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Front National Rechtsextreme vor Wahlsieg in Frankreich

Frankreichs Front National wird unheimlich stark: Bei den Europawahlen könnten die Rechtsextremen die stärkste Partei werden, signalisieren Umfragen.

Foto: AFP

Der Befund ist eindeutig: Frankreich rückt in der Krise nach rechts. Wären am nächsten Sonntag Europawahlen, würde der Front National die großen Volksparteien überrunden. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop läge die Partei Marine Le Pens demnach mit 24 Prozent der Stimmen vorne, gefolgt von der rechtsbürgerlichen UMP (22 Prozent) und den regierenden Sozialisten (19 Prozent). „Die Umfrage, die Angst macht“, titelt am Donnerstag das Magazin „Nouvel Observateur“, das sie in Auftrag gegeben hat.

Die Verlierer quittieren den Befund mit Schweigen. Nähmen sie Stellung, das eigene Versagen käme zur Sprache. Ein wachsender Teil der Bevölkerung fühlt sich von den großen Volksparteien im Stich gelassen, läuft über zu den Rechtspopulisten. Was nicht heißt, dass 24 Prozent der Franzosen tatsächlich rechtsextremem Gedankengut anhingen. Aber die Europawahlen eröffnen aus Sicht der Enttäuschten offenbar die Chance, sich mit einem Protestvotum Luft zu machen.

Der Verdruss ist groß. Arbeitslosigkeit, Steuern- und Abgabenlasten haben Rekordhöhen erreicht. Besserung ist nicht in Sicht. Staatschef François Hollande lässt Führungsstärke vermissen, laviert zwischen sozialistisch Wünschenswertem und marktwirtschaftlich Gebotenem hin und her, spart hier ein bisschen, gibt dort ein bisschen mehr aus.

Opposition beschäftigt sich mit sich selbst

Die rechtsbürgerliche Opposition beschäftigt sich derweil vor allem mit sich selbst. Nach dem Abgang Nicolas Sarkozys streiten die Verbliebenen um die Spitzenkandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2017. UMP-Chef Jean-François Copé und der frühere Premier François Fillon versuchen, sich in eine gute Ausgangsposition zu bringen, bevor der laut Umfragen „von 54 Prozent der Franzosen bisher nicht vermisste“ Ex-Staatschef zum erwarteten Comeback ansetzt und ebenfalls Ansprüche anmeldet.

Anstatt dem Front National entschlossen die Stirn zu bieten, biedern sich Politiker der großen Volksparteien an, versuchen vom Trend nach rechts zu profitieren. Fillon, einst besonnener Widerpart des hemdsärmeligen Sarkozy und Mann der Mitte, empfiehlt sich der wachsenden Gefolgschaft Le Pens als Alternative. Er hat den „republikanischen Pakt“ aufgekündigt, wonach UMP und PS gemeinsame Sache zu machen haben, wenn sich nur so ein Sieg des FN verhindern lässt. Im Einzelfall könne ein FN-Kandidat wesentlich vernünftiger sein als einer der PS, hat Fillon gesagt.
Sozialisten buhlen gleichfalls um die Gunst der FN-Sympathisanten. Manuel Valls, der Sarkozys Feldzug gegen die Roma einst als fremdenfeindliche Hetze geißelte, plädiert als Innenminister dafür, „die nur in Ausnahmefällen zu integrierenden Roma“ außer Landes zu schaffen. Derweil weist der linke Flügel der PS den „sparwütigen EU-Kommissaren“ die Schuld an der Wirtschaftsmisere zu – eine Steilvorlage für Le Pen, die den Euro-Ausstieg und den nationalen Alleingang propagiert.

Die FN-Chefin kann sich die Hände reiben. Der unter der Regentschaft ihres Vaters Jean-Marie verfemte Front National ist salonfähig geworden. Und im Zweifelsfall ziehen die Franzosen das Original der sozialistischen oder rechtsbürgerlichen Kopie vor.

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