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FR-Diskussion Weder Freund noch Feind

Auf dem FR-Podium diskutieren USA-Experten den Bruch transatlantischer Umgangsformen.

Fremde Freunde  Welche Wege gehen die USA und Europa
„Fremde Freunde“ - das FR-Podium: Bütikofer, Mildner, Moderator Schwarzkopf, Garrett (v. l.) Foto: Monika Müller

Auch eineinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist es schwer, seine Politik verlässlich einzuschätzen – zu sprunghaft ist der anscheinend von spontanen Eingebungen getriebene „Dealmaker“ im Weißen Haus – da sind sich Reinhard Bütikofer, Stormy-Annika Mildner und Crister S. Garrett einig.

Doch wie man mit seiner Politik und den zugrundeliegenden Motiven umgehen soll, dazu haben die drei Teilnehmer der Podiumsdiskussion in der Evangelischen Akademie in Frankfurt alle unterschiedliche Ansätze. Trump sei zwar im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem besonnenen Barack Obama, eher der Typ „Wirtshausschläger“, sagt der Grünen-Europaparlamentarier Bütikofer, aber zum Beispiel seine Haltung gegenüber der Nato sei nicht neu.

„Schon Madeleine Albright, Außenministerin unter Bill Clinton, hat gesagt, dass die Nato in den USA weniger beliebt sei als in Europa“, so Bütikofer. Bislang sei die Kritik an dem Verteidigungsbündnis und der Rolle Europas in eben diesem nur viel leiser und höflicher vorgetragen worden. Gemeinsam mit den anderen Gästen war Bütikofer auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung und der Evangelischen Akademie nach Frankfurt gekommen, um das Thema „Fremde Freunde – Welche Wege gehen die USA und Europa?“ zu diskutieren. Andreas Schwarzkopf, Ressortleiter Meinung der Frankfurter Rundschau, moderierte die Debatte

Mildner, Abteilungsleiterin Außenwirtschaftspolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie, sieht unter Trump einen gefährlichen Bruch mit den gewohnten Umgangsformen. „Barack Obama hat Handelskonflikte mit Europa immer vor der Welthandelsorganisation ausgetragen“, so die BDI-Frau. Dass Trump sich dieser Vorgehensweise entziehe, schaffe Unsicherheiten bei den deutschen Unternehmern.

Das Ende des Multilateralismus, das Trump mit aller Wucht vorantreibt, beschreibt Garrett, Professor für amerikanische Kultur und Geschichte an der Universität Leipzig, als einen Generationenwechsel: „Was wir derzeit erleben, die Sprunghaftigkeit in den internationalen Beziehungen und besonders zwischen den USA und Europa, ist keine Phase.“ Europa müsse sich neue Partner suchen, darauf einigt sich das Podium, denn: Die Lücken, die beim Auseinanderfallen des transatlantischen Verhältnisses entstünden, würden schnell gefüllt.

Europa müsse sich alsbald zu China positionieren, so Mildner, sonst dränge die Wirtschaftsmacht in das Machtvakuum zwischen den USA und Europa. Für Wissenschaftler Garrett ist es wichtig, dass die europäische Staatengemeinschaft zu einer starken, gemeinsamen Position findet: „Zur Zeit ist völlig undefiniert, was Europa verbindet.“ Das müsse sich ändern, um Trump, von dem man nicht wisse, ob er Freund sei oder Feind, entgegentreten zu können.

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