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FR-Interview mit Bischof Overbeck „Der öffentliche Druck steigt“

Bischof Overbeck hält das Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft für moralisch nicht vertretbar. Das sagte der katholische Geistliche im FR-Interview. Ein Gespräch über die Westerwelle-Heirat und über die Entschädigungen für Missbrauchsopfer.

19.09.2010 20:59
Franz-Josef Overbeck ist seit Oktober 2009 Bischof der Diözese Essen. Foto: dpa

Bischof Overbeck, wie sehr setzen die Jesuiten mit ihrer Ankündigung, Missbrauchsopfer zu entschädigen, die deutschen Bischöfe unter Zugzwang?

Der öffentliche Erwartungsdruck steigt. Ich bedauere, dass Bischöfe und Ordensgemeinschaften nicht gemeinsam eine Lösung präsentieren.

Die Bistümer werden also auch zahlen?

Das setzt ein gemeinsames Votum voraus. Wir halten nach wie vor ein abgestimmtes Vorgehen für richtig und wichtig. Daran arbeiten wir.

Gegen Entschädigungen wird vorgebracht, Geld heile keine Wunden. Teilen Sie diesen Einwand?

Nicht nur das. Es besteht überdies die Gefahr, dass Größe und Schmerz der entstandenen Wunden nach der Höhe der jeweils gezahlten Entschädigung bemessen werden. Das muss unbedingt vermieden werden.

Also mit einer Pauschalsumme?

Ich halte es für richtig, sich daran zu orientieren, was der Runde Tisch in Berlin beschließen wird, woran wir mitarbeiten.

Fühlen sich die Bischöfe mit den neuen Richtlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs jetzt auf der sicheren Seite?

Wir haben die Richtlinien einer kritischen Prüfung unterzogen, sie an verschiedenen Punkten präzisiert und verschärft. Somit hoffe ich, dass sie in den kommenden Jahren die an sie gestellten Erwartungen erfüllen.

Hat die deutsche katholische Kirche die Missbrauchs-Krise hinter sich?

Die Missbrauchsfälle haben die Glaubwürdigkeit der Kirche schwer erschüttert. Deshalb müssen wir alles unternehmen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen können. Dazu gehören ganz konkret alle Maßnahmen zur Prävention, über die wir in Fulda beraten werden.

Woran ist da gedacht?

Neben dem Bereich Aus- und Weiterbildung der Priester wollen wir einen Kriterienkatalog für alle erstellen, die haupt- und ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind – bis hin zu polizeilichen Führungszeugnissen.

Die wollen Sie allen Ernstes von Ihren Gemeindemitgliedern verlangen?

In manchen Vereinen und Verbänden ist das schon jetzt üblich.

Wie stehen Sie heute zu Ihrer Talkshow-Aussage, Homosexualität sei eine Sünde?

Sie hat der Auseinandersetzung mit dem gedient, worum es uns als Kirche mit Blick auf Partnerschaft, Sexualität und Kinder geht. Das war der positive Effekt.

Und der Sturm der Entrüstung, der über Sie kam?

Das war der andere Effekt. Die Empörung, die hier eingetreten ist, hängt damit zusammen, dass weite Teile der Bevölkerung viele Formen der Sexualität sehr anders bewerten als die katholische Kirche. Mir ist deutlich geworden, dass wir als Kirche weniger auf dogmatischer, moralischer oder rechtlicher Ebene mit den Betroffenen ins Gespräch kommen müssen als vielmehr auf der Beziehungsebene. Es war jedenfalls nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen.

Was sagen Sie dann Guido Westerwelle, der seine Beziehung gerade beim Standesamt hat eintragen lassen?

Der Herr Außenminister ist – genauso wie der Bischof von Essen – Bürger der Bundesrepublik Deutschland und kann sich nach ihren Gesetzen verhalten. Dass das Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft für mich als katholischer Bischof moralisch nicht vertretbar ist, ist aber eindeutig.

Interview: Joachim Frank

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