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Frankreich Sicherheitsmitarbeiter Macrons unter Prügel-Verdacht

Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla bringt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in Bedrängnis. Benalla hatte auf Demonstranten eingeprügelt. Und trug dabei einen Polizeihelm, obwohl er kein Polizist ist.

20.07.2018 17:12
Polizei in Paris
Polizei-Hauptquartier in Paris. Foto: afp

Die Affäre um die Prügelattacke eines Sicherheitsmitarbeiters des französischen Präsidialamts weitet sich aus. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vom Freitag wurde der Stabschef von Präsident Emmanuel Macron, Patrick Strzoda, bereits am Donnerstag in der Angelegenheit befragt. Unterdessen hagelte es von allen Seiten Kritik an dem Vorgehen der Regierung in der Angelegenheit.

Der Skandal war in dieser Woche mit der Veröffentlichung mehrerer Videos durch die Zeitung „Le Monde“ ins Rollen gekommen. Darauf ist zu sehen, wie der Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla heftig auf Teilnehmer der Kundgebung zum 1. Mai in Paris einprügelt. Er trug dabei einen Polizeihelm, obwohl er kein Polizist ist. Nach Regierungsangaben hatte er lediglich die Erlaubnis zur „Beobachtung der Polizeioperationen“.

Am Freitag nahm die Polizei den Mann in Gewahrsam. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, als öffentlicher Amtsträger Gewalt angewendet und sich als Polizist ausgegeben zu haben. Zudem soll er sich illegalerweise Videomaterial von Überwachungskameras der Stadt Paris beschafft haben. In diesem Zusammenhang wurden drei Polizisten vorläufig suspendiert. Sie sollen Benalla die Aufnahmen zugespielt haben.

Innenminister kristisiert Beamte

Innenminister Gérard Collomb verurteilte das Verhalten der drei Beamten am Freitag scharf. Am Donnerstag hatte er bereits eine Untersuchung durch die Polizeiaufsicht angekündigt, um festzustellen, unter welchen Umständen sich der Vorfall am 1. Mai ereignet habe.

Der Senat lud Collomb für kommende Woche zu einer Anhörung vor. Abgeordnete der Opposition forderten Collombs Rücktritt, sollte er frühzeitig von dem Vorfall gewusst und nichts unternommen haben.

Im Präsidialamt war die Prügelattacke in der bei Touristen beliebten Rue Mouffetard auf der Rive Gauche bereits am Tag nach der Demonstration bekannt geworden. Benalla wurde nach Angaben der Präsidentschaft im Mai für zwei Wochen ohne Bezahlung suspendiert und in die Verwaltung versetzt.

Wer genau von dem Vorfall wusste, blieb jedoch zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft wurde zunächst nicht informiert. Erst am Freitag kündigte der Elysée-Palast die Entlassung Benallas an, weil er versucht habe, den Skandal zu vertuschen.

„Le Monde“ zufolge bekam Benalla trotz seiner Suspendierung eine teure Wohnung sowie ein Auto mit Fahrer gestellt. Der Nachrichtensender BFM berichtete, Benalla sei diese Woche wieder als Sicherheitsmitarbeiter eingesetzt worden - während der Siegesparade auf den Champs Elysée zur Feier der französischen Nationalelf nach deren Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland.

Nach Regierungsangaben hat ein weiterer Mann, Benallas Kollege Vincent Crase, im Dienste des Präsidenten bei den Demonstrationen am 1. Mai seine Kompetenzen überschritten. Auch er befindet sich mittlerweile in Polizeigewahrsam. Die Zusammenarbeit mit diesem Angestellten der Regierungspartei La République en Marche (LREM) sei beendet worden, sagte ein Regierungssprecher.

Benalla war während des Präsidentschaftswahlkampfs im vergangenen Jahr für Macrons Sicherheit zuständig und arbeitete nach dessen Wahl im Elysée-Palast. Zuvor war er kurzzeitig für den ehemaligen Präsidenten François Hollande tätig, wurde jedoch nach nur einer Woche suspendiert. „Er hat als mein Fahrer einen Unfall verursacht und dann versucht zu fliehen“, sagte der ehemalige Minister unter Hollande, Arnaud Montebourg.

Zeitungen deckten Vorfall auf

Macron äußerte sich in der Angelegenheit zunächst nicht. Mehrere Zeitungen und Politiker aller Lager kritisierten das Verhalten der Regierung in der Angelegenheit und das Schweigen des Präsidenten, der bei seinem Amtseintritt versprochen hatte, Moral und Transparenz in Frankreichs Politik zurückzubringen.

Im Parlament war die Rede von einer „Staatsaffäre“. Macron sehe sich nun mit einer politischen Krise konfrontiert, „weil er es versäumte, ein Disziplinarproblem sofort zu lösen“, kommentierte die konservative Tageszeitung „Le Figaro“ am Freitag.“Ohne die Veröffentlichung von ‚Le Monde‘ wäre die Angelegenheit nicht ans Licht gekommen.“ (afp)

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