Lade Inhalte...

Geert Wilders Workaholic im Angriffsmodus

Geert Wilders will auch die neue Regierung in Den Haag vor sich hertreiben. Der 53-Jährige ist zwar völkisch, aber nicht volksnah.

17.03.2017 10:14
Harald Biskup
Geert Wilders
Geert Wilders hat die Erwartungen der Rechtspopulisten nicht erfüllt. Foto: epa

Geert Wilders wäre nicht Geert Wilders, wenn er sein an den Erwartungen gemessen eher mittelmäßiges Abschneiden nicht als Wahlsieg verkaufen würde – und in der Tat hat er ja vier Sitze im Parlament hinzugewonnen. Seinen Anhängern verspricht er, als Oppositionsführer der neuen Koalitionsregierung „die Hölle heiß zu machen“.

Diese Ankündigung ist eine ernstzunehmende Drohung: Wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, wird Wilders, der fleißig, stets gut informiert und eloquent ist, die Regierung antreiben. Aus dem Hintergrund angreifen, ohne selbst Verantwortung zu tragen – auf diese Rolle versteht sich der 53-jährige Rechtspopulist bestens.

Selbst dort, wo seine Ein-Mann-Partei erfolgreich war, wie in der Retortenstadt Almere nahe Amsterdam, hat sich die PVV nach kurzer Zeit wie ein trotziges Kind in den Schmollwinkel zurückgezogen und betreibt im Stadtrat Totalopposition. Wilders ist ein Meister darin, sich von der „gewöhnlichen“ Politik abzusetzen, ohne für etwas geradestehen zu müssen. Nie nimmt Wilders etwas zurück oder korrigiert sich. „Er ist immer im Angriffs-modus, von jetzt an besonders“, sagte der Historiker Koen Vossen der FR. Er gehört zu den besten Kennern des niederländischen Rechtspopulismus.

Vossen nennt Wilders einen „Egomanen“, der sich als eine Art Whistleblower verstehe, als Enthüller von vermeintlichen oder tatsächlichen Skandalen des politischen Establishments. Seinen Islam-Hass, kombiniert mit einer „geradezu glühenden Liebe zu Israel“, erklärt der Historiker mit dessen Biografie. Der junge Wilders bereiste mehrere arabische Staaten, arbeitete zwei Jahre in einem israelischen Kibbuz. Immer wieder zog es den erklärten Agnostiker ins Heilige Land. Mehr als 50-mal hat er den jüdischen Staat besucht.

In Den Haag wird sich der Mann wohl auch künftig nur mit einem Zirkel von sechs bis sieben Getreuen umgeben. Daneben gibt es im Binnenhof, dem Haager Parlament, ein paar Mitarbeiter auf zwei kurzen Korridoren. Das ist der gesamte „Parteiapparat“. Rechte Gruppen ziehen häufig schräge Typen an, mit denen sich Wilders nicht herumschlagen mag. Deswegen duldet der Workaholic keine Mitglieder, was nach niederländischem Recht möglich ist. „Er ist ein Kontrollfreak“, sagt Vossen. Als Partei ohne Volk verzichtet die PVV auf mehrere Millionen staatliche Finanzierung.

Wilders scheut auch öffentliche Auftritte. Das hat ihn bei der Wahl vermutlich Stimmen gekostet. Am liebsten igelt er sich in seinem Abgeordnetenbüro ein. Manche aus seiner engsten Umgebung wollen gelegentlich autistische Züge beobachtet haben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Niederlande
Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum