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G20-Proteste in Hamburg Alternativgipfel fordert mehr Klimaschutz

Klimaschutz, Menschenrechte und ein faires Wirtschaftssystem - der Alternativgipfel in Hamburg sucht nach Lösungen für eine bessere Welt. Und fordert von den G20-Chefs mehr Zusagen.

06.07.2017 18:14
Protest
Der Protest gegen den G20-Gipfel ist vielseitig. Foto: rtr

Beim Alternativgipfel in Hamburg haben Experten von den Top-Wirtschaftsmächten der G20-Gruppe mehr Engagement für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung gefordert. „Die G20 muss die getroffenen Abkommen - vor allem das Pariser Klimaabkommen und die Agenda 2030 mit den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen - als Vorreiter ihrer Verantwortung gemäß umsetzen“, sagte Klaus Seitz vom Vorstand des Verbands Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (Venro) am Donnerstag in Hamburg. Die Staats- und Regierungschefs müssten immer die Anliegen der vom G20-Kreis Ausgeschlossenen im Blick haben.

Ein Bündnis aus rund 75 Initiativen hatte zu einem zweitägigen Gipfel der globalen Solidarität in die Hamburger Kulturfabrik Kampnagel geladen, um über Alternativen zur Politik der G20 zu diskutieren. Die großen Wirtschaftsmächte beraten Freitag und Samstag beim G20-Gipfel in den Hamburger Messehallen.

Die Umweltorganisation Greenpeace verlangte einen fairen Umbau der Wirtschaft. „Die G20 haben die Verantwortung und die Chance, diesen Umbau heute voranzubringen und dadurch die Rechte der Schwächsten zu schützen“, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. „Nirgends trifft das mehr zu als in Deutschland.“ Es dürfe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht alleine um Erneuerbare Energien und gute Klimapolitik gehen, es müsse ihr auch um globale Gerechtigkeit gehen. „Dabei führt kein Weg vorbei an einem sozial abgefederten und gut geplanten Kohleausstieg bis zum Jahr 2030.“

Forderungen nach einem radikalen Systemwechsel

Greenpeace sieht die G20 hauptverantwortlich für den Klimawandel. „Die G20-Staaten verursachen 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen“, sagte Greenpeace-Klimaschutzexpertin Anike Peters. Bei diesem Gipfel reiche ein reines Bekenntnis zum Klimaschutzabkommen von Paris nicht aus. „Die Länder müssen klare Zusagen machen, dass sie mehr leisten werden, um den weltweiten Klimaschutz voranzubringen, als sie im Pariser Klimaschutzabkommen zugesagt haben.“

Die öko-orientierte Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft forderte einen „radikalen Systemwechsel“. „Die menschlichen, tierischen und ökologischen Interessen müssen in den Vordergrund gestellt werden - weg von den Finanzinteressen“, sagte AbL-Vertreterin Johanna Böse-Hartje.

Beim Alternativgipfel ging es nach Angaben der Linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung in zahlreichen Podiumsdiskussionen und Workshops vor allem um die Zusammenhänge zwischen den globalen Problemen. Die Organisatoren zogen eine positive Bilanz der Veranstaltung, zu der sehr verschiedene Initiativen geladen hatten. „Wir sind froh, dass das miteinander Reden unterschiedlicher politischer Positionierungen und Identitäten hier gelingt“, sagte Heike Löschmann von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. Rund 2000 Teilnehmer - darunter viele junge Menschen - seien gekommen.

Man habe sich bewusst gegen ein Forderungspapier an die großen Wirtschaftsmächte entschieden. „Beim Civil20-Prozess (C20) haben internationale Nichtregierungsorganisationen diesen Job eigentlich schon gemacht“, sagte Löschmann, deren Stiftung sich sowohl bei C20 als auch beim Alternativgipfel engagierte. Der Gipfel der Zivilgesellschaft C20 fand bereits am 18./19. Juni in Hamburg statt. Damals übergaben Vertreter von rund 200 Organisationen Kanzlerin Merkel einen Forderungskatalog an die G20. Die C20 sind als offizielle Beteiligungsgruppe der G20 anerkannt.

Der Alternativgipfel habe den Kreis Zivilgesellschaft viel weiter definiert und ein zusätzliches Forum für Kritik und Analyse geboten, erklärte Löschmann. (dpa)
 

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