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Gefährliche Entwicklung Pakistan setzt auf Atomwaffen gegen Indien

Pakistans Atomwaffenarsenal wächst immer stärker. Ein Physiker des Landes übt nun Kritik in einem Buch. Besonders brisant: Militärs in Pakistan machen gar kein Geheimnis aus ihrer Bewaffnung und sprechen über mögliche Einsatzszenarien.

Die Rivalitäten zwischen und Indien und Pakistan sorgen seit Jahrzehnten für Spannungen in der Region - und werden von beiden Parteien nach Kräften gepflegt, wie hier bei der täglichen Wachablösung an der Wagah-Grenze. Foto: dpa

Pakistan treibt seine atomare Aufrüstung voran wie kaum ein anderer Staat der Erde. Das krisengeschüttelte Land zwischen Zentralasien, Hindukusch und Kaschmir entwickle sich immer stärker zu einem atomaren Pulverfass. Das schreibt der pakistanische Physiker Pervez Hoodboy in einem nun veröffentlichten Buch. Er sagt, dass Pakistans Nuklearwaffenarsenal weltweit am schnellsten wächst.

In dem von der Heinrich Böll Stiftung mitfinanzierten Buch „Confronting the Bomb“ macht Hoodboy Pakistan gegenwärtig als das Land mit dem fünftstärksten Atomwaffenarsenal der Welt aus. Laut Diplomaten in Islamabad besitze der Staat mittlerweile über einhundert einsatzfähige Nuklearsprengköpfe. Das sind etwas mehr, als das Kontingent des Nachbarn Indien umfasst. Dessen atomare Munition wird vom Stockholmer International Peace Research Institute (SIPRI) auf 90 bis 100 Sprengköpfe geschätzt.

Hoodboy zitiert in seinem Buch Experten aus dem diplomatischen Umfeld, denen zufolge Islamabad außerdem an einem so genannten Miniaturisierungsprogramm arbeite. Das bedeutet, dass Pakistan seine Atomsprengköpfe auf ein Maximalgewicht von etwa einer Tonne reduzieren will. Damit sollen sowohl Kurz- als auch Mittel- und Langstreckenraketen besser bestückt werden können.

Gewappnet sein gegen die Bedrohung aus Indien

Islamabad macht kein großes Geheimnis aus seinen atomaren Ambitionen. General Khalid Shamim Wayne, seit 2010 als Chef des Generalstabs für Pakistans Nukleardoktrin zuständig, rechtfertigt gegenüber Diplomaten in der Hauptstadt immer wieder die Weigerung seines Landes, an Verhandlungen über einen Stopp der Produktion von atomwaffenfähigen Materials teilzunehmen. Laut Doktrin hält sich das Land die Option offen, sogar im Fall eines Angriffs mit konventionellen Waffen mit seinen Atomwaffen zurück zu schlagen. Wayne zufolge braucht Pakistan die nukleare Aufrüstung, um gegen die Bedrohung aus Indien gewappnet zu sein.

Islamabad führt in seiner Argumentation vor allem einen Vertrag zwischen den USA und Indien an. Dieses Abkommen garantiert Indien, einerseits Uran für die zivile Nutzung von Atomenergie zu importieren und andererseits, die Uranvorkommen im eigenen Land für den Bau von Atomwaffen einzusetzen. Hoodboy weist zudem auf ein Schreiben der US-Botschaft hin, dem zufolge Islamabad Indiens intensive Entwicklung von Raketen mit Flugzeiten von vier bis sechs Minuten als besondere Bedrohung empfindet.

Pakistan habe deutlich gemacht, dass es bereit sei, in jeder Art von Konflikt zuerst Atomwaffen einzusetzen, schreiben mehrere Wissenschaftler in Hoodboys Buch. Und Indien sei zwar bereit, ein Abkommen über den Verzicht auf einen Erstschlag auszuhandeln. Aber die Streitkräfte würden sich trotzdem zeitgleich darauf vorbereiten, im Ernstfall das Atomarsenal Pakistans völlig zerstören zu können.

Die Ausführungen Hoodboys sind Gedankenspiele für einen Atomkrieg in einem dicht besiedelten Gebiet. Die Frage, was ein dieser anrichten würde, ist dem Autor ein ganzes Kapitel wert. Hoodboy schreibt, dass bei Atomangriffen auf nur zehn durchschnittlich große Städte in Indien und Pakistan mindestens 4,4 Millionen Menschen getötet würden.

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