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Friedensnobelpreisträger „Wir müssen zurück zu einer Politik von Abrüstung“

Sascha Hach von der Anti-Atomwaffen-Initiative Ican hofft auf ein deutsches Ja zum UN-Verbotsvertrag. Enttäuschend sei der Kurs von Freidemokraten und Grünen.

Aktivisten
Atomwaffen abziehen: Aktivisten demonstrieren mit Masken und einer Atombomben-Attrappe vor dem Reichstag in Berlin. Foto: dpa

Herr Hach, Ican ruft für Sonnabend zu einer Menschenkette von der nordkoreanischen bis zur US-amerikanischen Botschaft in Berlin auf. Damit wollen Sie auf die drohende Gefahr eines Atomkriegs hinweisen. Wird das helfen, die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang zu lockern?
Es wird auf jeden Fall helfen zu zeigen, dass die Eskalationspolitik von Donald Trump und Kim Jong Un falsch ist. Diese beiden Machthaber nehmen die ganze Welt in Geiselhaft, um ihre unverantwortliche Politik zu betreiben. Die überwiegende Meinung der Menschen in Europa und in den USA ist: Hört auf, mit dem Feuer zu spielen. Wir müssen zurück zu einer Politik von Abrüstung und Entspannung.

Sie wollen bei der Aktion auch die Kanzlerin ermutigen, mehr für atomare Abrüstung zu tun.
Am Brandenburger Tor werden zwei Darsteller mit Masken von Angela Merkel und UN-Generalsekretär António Guterres symbolisch eine Erdkugel in Empfang nehmen, eine Atomrakete zerlegen und dann den im Sommer verabschiedeten UN-Vertrag unterzeichnen, der Atomwaffen verbietet.

Im wahren Leben ist das anders. Deutschland hat sich dem Verbotsvertrag nicht angeschlossen.
Das stimmt, aber wir wollen die Bundesregierung ermuntern, das nachzuholen.

Als Netzwerk, das den Friedensnobelpreis bekommen hat, haben Sie jetzt mehr Gewicht als noch vor kurzer Zeit. Trotzdem: Lassen sich unberechenbare Charaktere wie Donald Trump und Kim Jong Un von solchen Aktionen beeindrucken?
Wir haben natürlich keinen direkten Draht zu diesen Leuten. Aber ich glaube schon, dass sich über die Öffentlichkeit Druck ausüben lässt. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass mehr als 120 UN-Mitgliedsstaaten den Verbotsvertrag gebilligt haben. Alleine an der Reaktion der USA merkt man, wie sehr sich die US-Regierung darüber ärgert. Sie hat versucht, unterzeichnungswillige Staaten einzuschüchtern. So etwas macht man nur, wenn man sich unwohl fühlt. Außerdem gehen wir mit der Ächtung von Atomwaffen direkt an die Reputation von Männern wie Trump. Dem ist schließlich viel an seinem Image gelegen.

Deutschland hat nicht unterschrieben. Die Bundesregierung hat argumentiert, eine deutsche Beteiligung an dem Verbotsvertrag helfe wenig, wenn die Atomwaffen-Staaten selbst nicht mitmachten. Haben Sie Verständnis für diese Haltung?
Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür. Wenn man immer nur auf die anderen zeigt, passiert nie etwas. Eine Zustimmung der Bundesregierung zu dem Vertrag hätte konkrete, positive Auswirkungen auf Deutschland – die US-Atomwaffen, die in Rheinland-Pfalz lagern, müssten abgezogen werden. Wenn das geschähe, würden ähnliche Waffen wahrscheinlich auch aus anderen europäischen Staaten abgezogen. Das wäre ein sehr messbarer Abrüstungsfortschritt. Wenn außerdem ein großer, wichtiger Staat wie Deutschland sich an dem Vertrag beteiligt, dann würde das einen Nachahmungseffekt haben.

Warum macht die Bundesregierung nicht mit?
Innerhalb der amtierenden Bundesregierung gibt es viele konservative Akteure, die aus Überzeugung an der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ festhalten wollen. Die glauben wirklich, dass atomare Abschreckung funktioniert. Außerdem war es in der Vergangenheit offenbar das Ziel der deutschen Außenpolitik, Trump nicht zu reizen.

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