Der Zustand der drei verletzten Opfer war am Dienstag unverändert. Unter ihnen war auch ein 14-jähriges Mädchen, dessen Schuh durch die Explosion des Brandsatzes im Café Feuer gefangen hatte. Das Mädchen erlitt einen Schock, ebenso wie die Apothekenangestellte, die der Täter als Geisel genommen und mit Benzin übergossen hatte. Während der Befreiungsaktion der Polizei versuchte er den Angaben zufolge, die Frau anzuzünden. Der Mann hatte Gaskartuschen und Brandbeschleuniger bei sich, überdies eine mutmaßliche Schusswaffe. Ob sie echt war, wollte die Polizei zunächst nicht sagen.

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