Lade Inhalte...

G7-Gipfel Gedämpfte Erwartungen in Kanada

Kanzlerin Merkel lässt offen, ob es eine gemeinsame Erklärung der sieben teilnehmenden Länder geben wird.

Angela Merkel
Angela Merkel will keine zu hohen Erwartungen schüren. Foto: dpa

In der Bundesregierung versucht man es vor dem Gipfel mal mit einem Scherz: „Wir werden sehen“, sagt ein Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Frage, ob sich sieben wichtige Länder auf eine gemeinsame Erklärung einigen können. Und dann fügt er fröhlich an: „Das ist ja fast ein Trump-Satz.“ Er ist wirklich ein bisschen entzückt, aber vielleicht ist das auch einfach Müdigkeit oder Verzweiflung. Monatelang wird vor G7-Gipfeln um die Kommuniqués gerungen. Und US-Präsident Donald Trump mit seinen Zöllen, seiner Mulitlateralismusskepsis, seiner Blockade beim Klimaschutz und seinem generellen Hang zu Alleingängen, macht es nicht einfacher. 

Mit einem „Mal sehen“ fährt Bundeskanzlerin Angela Merkel also nach Kanada. Am Freitag und Samstag treffen sich da die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA zum alljährlichen G7-Gipfel. Es ist der mittlerweile 44. seiner Art. Es hat ein bisschen Rätselraten darüber gegeben, ob Trump sich tatsächlich wird sehen lassen oder ob er einen Vertreter schickt. Aber inzwischen hat die US-Regierung wissen lassen, wen der Präsident am Rande des Gipfels zu Zweiergesprächen treffen wird. Es ist also vermutlich doch mit ihm zu rechnen. 

Ein kleines Küstenörtchen in der Provinz Quebec hat der kanadische Premier Justin Trudeau als Gastgeber ausgesucht für das Treffen mit seinen Amtskollegen. Gewohnt und beraten wird im Hotel „Manoir Richelieu“ und zumindest bei dem Namen könnte sich Trump zu Hause fühlen: Kardinal Richelieu, war im 17. Jahrhundert eine zentrale Figur und Unterstützer des französischen Absolutismus.

Bei G7 geht es dann allerdings doch um Gemeinsamkeit, sortiert in mehrere Arbeitssitzungen. Eines der schwierigsten Themen, die Handelspolitik, steht gleich als Erstes auf dem Programm. Nachdem Trump vor wenigen Tagen Zölle auf Stahl und Aluminium verhängt hat, haben schon die G7-Finanzminister sich gegen ihren US-Kollegen gestellt. Nun hat Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow zudem die Internationale Handelsorganisation WTO infrage gestellt. Die gilt zwar auch in der deutschen Regierung als einigermaßen dysfunktional, ein offener Angriff allerdings ist schon etwas Besonderes.

Folgen der Digitalisierung

In weiteren Runden diskutieren die Staats- und Regierungschefs über Klimapolitik und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Kanada hat als Spezialthema den Schutz der Ozeane auf die Tagesordnung gesetzt. Auch da geht es wieder ums Klima und außerdem um die Frage, wie die dramatische Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll reduziert werden kann.
Beim Abendessen am Freitag ist die Außenpolitik Thema, mit den Konflikten in Nordkorea, Iran und Syrien. Zum Frühstück am Samstag serviert eine externe Beratergruppe unter Leitung von Microsoft-Gründergattin Melinda Gates ihre Empfehlungen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, ein weiteres Spezialthema der Kanadier. Aus Deutschland gehört die Betriebswissenschaftsprofessorin Isabell Welpe von der Technischen Universität München zu dem Beratergremium.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen