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Gedenktag der Bombardierung Feier ohne Schreier in Dresden

Immer wieder wurde der Gedenktag der Bombardierung Dresdens von Neonazis missbraucht. In diesem Jahr gedachten die Dresdner der Bombardierung so friedlich wie selten.

Hand in Hand gedenken Menschen in Dresden der Zerstörung ihrer Stadt vor 71 Jahren. Foto: dpa

Es war wie immer: Am Samstagabend haben sich etwa 13 000 Menschen beim Geläut der Kirchenglocken in Dresden die Hand gegeben und eine Menschenkette gebildet, um an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomber und an die geschätzt 25 000 Menschen zu erinnern, die damals am 13. Februar 1945 umkamen. Es gab Kranzniederlegungen auf Friedhöfen, die Dresdner Philharmonie spielte in der Kreuzkirche, es gab den Mahngang auf den „Täterspuren“ durch die Stadt, es gab Friedensgebete und um 21.45 Uhr das Läuten aller Kirchenglocken, das an den Beginn des Bombardements erinnerte.

Und es war diesmal dennoch anders, als in manchen Jahren zuvor: Erstmals führte die rund vier Kilometer lange Menschenkette auch durch den Zwinger und über den Theaterplatz vor der Semperoper, jenen Platz, der seit über einem Jahr immer wieder vom fremden- und islamfeindlichen Pegida-Bündnis für Kundgebungen genutzt wird. Ein Zeichen wollte man damit setzen: Seht her, es geht auch anders!

Vor allem blieb es ein friedlicher Gedenktag. Zwar waren über 1000 Polizisten im Einsatz, aber sie mussten nicht eingreifen. Früher missbrauchten Neonazis den Dresdner Gedenktag, wollten Dresden zur Hauptstadt ihrer Bewegung machen, sprachen vom „Bombenholocaust“.

Befreit von politischem Missbrauch

5000, manchmal 6000 Rechtsextremisten aus halb Europa zogen durch die Stadt. Es gab heftigen Protest und Blockadeversuche. Es kam jedesmal zu Ausschreitungen. Nach den Tumulten 2011 und einer maßlos überzogenen Handydatenabfrage musste der Polizeipräsident seinen Hut nehmen. Diesmal gab es weder eine Großkundgebung von Rechten noch die entsprechenden Anmeldungen von Gegendemonstranten, keine Blockadeversuche, keine Gewalttaten. Zwar waren am Freitagabend rund 500 Neonazis fernab vom Zentrum durch den Stadtteil Prohlis gezogen, ausgepfiffen und ausgebuht von Gegendemonstranten, aber auch dort passierte ansonsten nichts.

Dresden wirkt mittlerweile kundgebungsmüde. Die Rechten finden sich montags regelmäßig bei Pegida ein, was auch zur Entspannung des Bomben-Gedenktages beigetragen haben dürfte. Der 13. Februar ist in den Hintergrund gerückt, seit Pegida in Dresden offen Fremdenfeindlichkeit predigt und Hass auf Politiker und Journalisten anheizt.

Der Gedenktag ist so mittlerweile zum echten Gedenktag geworden, weitgehend befreit von politischem Missbrauch. Wer verstehen wolle, was am 13. Februar 1945 passiert und wie es dazu gekommen sei, müsse zuhören können, hatte Dresdens FDP-Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei einem Bürgerdialog im Haus der Kreuzkirche am Samstag gemahnt. Weniger Geschrei, dafür mehr Gespräche – und Zuhören. Hilbert wünschte sich, dass die Dresdner wieder mehr miteinander reden und dem Anderen auch einmal Gehör schenken würden. Das habe die gespaltene Stadt dringend nötig, denn, so Hilbert: „Wer die Vergangenheit von vor über 70 Jahren von dem trennt, was wir heute in Teilen der Welt erleben, wer sein Herz gegenüber denjenigen verschließt, die bei uns Schutz suchen, der hat die Botschaft des 13. Februars nicht verstanden.“

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