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Flugtaxis Durch die Luft direkt zur Arbeit

Flugtaxis sind keine fantastischen Visionen mehr, Hersteller hoffen auf erste Zulassungen noch diesen Sommer.

Cebit 2018
Sieht so die Zukunft aus? Die Passagier-Drohne ?Volocopter? ist gerade auf der Digitalisierungsmesse Cebit zu begutachten. Sie bietet zwei Personen Platz. Foto: dpa

Wieder mal Stop-and-go in der Innenstadt. Dauerstau, weil alle gleichzeitig zur Arbeit oder wieder nach Hause wollen. Aber: kein Problem. Bald gibt es doch den „City-Airbus“ – ein Taxi für die Luft, das sein Ziel auf direktem Weg und ohne rote Ampeln zurücklegt. „Damit können bis zu vier Passagiere sicher, schnell, bei niedrigen Betriebskosten und lokal emissionsfrei mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde über verstopfte Megastädte transportiert werden“ – so beschreibt Projektleiter Martin Nüsseler von Europas größtem Flugzeugbauer die Vision, die der Airbus für den Stadtverkehr wahr machen soll. Starten und landen soll das Flugtaxi zum Beispiel an Flughäfen und Bahnhöfen oder auch auf Hochhausdächern. In der ersten Version wird der City-Airbus mit einem Piloten an Bord unterwegs sein, geplant ist aber auch schon eine weitere, die autonom fliegen soll.

Als die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), in einem ihrer ersten Interviews über Flugtaxis sprach, die künftig auch in – genauer: über – deutschen Städten fliegen könnten, da erntete sie viel Spott. Sie bekam den Spitznamen „Flugtaxi-Ministerin“ verpasst – doch viele Zeitgenossen dürften den Begriff dadurch überhaupt zum ersten Mal gehört haben. Tatsächlich aber sind die Taxis der Lüfte keine so fantastische Vision mehr, wie viele denken. Inzwischen arbeiten weltweit bereits rund 50 Unternehmen an solchen Projekten, mal als Flugtaxi oder fliegendes Auto, mal als Drohne mit Passagieren, Kleinstflugzeug oder Copter bezeichnet. Start-up-Unternehmen sind dabei, aber auch die großen Flugzeugkonzerne Airbus und Boeing. Prototypen wurden bereits erfolgreich getestet, und ein chinesischer Hersteller hofft auf die Zulassung von kommerziellen Flügen bereits in diesem Sommer.

Im Prinzip handelt es sich bei einem Flugtaxi um eine große, senkrechtstartende Flug-Drohne mit mindestens vier Propellern, die aber nicht nur Kameras oder Waren, sondern Menschen transportiert. Der Antrieb ist elektrisch, der Strom kommt aus Akkus, die nach dem Flug neu geladen werden müssen oder mit bereits aufgeladenen Akkus ersetzt werden. Als Maximaltempo peilen die meisten Hersteller um die 100 Stundenkilometer an, die Reichweiten liegen dann bei 30 bis 50 Kilometern. Das Flugtaxi soll, zumindest in der Endstufe, autonom fliegen können und ist daher mit zahlreichen Sensoren, Kameras und Radar für die Navigation ausgerüstet, die unter anderem Position, Beschleunigung und Hindernisse erkennen. Ein Pilot ist nicht notwendig, eine Software ersetzt ihn.

China ist, wie könnte es anders sein, ganz vorne mit dabei. Das „Kleinstflugzeug“ des chinesischen Drohnen-Herstellers Ehang, ausgelegt allerdings nur für einen Passagier, ist nach Angaben der Firma bereits einsatzreif. Das Modell „Ehang 184“ erinnert an eine Foto-Drohne, wiegt rund 250 Kilogramm und misst vier mal vier Meter. Ehang-Gründer Hu Huazhi erläutert in einem Firmenvideo, wie man damit umgeht: Der Passagier wählt nach dem Einsteigen auf dem Display im Flugtaxi einen der Landeplätze als Ziel und tippt auf „Take off“. Die Software berechnet dann die Flugroute, die die Drohne automatisch abfliegt. Der Antrag für den kommerziellen Einsatz liegt bei den chinesischen Zulassungsbehörden, das Unternehmen hofft, dass es in ein paar Monaten loslegen kann.

Maschinen für bis zu fünf Fluggäste

Zum Teil deutlich größer sind die Flugtaxis, an denen andere Unternehmen werkeln – es geht um Maschinen für bis zu fünf Passagiere. Neben Airbus und Boeing ist eine ganze Reihe Startups dabei, darunter zwei aus Deutschland. Zum einen das Unternehmen E-Volo aus Bruchsal bei Karlsruhe, dessen zweisitziger „Volocopter“ bereits 2019 in Dubai in den Testbetrieb gehen soll. Zum anderen die Münchner Firma „Lilium Aviation“, die plant, mit ihrem fünfsitzigen „Leichtflugzeug“ ab 2025 am Markt zu sein. „Wir werden die Art und Weise revolutionieren, wie wir uns in und rund um die Metropolen unserer Welt bewegen“, sagt Lilium-Gründer Daniel Wiegand selbstbewusst.

Natürlich wollen auch die Granden der Flug-Industrie, Airbus und Boeing, bei dem neuen Geschäft dabei sein, falls es denn tatsächlich eines wird. Airbus arbeitet für den E-Antrieb mit Siemens zusammen, und Boeing hat, um den Einstieg nicht zu verpassen, den US-amerikanischen Drohnen- und Roboter-Flugzeugbauer Aurora übernommen. Aber auch andere Investoren scheinen sich viel von dem künftigen Flugtaxi-Business zu versprechen. Lilium zum Beispiel konnte im vorigen Jahr in einer zweiten Finanzierungsrunde 90 Millionen Dollar einwerben, unter anderem vom chinesischen Internet-Konzern Tencent und dem britischen Investmentfonds Atomico, der einer der größten Europas ist. Bei E-Volo wiederum ist mit Daimler ein Autokonzern eingestiegen. Das erinnert an den Ausspruch des früheren VW-Chefs Matthias Müller: „Das Auto erobert die Luft.“

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