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#FreeDeniz Der Fall Deniz Yücel

Freiheit für Deniz Yücel: Der Journalist ist nach knapp einem Jahr aus türkischer Haft entlassen worden. Eine Chronologie der Ereignisse des vergangenen Jahres.

16.02.2018 13:31
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Autokorso für Deniz Yücel am Jahrestag seiner Inhaftierung am 14. Februar in Berlin Foto: epd-bild / Christian Ditsch

Der „Welt“-Korrespondent hatte sich am 14. Februar 2017 freiwillig der Istanbuler Polizei gestellt, nachdem wegen seiner Berichterstattung über den türkischen Energieminister nach ihm gesucht worden war. Zwei Wochen später, am 27. Februar, kam Yücel aus dem Polizeigewahrsam in Untersuchungshaft. Der Haftrichter warf ihm Terrorpropaganda und Aufwiegelung der Bevölkerung vor.

In den vergangenen Tagen war die Hoffnung auf eine baldige Entscheidung im Fall Yücel gestiegen: „Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird“, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem am Mittwoch ausgestrahlten ARD-Interview. „Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird“, ergänzte der türkische Premier. Yildirim hatte am Donnerstag in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen.

Spekulationen über Deals

Auch ein Treffen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu Anfang Januar hatte die Hoffnung genährt. Anschließend war auch über mögliche Rüstungsgeschäfte mit der Türkei als „Gegenleistung“ für die Freilassung spekuliert worden. Solche Deals habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag.

Die Bundesregierung hatte ihre Forderung nach Yücels Freilassung immer wieder bekräftigt. Für Empörung sorgten die Haftbedingungen: Yücel saß über 290 Tage in strenger Einzelhaft im Gefängnis von Silivri nahe Istanbul. Zuletzt hatte er immerhin Zugang zu einem Gefängnishof. Auch dass Yücel ein Jahr lang ohne Anklageschrift inhaftiert war, sorgte für Kritik.

Der 44-Jährige Yücel war der erste in einer Reihe von prominenten deutschen Häftlingen in der Türkei: Im April 2017 wurde die Journalistin Mesale Tolu festgenommen, im Juli der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner. Beide sind mittlerweile auf freiem Fuß. Steudtner ist nach Deutschland zurückgekehrt, Tolu darf das Land derzeit nicht verlassen. Die Prozesse gegen beide gehen weiter. Anders als Steudtner und Tolu besitzt Yücel neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft.

Solidarität unter #FreeDeniz

Yücel berichtete seit 2015 für die „Welt“ aus der Türkei. Zuvor war er Redakteur bei der „tageszeitung“. Seine Inhaftierung sorgte im In- und Ausland für Empörung. Unter dem Slogan „#FreeDeniz“ setzten sich zahlreiche Unterstützer für den Korrespondenten ein. Bilder von Yücel - lässig mit Kippe, Schnurrbart, Sonnenbrille - sind zu Ikonen für die Pressefreiheit geworden. Zum Jahrestag seiner Inhaftierung ist ein Buch mit Texten des Journalisten erschienen.

Der „Welt“-Korrespondent wehrte sich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und dem türkischen Verfassungsgericht gegen seine Inhaftierung. In Stellungnahmen zu den Verfahren warf die Türkei dem Korrespondenten Ende November vor, sowohl die kurdische Arbeiterpartei PKK als auch die Gülen-Bewegung unterstützt zu haben - eine Anschuldigung, die die Behörden an viele Journalisten richten. Die beiden Organisationen stehen auf entgegengesetzten Seiten des politischen Spektrums und gelten in der Türkei als Terrorgruppen.

Für den Prozess vor dem EGMR hat die Freilassung keine unmittelbaren Folgen. Der Fall sei weiter anhängig, sagte eine Sprecherin des Straßburger Gerichts dem Evangelischen Pressedienst (epd). Derzeit erwarte der EGMR Anmerkungen des Klägers und der türkischen Regierung zur Stellungnahme, die die Bundesregierung in den Fall eingebracht habe. Am Ende werde das Gericht „im Lichte der gesamten Entwicklung“ entscheiden, erklärte die Sprecherin. (epd)

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