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Frankreich Le Pen geht auf Distanz zu Vater

Bei der rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich ist es zum offenen Bruch zwischen Parteigründer Jean-Marie Le Pen und dessen Tochter und Parteichefin Marine Le Pen gekommen.

Ein Bild aus dem Jahr 2013: Jean-Marie Le Pen und Marine Le Pen. Foto: Reuters

Paris. Gewiss, Marine Le Pen hält Frankreichs traditionelles Familienbild in Ehren. Achtung vor dem Alter rangiert im Tugendkatalog der Chefin des rechtspopulistischen Front National weit oben. So weit allerdings, dass sie sich von dem greisen Vater Jean-Marie ihr politisches Lebenswerk kaputtmachen lässt, geht die Tugendtreue dann doch nicht. Und so hat die 46-jährige FN-Vorsitzende dem 40 Jahre älteren Parteigründer, Ehrenpräsidenten und Herrn Papa am Mittwoch wutentbrannt den Stuhl vor die Tür gestellt. „Er legt es darauf an, mir zu schaden“, hat sie gesagt. Nun lege sie es darauf an, ihm zu schaden: Sie werde sich der Kandidatur des Vaters bei den Regionalwahlen im Dezember widersetzen.

Frankreich schaut fasziniert zu bei diesem Familiendrama. Zumal ein solch heftiger Krach nicht vorauszusehen war. Der alte Herr hat schließlich nur getan, was er seit 40 Jahren tut. Er hat seine alten rechtsextremen Thesen hervorgekramt, die Gaskammern des Holocaust wieder einmal „zur Nebensache“ erklärt und den mit den deutschen Nazis kollaborierenden Marschall Pétain als „keinen schlechten Franzosen“ gewürdigt. Das hat dem Unbelehrbaren viele Strafverfahren und Vorhaltungen der Tochter eingetragen.

Diese verfolgt andere Ziele als der Vater. Er sieht sich als Provokateur, sie als Staatschefin in spe. Er macht sich einen Spaß daraus, das Bürgertum zu verschrecken. Sie versucht, breite Wählerschichten hinter sich zu bringen, ohne die der Einzug in den Elysée-Palast nicht zu schaffen ist.

Botschaft an die Wähler

Solange der Vater seine Provokationen zurückhaltend dosierte, brachte er die von der Tochter betriebene Anbiederung ans Bürgertum nicht wirklich in Gefahr. Eine Zeitlang schienen Vater und Tochter sich sogar zu ergänzen. Er hielt rechtsextreme Stammwähler bei der Stange, sie griff zur politischen Mitte aus. Zuletzt freilich hat der Parteigründer immer öfter immer dicker aufgetragen.

Ganz so wütend, wie sie sich gibt, dürfte Marine Le Pen aber nicht sein. Das Zerwürfnis ist für sie auch eine hochwillkommene Gelegenheit, vor aller Welt zu demonstrieren: Der Front National von heute hat mit dem rechtsextremen von gestern nichts mehr zu tun. Das ist die Botschaft, die die Parteichefin dem Wähler ohnehin vermitteln möchte.

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