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Frankreich Bedrohlicher Bodyguard

Macrons Ex-Mitarbeiter Alexandre Benalla wollte ganz groß rauskommen – und stürzte dann ab. Ein Porträt.

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Im Februar stimmte es noch zwischen ihnen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Alexandre Benalla (r.). Foto: LUDOVIC MARIN (AFP)

Man möchte ihn für einen Freund der Familie halten. Fotos zeigen Alexandre Benalla in enger Verbundenheit mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und seiner Gattin Brigitte. Mal ist der bärtige Koloss zu sehen, wie er sich im Seebad Touquet einer Radtour der beiden anschließt, sich lächelnd auf den Sattel schwingt. Dann wieder zeigen Bilder den vom Präsidialamt als Bodyguard und Sicherheitsbeauftragten des Élysée Verpflichteten an der Seite Macrons auf dem Weg zum Tennisplatz.

Dabei hat sich Benalla dem Politiker erst vor zwei Jahren angeschlossen. In Krav Maga geübt, der von Israels Armee praktizierten Kampftechnik, bot Benalla dem angehenden Präsidentschaftskandidaten im Juli 2016 seine Dienste an. Und das Idyll sollte ja auch nicht lange währen. In der vergangenen Woche ist es unter lautem Getöse geplatzt.

Das Präsidialamt hat den mit Diplomatenpass, Dienstwohnung und monatlich 7113 Euro brutto beglückten Sicherheitsbeauftragten des Staatschefs am Freitag entlassen. Macron legte nach: Der Präsident forderte, „das schockierende, inakzeptable Verhalten“ seines Mitarbeiters zu bestrafen. Nachdem aufgeflogen war, dass sich Benalla bei der 1.-Mai-Kundgebung einen Polizeihelm übergestülpt und Demonstranten verprügelt hatte, war der Sicherheitsexperte zur Bedrohung geworden.

Wobei sich der 26-Jährige in der Stunde der Trennung loyal zeigte und das Präsidialamt nicht belastete. Er sei am 1. Mai von der Polizei als Beobachter empfangen und ausgerüstet worden, habe dann aus eigenem Entschluss die bedrängten Sicherheitskräfte unterstützt, ließ er am Montag durch seine Anwälte mitteilen.

Macron ist nicht aus der Schusslinie

So gut dies gemeint gewesen sein mag, aus der Schusslinie nimmt es den Staatschef nicht. Der Vorwurf, das am 2. Mai über die Prügelaffäre informierte Präsidialamt habe die Angelegenheit zu vertuschen versucht, seinerzeit weder die Justiz eingeschaltet noch Benalla entlassen, ist damit nicht ausgeräumt. Zum Zeichen ihrer Empörung kündigten die konservativen Republikaner am Dienstag einen (angesichts der Mehrheitsverhältnisse chancenlosen) Misstrauensantrag an.

Während Macron die Affäre schwer angeschlagen überstehen dürfte, bricht für den Prügelnden selbst eine Welt zusammen. Als Retter von Promis wollte der in einer Vorstadt von Evreux Aufgewachsene ins Rampenlicht treten.

Der junge Alexandre stemmt Gewichte, spielt Rugby, wird ein wahrer Schrank von einem Mann. Mit 19 Jahren darf der Franzose marokkanischer Herkunft beim Filmfestival von Deauville den Leinwandstars Marion Cotillard und Guillaume Canet als Bodyguard zur Seite stehen. Benalla heuert anschließend bei Frankreichs Sozialisten an, tritt in die Dienste von François Hollande. Als „freundlich, aber etwas heißblütig“ behält ein Genosse den Leibwächter in Erinnerung.

Nach einem Intermezzo in Clermont-Ferrand, wo Benalla einen Master in „Öffentlicher Sicherheit“ macht, geht es beruflich weiter bergauf. Von Macrons Bewegung „En Marche“ als „Helfer“ angeworben, überzeugt der Leibwächter durch Fantasie und Kühnheit. „Als Demonstranten eine Ausfahrt blockieren, lässt Benalla den Präsidenten eine Mauer hochklettern“, erzählt ein Wegbegleiter aus jenen Tagen. Nach einem 100-Stunden-Kurs bei der Gendarmerie wird der Leibwächter zum Gefreiten der Reserve ernannt. Es folgen die Beförderung zum Oberstleutnant, ein Dienstgrad, den gewöhnliche Sterbliche frühestens als 40-Jährige erhoffen dürfen, sowie die Ernennung zum Sicherheitsbeauftragten des Präsidialamts. „Und dann“, erzählt ein Bekannter Benallas, „ist bei dem Mann ganz offensichtlich eine Sicherung durchgebrannt.“

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