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Franzosen in Niger verschleppt Entführung löst Uran-Krise aus

Die Entführung der Areva-Mitarbeiter rührt an den Nerv der französischen Atomindustrie. Ein Drittel der französischen Atomkraftwerke wird mit Brennstoff aus Niger versorgt.

Der Vater eines entführten Franzosen blickt auf dessen Foto. Foto: afp

Für Frankreich steht viel auf dem Spiel. Das Leben von sieben Angestellten des französischen Atomkonzerns Areva zunächst, die in der vergangenen Woche in Niger entführt worden sind. „Wir stellen uns vor, dass ,Al-Kaida des Islamischen Maghreb‘ dahintersteckt oder zumindest eine der Bewegung nahestehende Gruppe“, sagt der Pariser Außenminister Bernard Kouchner. Aber die Regierung muss nicht nur versuchen, das Leben von fünf Franzosen, einem Madagassen und einem Togoer zu retten. Sie muss auch versuchen, den für Frankreich existenziellen Uran-Abbau im Norden Nigers zu sichern.

In einem der ärmsten Länder der Erde, das seit einem Militärputsch im Februar von General Salou Djibo regiert wird, steht Areva unter steigendem Druck internationaler, zumal chinesischer und kanadischer, Konkurrenz. Und der Konzern muss sich gegen Banditen, Terroristen und rebellische Tuareg behaupten.

Dritte Mine geplant

Die Entführung der Areva-Mitarbeiter rührt an den Nerv der französischen Atomindustrie. Ein Drittel der 58 Atomkraftwerke, mit denen Frankreich rund drei Viertel seines Strombedarfs deckt, werden mit Brennstoff aus Niger versorgt. Ohne die Ausbeutung der 1200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Niamey gelegenen Minen Somair und Cominak wäre das nicht zu schaffen.

Doch die 8600 Tonnen Uran, die Areva und der als Subunternehmer eingesetzte französische Baukonzern Vinci dort 2010 gefördert haben, sind noch zu wenig. Areva-Chefin Anne Lauvergeon hat angekündigt, in Imouraren im Norden Nigers deshalb 1,2 Milliarden Euro in eine dritte Mine investieren zu wollen.

Obwohl über die Identität der Entführer am Montag noch immer Unklarheit herrschte, schickte Frankreich Spezialeinheiten und Aufklärungsflugzeuge nach Niger. Verteidigungsminister Hervé Morin brach einen Staatsbesuch in Kanada ab und kehrte nach Paris zurück.

Entführer schworen Rache

Der Minister geht davon aus, dass sich die Entführer mit den Geiseln bereits nach Mali durchgeschlagen haben. Dort hatten französische Soldaten im Juli nach der Entführung eines Entwicklungshelfers in Gefechte zwischen Al-Kaida und mauretanischen Truppen eingegriffen. Al-Kaida tötete damals die Geisel und schwor den Franzosen Rache.

Der Pariser Regierungssprecher Luc Chatel hält sich mit Auskünften über den Einsatz der Sondereinheiten zurück. Er will den Entführern keine Hinweise geben, aber auch den Eindruck vermeiden, Frankreich bevormunde die Militärjunta in Niamey. „Wir sind nicht mehr die Eingeborenen der Kolonien, die das Mutterland um jeden Preis mit Rohstoffen versorgen müssen“, hatte Mohammed Ben Omar einmal Paris beschieden, bis zum Militärputsch Nigers Kommunikationsminister.


Skeptisch stimmt, dass die Entführer offenbar bestens ausgerüstet waren und in die von Militär und privaten Sicherheitsdiensten geschützte Villensiedlung der Areva-Beschäftigten ungehindert eindringen konnten. Augenzeugen berichten von mindestens 30 Männern, teils Araber, teils Tuareg, die gegen drei Uhr nachts mit fünf Geländewagen vorgefahren seien. Keine 45 Minuten später waren sie mit den Geiseln verschwunden – ohne Komplizen unter den Wachen kaum denkbar. Paris wird sich hüten, das laut zu sagen. Frankreich braucht die Regierung Nigers. Und das Uran.

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