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Geburtstagsfeier für Merkel Merkel lässt sich feiern

Erst Vortrag, dann Sekt und Gratulationen: Ihre Geburtstagsparty feiert Bundeskanzlerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus - und bekommt neben erwartbaren auch unerwartete Lobeshymnen.

Bei Merkels Geburtstagsfeier kommt auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ins Schwärmen. Foto: dpa

Am Tag vor ihrem 60. Geburtstag ist Angela Merkel extra lange auf geblieben, bis nach Mitternacht. Und wenn sie nicht in Brüssel gewesen wäre, in einem Sitzungssaal, hätte man sagen können: Merkel hat in ihren Jubiläums-Geburtstag hineingefeiert. So gab es zwar Sekt, Blumen und Glückwünsche, nicht von Freunden, sondern von den anderen Staats- und Regierungschefs der EU. Die hatten vorher noch schnell alle auf einem Deutschland-Fußball-Trikot unterschrieben, als Mannschaftsgeschenk. Das war es dann aber mit der Mannschaftsleistung, auf eine Verteilung der EU-Posten konnte man sich schon nicht mehr einigen.

Für ihren Geburtstagsabend hat sich Merkel dann etwas anderes vor: Wie beim 50. hat sie Gäste in die CDU-Zentrale geladen - und wieder war es so: Erst Vortrag, dann Sekt und Gratulationen. 2004 hatte sie den Hirnforscher Wolf Singer geladen, der über Hirnstrukturen sprach und dafür Bilder von Schneckengehirnen an die Wand projizierte. Zum 60. hat sich Merkel einen Vortrag des Historikers Jürgen Osterhammel gewünscht, der in seiner Forschung den Bogen von Europa nach Asien spannt - ein Mantel der Geschichte für die Kanzlerin. Osterhammel sprach über die „Zeithorizonte der Geschichte“. Das beinhaltete die mongolische Reiterpost, langfasrige Baumwolle und die „Erfahrung der Engländer mit dem Köpfen von Königen“, aber auch Satzkonstruktionen wie  den „klassischen Fall von Destabilisierung durch krisenbedingte Partizipationserweiterung“ und die „Kultur der anwendungsbezogenen Neugier“ der Indios.

650 Gäste im schmucklosen CDU-Zentralen-Foyer lauschten, darunter viele ehemalige FDP-, aber kein grüner Spitzenpolitiker, die Schlagersänger Marianne und Michael, Fußballtrainer Otto Rehhagel. Der zur Bahn abgewanderte Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla war in Merkels Rücken platziert, soll keiner glauben, er sei in Ungnade gefallen wegen seines unglücklichen Abgangs. Ex-Bundespräsident Christian Wulff fand Platz in der ersten Reihe ganz außen.

„Aktive Umstandsverketter“ nannte Osterhammel die Politiker und vermutete: „Für Politik müsste es ein Wunschtraum sein, wenn alle Veränderungen, die sie auslöst, experimentell und reversibel wären“, sagte Osterhammel. Damit war er etwas näher bei der Person Merkel.

Der widmeten sich dann noch andere mit erwartbareren und weniger erwartbaren Lobeshymnen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder schwärmte von Merkels Humor und ihrer Fähigkeit, Leute nachzuahmen und natürlich von ihren Führungsqualitäten. „Wer hätte gedacht, dass die männerdominierte CDU so etwas hervorbringt!“ staunte Kauder. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt stellte ebenso entzückt fest, dass erstmals eine CSU-Frau einer CDU-Kanzlerin zum Geburtstag gratuliere. CSU-Chef Horst Seehofer hatte es vorgezogen, sich in München einen griechischen Orden überreichen zu lassen. Das Publikum nahm es raunend zur Kenntnis. Hasselfeldt ließ sich davontragen und schwärmte, Merkel sei es gelungen,  Seehofer vom „brüllenden Löwen wenigstens zeitweise in ein schnurrendes Kätzchen“ verwandelt zu haben.

Weiteres Schnurren übernahm dann SPD-Chef Sigmar Gabriel. Er bezeichnete sich als „Vorsitzender des sozialdemokratischen Fanclubs von Angela Merkel“ und hörte kaum noch auf mit dem Schwärmen. „Es ist – jedenfalls zeitweise – eine große Freude, mit Ihnen zusammenzuarbeiten“, sagte er. Merkel sei  zuverlässig, klar, humorvoll und angenehm unprätentiös. „Sie sind im Umgang so normal wie es sich die Mehrheit der Menschen wünschen.“ Sie könne sich richtig aufregen, aber auch richtig freuen, nicht selten auch diebisch. „Was sie überhaupt nicht können, diese Gemütszustände auf ihrem Gesicht zu verbergen“, sagte Gabriel – deswegen sei es auch so leicht gewesen in den Koalitionsverhandlungen. Na also, doch noch ein kleiner Seitenhieb.

Merkels Gemütszustand an diesem Abend war fröhlich. „Es lässt sich nicht leugnen, ich bin 60 geworden“, sagte sie. Sie grüsste den erkrankten Guido Westerwelle. Und sie grüßte Seehofer, der „zu denen gehört, der mir beibringt, wenn‘s heute schön ist, muss es morgen nicht genauso sein“. Dann sang das Publikum „Happy Birthday“.

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