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Gaza-Krieg Köln sagt Ausstellung ab

Im Herbst wollte Köln eine Ausstellung unter dem Titel "So haben wir in Gaza gekämpft" zeigen. Doch Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) macht nach Protesten der israelischen Botschaft einen Rückzieher. Dafür bekommt er nun viel Kritik zu hören.

15.06.2015 09:14
Michael Hesse und Joachim Frank
Was haben sie erlitten, was haben sie getan? Israelische Soldaten auf dem Rückzug aus Gaza, Sommer 2014. Foto: rtr

„So haben wir in Gaza gekämpft“, lautet der Titel der Ausstellung, die international für Aufmerksamkeit sorgt. Es handelt sich um einen Report, in dem Aussagen von 60 Militärangehörigen der unterschiedlichsten Dienstgrade zusammengetragen wurden, die die israelische Kriegsführung und das Verhalten der israelischen Armee in den besetzten Gebieten aufs Schärfste kritisieren. Im Herbst sollte die Ausstellung der israelischen Organisation „Breaking the Silence“ (Das Schweigen brechen) im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in der Volkshochschule Köln gezeigt werden. Nach Protesten der israelischen Botschaft hat Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) die Schau nun abgesagt.

Anlass der Reihe sind zwei Jubiläen, zusätzlich zu dem 50-jährigen Bestehen der deutsch-israelischen Beziehungen wird 2015 auch der 55. Jahrestag des Schüleraustauschs zwischen Köln und seiner israelischen Partnerstadt Tel Aviv gewürdigt. In diesem Zusammenhang sei die Ausstellung fehl am Platz, lautete die Begründung der Stadt. Sie passe nicht zu den Jubiläumsfeiern, die vor allem das Versöhnliche betonen sollten. Man sei außerdem besorgt, dass die Ausstellung antisemitische Reaktionen hervorrufen könne.

Der Vorsitzende der Kölner Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Jürgen Wilhelm, verteidigte die Empfehlung seines Vereins, die Ausstellung abzusagen. Zwar sei die Schau „ein offensichtliches Zeichen demokratischer Kultur in Israel, an der es auf palästinensischer Seite fehlt“. Trotzdem seien die Darstellungen , die allein das Vorgehen der israelischen Armee, nicht aber das der Palästinenser zeigten, in dieser „absoluten Einseitigkeit“ nicht hinnehmbar. „Solange nicht andere Fotos, Filme und Augenzeugenberichte hinzukommen, raten wir von der Präsentation ab“, sagte Wilhelm.

"Haarsträubende Kapitulation"

Auch der israelische Historiker Moshe Zimmermann kommentierte die Absage: „Diese Reaktion überrascht mich. Kölns Kapitulation ist haarsträubend.“ Wenn die Stadt die Grundregeln der Demokratie und freien Meinung richtig verstehe, dürfe sie so etwas nicht tun. „Es geht hier um Meinungsfreiheit und bestimmt nicht um Antisemitismus“, sagte Zimmermann.

Der Konflikt im Gazastreifen im Sommer 2014 war die gewaltsamste militärische Konfrontation, die die Region in den vergangenen Jahren erlebt hat. 2205 Palästinenser kamen ums Leben, so die Angaben der Vereinten Nationen. 18 000 Wohnungen wurden beschädigt oder zerstört, und 108 000 Palästinenser wurden obdachlos

Treffen die Berichte des Reports zu, dann wären in Gaza völkerrechtliche Mindestkriterien wie jene der Genfer Konventionen in eklatanter Manier missachtet worden. „Breaking the Silence“ ist eine bekannte israelische Nichtregierungsorganisation, die seit 2004 Aussagen von Soldaten zu ihren Kriegseinsätzen sammelt. Den Aktivisten der Organisation geht es darum, Israel mit der „Wahrheit über seine Politik“ zu konfrontieren. Vor einigen Tagen hat sie ihren Bericht über die Operation „Protective Edge“ veröffentlicht, den Waffengang im letzten Sommer gegen die Hamas in Gaza. Die hohe Zahl der Toten und die vielen Verletzten seien die Folge einer bewussten Änderung der Art und Weise, in der die israelische Armee ihre Kriege führt, sagt die Organisation.

Die Gruppe ist in Israels nationalen Lagern extrem umstritten, ihre Aktionen lösen dort tiefe Verbitterung aus. Inzwischen ist die Organisation einer der führenden Akteure der israelischen Friedensbewegung. Ihre Schiene ist die internationale Aufmerksamkeit.

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