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Für und gegen die AfD Zehntausende in Berlin auf den Straßen

3. UpdateIn Berlin folgen rund 20.000 Menschen den Aufrufen zu Anti-AfD-Demonstrationen. Die Partei mobilisiert zu ihrer eigenen Kundgebung rund 5000 Anhänger. Die Polizei versucht, ein Aufeinandertreffen zu verhindern.

Anti-AfD-Demo in Berlin
Bunter Protest gegen die AfD in Berlin. Foto: rtr

Die Alternative für Deutschland spaltet die deutsche Gesellschaft, das zeigt sich nicht nur im Bundestag. Dort ist seit ihrem Einzug im vergangenen September der Ton spürbar rauer und härter geworden, und es herrscht nach wie vor Ratlosigkeit, wie mit den Neuen umzugehen ist. Die AfD selbst ließ schon am Wahlabend erkennen, welche Rolle sie künftig zu spielen gedenkt. Man werde die Bundesregierung jagen, drohte Alexander Gauland, der heute sowohl die Partei als auch die Bundestagsfraktion jeweils in einer Doppelspitze führt.

Auch außerhalb des Parlaments ist der AfD Aufmerksamkeit gewiss, wann immer sie größere Veranstaltungen abhält. Regelmäßig verwandeln sich Kongresszentren und Hotels in von der Polizei bewachte Hochsicherheitszonen, wenn sich drinnen die Partei zusammenfindet. Denn ebenso regelmäßig mobilisieren die zivilen Kräfte der Gesellschaft, von den Kirchen bis hin zu Gewerkschaften und Künstlern, zu Gegendemonstrationen und Aktionen, aber auch linke Antifa-Gruppen und Autonome rufen zum Widerstand auf. Und regelmäßig ist die Nervosität groß, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen kommen könnte. Das war im vergangenen Jahr in Köln und Hannover bei den AfD-Bundesparteitagen so, und es war auch an diesem Sonntag in Berlin nicht anders. 

Weniger AfD-Anhänger als gedacht 

Unter dem Motto „Zukunft für Deutschland“ hatte die AfD zu einer „Großdemonstration“ mitten in der Hauptstadt aufgerufen. Insgesamt 13 Gegenveranstaltungen waren angekündigt, die Polizei mit rund 2000 Beamten aus dem ganzen Bundesgebiet im Einsatz.

Die Hoffnungen der AfD, gerade in Berlin großen Zulauf zu bekommen und sich auch als außerparlamentarische Massenbewegung zu inszenieren, erfüllten sich allerdings nicht. Von mehr als zehntausend Teilnehmern hatte die Parteispitze geträumt, am Ende kamen nur rund 5000, meist Männer, die mit Bussen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Dafür gingen rund 25.000 ihrer Gegner mit buntem, kreativen Protest auf die Straße. 

Bereits am Mittag sammelten sich auf dem Washington-Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof AfD-Anhänger, schwarz-rot-goldene Fahnen wehten. „Zeit für eine Wende“, hieß es auf Plakaten, oder „Wir sind das Volk“. Es ging auch an diesem Tag, wie könnte es anders sein, um das Thema, das die AfD groß gemacht hat, die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. „Merkel muss weg“, der Slogan war immer wieder zu hören. 

Beatrix von Storch: „Freiheit oder Islamisierung“ 

Beatrix von Storch, stellvertretende Frakionschefin und Mitglied des Bundesvorstands, gab schon zu Beginn der Veranstaltung den Ton vor und warnte vor einer vermeintlichen „Islamisierung“ Deutschlands. „Die Herrschaft dieses Islam in Deutschland ist nichts anderes als die Herrschaft des Bösen“, sagte sie. Heute sei ein Schicksalstag für Deutschland, und die Frage laute „Freiheit oder Islamisierung“ – in Abwandlung des Wahlkampfslogans „Freiheit statt Sozialismus“, den CDU und CSU einst verwendet haben.

„Wir stehen hier, weil wir dieses Land lieben, weil es unser Land ist und weil wir es nicht aufgeben werden“, sagte Alexander Gauland dann später. Deutschland sei das Land „unserer Väter und Mütter“, und er wolle es behalten, wie es war. Das sagt Gauland praktisch in jeder seiner Reden. Niemand solle sich einbilden, die AfD gehe vorüber, warnte Gauland noch. Der Protest werde so lange anhalten, bis seine Partei die Verantwortung übernehme. 

Gleichzeitig zogen unter dem Motto „AfD wegbassen“ Gegendemonstranten durch die Innenstadt, begleitet von wummernden Techno-Trucks. Veranstaltet wurde diese Demo von Clubbetreibern, die Partygänger aufgefordert hatten, sich aus den Clubs auf die Straße zu bewegen, um draußen zu feiern und zu demonstrieren. Auch Künstler und Theaterleute gingen als „Glänzende Demonstration“ auf die Straße. Entgegen den Befürchtungen blieb alles weitgehend friedlich.

Im Vorfeld gab es allerdings Angriffe auf AfD-Anhänger: So bewarfen Linksradikale in Leipzig einen Bus mit 50 Insassen bei der Abfahrt nach Berlin mit Pflastersteinen und Farbbeuteln und beendeten so die Fahrt. In Berlin bewarfen in den vergangen Tagen Unbekannte Häuser von AfD-Bezirkspolitikern mit Farbe. 

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