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Fundamentalisten Die Hassliebe der Feinde der Freiheit

Studie: Rechtsextremismus und Islamismus ähneln sich in ihren Denkmustern und verstärken sich gegenseitig.

Rechtsradikale
Rechtsextremismus und radikaler Islamismus stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis, zeigt die Studie. Foto: dpa

Zahllose hasserfüllte Posts von Neonazis und Islamisten sind in den sozialen Netzwerken im Internet zu finden. Jetzt haben Wissenschaftler solche Beiträge intensiv analysiert und gezeigt: Die Mobilisierungsstrategien beider Lager ähneln sich und auch ideologisch gibt es Gemeinsamkeiten. Das geht aus einer Studie hervor, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

„Extreme Rechte und Islamisten lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab“, sagte Maik Fielitz vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ), das die Studie gemeinsam mit dem Londoner Institut für Strategischen Dialog (ISD) durchgeführt hat. Beiden Lagern gehe es darum, die Demokratie notfalls mit Gewalt abzuschaffen und durch einen Führerstaat oder die Scharia zu ersetzen, so der Politikwissenschaftler.

Für die Studie hat das Forscherteam mehr als 10 000 rechtsextreme und islamistische Facebook-Posts und mehr als eine Million muslimfeindlicher Tweets ausgewertet. „Beide nutzen häufig die Strategie der Viktimisierung der Eigengruppe und der Dämonisierung der Fremdgruppe“, sagte Studienleiter Mark Fielitz. Sie gerierten sich also selbst als vermeintliche Opfer. Hinzu kämen bei beiden oft Verschwörungstheorien über die politischen Eliten und Medien sowie die Idee eines unausweichlichen Krieges zwischen „dem Westen“ und „dem Islam“. Beide Ideologien treffen sich demnach auch im Antisemitismus und im von ihnen angestrebten Ziel homogener Gesellschaften.

Die Analyse belegt zudem, dass nach islamistischen Terroranschlägen die Zahl antimuslimischer Beiträge in sozialen Medien steigt. Neue Begriffe zur pauschalen Abwertung von Muslimen werden in das Vokabular der Rechtsextremen übernommen. „Rassismus, rechter Populismus und Extremismus bilden die nationalen Resonanzräume des internationalen Dschihadismus“, sagte der Direktor des ISD, Matthias Quent.

Dieses Bild zeigt sich der Studie zufolge genauso im anderen Spektrum: Auch Islamisten reagieren auf Ereignisse wie rechtsextreme Demonstrationen oder die Wahlergebnisse der AfD. Dadurch solle das Bild des muslimfeindlichen Westens verstärkt und als Argument zur Radikalisierung von Muslimen verwendet werden, so die Studienautoren. „Diese Prozesse reziproker Radikalisierung finden nicht nur in Deutschland, sondern in vielen westlichen Gesellschaften statt“, sagte der Extremismusforscher Jakob Guhl vom IDS in London.

Radikalisierung bekämpfen

Rechtsextremismus und radikaler Islamismus stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis, um ihren extremistischen Erzählungen Glaubwürdigkeit und ihren Aktivitäten Legitimität zu verleihen – so das Fazit. „Die Studie zeigt, dass antimuslimische Vorurteile und Stimmungsmache letztlich jenen islamistischen und rassistischen Fanatikern in die Hände spielen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt spalten wollen“, sagte der Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, Timo Reinfrank, die Trägerin des IDZ ist. Die Autoren der Studie empfehlen, islamistische Radikalisierung, antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus zusammen zu denken und zu bekämpfen. So sei es etwa die wichtigste Aufgabe der Politik zu verhindern, dass jugend- und sozialpolitische Nischen als Ankerpunkte von vermeintlichen Kümmererstrategien radikaler Akteure entstünden. Angehende Beamtinnen und Beamte der Polizei sollten zudem bereits während der Ausbildung mit der Wechselwirkung zwischen Rechtsextremismus und Islamismus vertraut gemacht werden.

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