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Forstrock-Festival in Jamel Toten Hosen setzen Zeichen

Auch von einem Brandanschlag lässt sich das Künstlerpaar Lohmeyer nicht stoppen. Zum 9. Mal veranstalten die Eheleute in Mecklenburg ein Musikfestival für Demokratie und Toleranz. Für eine Überraschung sorgen "Die Toten Hosen" mit einem Spontanauftritt.

29.08.2015 21:24
Besucher des Forstrock-Festival in Jamel. Foto: dpa

Der Rauch kommt aus der Nebelmaschine, das grell aufflackernde Licht aus den Strahlern am Bühnendach. Rund 300 Menschen bevölkern den weitläufigen Garten des Forsthofes im mecklenburgischen Dorf Jamel und feiern beim Musikfestival «Forstrock - Für eine bunte Welt». Und dann trauen manche ihren Augen nicht: Plötzlich steht die Punkband "Die Toten Hosen" auf der Bühne - und überrascht mit einem Spontanauftritt. Doch dazu später mehr.

"Jetzt erst recht!"

Gut zwei Wochen zuvor lagen dichte Rauchschwaden über dem Anwesen, Flammen züngelten in die Nacht. Unbekannte hatten die Scheune des Künstlerpaares Birgit und Horst Lohmeyer angezündet, das seit 2004 in dem Ort am Ende einer Sackgasse lebt und sich gegen Rechtsextremismus engagiert.

Letzte Pinkelpause vor Jamel.... Rockt den Förster!

Posted by Die Toten Hosen on Samstag, 29. August 2015

Die dort über Jahre hinweg im Dunstkreis eines verurteilten Neonazis zusammengezogenen Rechtsextremisten würden den Ort gern zu einer «national befreiten Zone» ausrufen. Inmitten des Dorfes tun sie das mit einem Spruch an einer Mauer schon einmal kund. Doch trotz fortwährender Anfeindungen weichen die Lohmeyers nicht. «Für uns stand noch in der Brandnacht fest, dass es auch in diesem Jahr den Forstrock als klares Zeichen gegen die Intoleranz geben wird. Jetzt erst recht!», sagt die Autorin Birgit Lohmeyer.

2007 hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Musiker Horst Lohmeyer, die Idee der Forstrock-Konzerte gegen Rechts erstmals verwirklicht - und seither jedes Jahr Rock-, Punk- und Folk-Bands zum Festival ins Dorf geholt. Ihr Anliegen ist momentan aktueller denn je. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Lohmeyer am Samstag führ ihr Engagement ein Preis erhielten (Georg Leber-Preis für Zivilcourage der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt).

Nach Jahren als Schirmherr mischte sich zur Eröffnung am Freitag erstmals auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) unter die Besucher. Es sei wichtig, mit solchen Veranstaltungen Flagge zu zeigen für Demokratie und Weltoffenheit, sagte der Regierungschef. "In Jamel ging es schon immer um mehr als um Musik. Es ging um ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus."

Fast die gleichen Worte wählte einen Tag später Campino. "Wir wollen ein Zeichen setzen", sagte der Toten-Hosen-Frontmann kurz nach Ankunft auf dem Forsthof des Künstlerpaars Birgit und Horst Lohmeyer. Den Auftritt dort beschrieb Campino als "eine Geste der Hochachtung für das, was die Lohmeyers hier leisten und für alle anderen, die sich nicht wegdrehen, wenn die Nazis Plätze für sich reklamieren". Dass es in Deutschland Regionen gebe, in denen Rechtsextremisten nahezu ungehindert ihre Ideologie ausleben und auch mit Symbolen zeigen könnten, komme einer Bankrotterklärung des Rechtsstaats gleich, sagte Campino. (dpa/zys)

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