Lade Inhalte...

FPÖ-Chef Strache Der rechte Königsmacher

Die Strategie von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geht auf. Neben Sebastian Kurz ist er der zweite große Sieger der Wahl in Österreich. Und er formuliert schon seine Bedingungen.

Österreich
„Wir brauchen gerechte Löhne, wir brauchen Entlastung, wir brauchen direkte Demokratie“, sagt FPÖ-Chef Strache. Foto: afp

Aus dem fernen Berlin haben sie schon gratuliert. Am Montagmorgen sitzen dort Alexander Gauland und Jörg Meuthen vor der Presse und müssen lustlos Auskunft geben, warum ihre Partei, die „Alternative für Deutschland“, tags zuvor bei den Landtagswahlen in Niedersachsen nicht sonderlich gut abgeschnitten hat. Da freut man sich lieber am Erfolg der politischen Freunde in Österreich, dort haben die „Freiheitlichen“ in den Parlamentswahlen deutlich zugelegt. „Die FPÖ ist sicher von den anderen europäischen Parteien die, die uns am nächsten ist“, sagt Parteichef Jörg Meuthen. Und dass er Heinz-Christian Strache schon am Sonntagabend in einer „netten SMS-Korrespondenz“ gratuliert hat. Auch der neue Chef der Bundestagsfraktion Gauland lobt die guten Beziehungen zur FPÖ und hofft auf ein baldiges Treffen mit Strache.

Neben Sebastian Kurz von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) ist „HC“, wie sie ihn in Österreich nennen, der zweite große Sieger dieser Wahl. Sie hat Österreich nach rechts rücken lassen, nach sehr weit rechts. Noch sind die Briefwähler nicht ausgezählt, aber Strache hat die FPÖ auf jeden Fall in die Nähe des historisch besten Ergebnisses geführt, das einst Jörg Haider erzielt hat. Der mittlerweile verstorbene Politiker hatte 1999, 26,9 Prozent der Stimmen geholt. Sogar die Europäische Union griff ein und verhinderte, dass Haider selbst der ersten schwarz-blauen Regierung angehörte.

In der EU längst salonfähig

Etwas Ähnliches muss Strache heute nicht mehr fürchten. Überall sind Rechtspopulisten salonfähig geworden – und Europa ist so zerstritten, dass es für eine solche gemeinschaftliche Ächtung keinen Konsens mehr gäbe. Daran wird auch nichts ändern, dass sich Strache als junger Mann in rechtsextremen Kreisen bewegte, wie die „Süddeutsche Zeitung“ kürzlich nachzeichnete. „Wir sind heute ein großer politischer Faktor geworden“, ruft der48-Jährige seinen Anhängern am späten Sonntagabend zu, und dass die FPÖ auf Veränderungen bestehen werde. Strache weiß, dass er die Rolle des Königsmachers spielen wird.

Und er formuliert schon seine Bedingungen. „Wir brauchen gerechte Löhne, wir brauchen Entlastung, wir brauchen direkte Demokratie.“ Seine Anhänger feiern ihn bierselig mit Österreichfahnen und Volksmusikpop der John-Otti-Band. „Mehr Fairness“, das war der zentrale Slogan im Wahlkampf, „für Österreicher“, natürlich. Er gab sich etwas weniger krawallorientiert als früher. Die Strategie ging auf.

Als Strache 2005 die FPÖ übernahm, warb er noch mit Sprüchen wie „Daham statt Islam“. Viele verlachten ihn als billige Haider-Kopie. Die Partei lag am Boden, sie war geschüttelt von Intrigen und Skandalen, die im Austritt Haiders gipfelten. Als Haider mit einigen seiner Vertrauten dann auch noch eine neue Partei gründete, schien die FPÖ erledigt. Sie hatten Strache unterschätzt. Er positionierte die FPÖ zielstrebig wieder weiter rechts, band mit den Themen Zuwanderung und innere Sicherheit Wähler an sich, die der schwarz-roten Dauerregierung überdrüssig waren, schaltete parteiinterne Widersacher aus.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Österreich

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum