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Flüchtlingspolitik Kardinal Marx kritisiert Union

Kardinal Reinhard Marx ermahnt nicht nur die Union zu einer humaneren Flüchtlingspolitik. Er hat auch eine Botschaft an die Anhänger der AfD.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: dpa

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, hat den Unions-Kompromiss zur Flüchtlingspolitik kritisiert. „Der Begriff der Obergrenze ist nicht hilfreich“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Berlin. „Das Asylrecht kann man nicht begrenzen.“ Zwar taucht der von der CSU geforderte Begriff in dem Papier letztlich nicht auf; auch soll das Asylrecht weiter gelten. Allerdings wird die Zahl 200.000 als faktische Flüchtlingsobergrenze genannt. Marx fügte deshalb hinzu: „Die Zahl ist irgendwie fiktiv; ich kann sie nicht genau verstehen.“

Insbesondere mahnte er in Abgrenzung zu dem Unionspapier die Möglichkeit zum Familiennachzug an. „Wer auf Dauer hier ist, muss seine engsten Familienangehörigen zu sich holen können. Man kann nur in äußerster Not sagen: Wir trennen eine Familie.“ Dies sei für die katholische Kirche ein entscheidender Punkt. Überhaupt stehe das C im Namen von CDU und CSU „nicht für konservativ“.

Insgesamt plädierte der Kardinal für einen umfassenden Ansatz in der Flüchtlingspolitik, der, wenn es nach der katholischen Kirche gehe, fünf Prinzipien folgen müsse. Flüchtlinge müssten menschenwürdig behandelt werden, und sie brauchten ein faires Verfahren. Zudem dürften die Grenzen Europas „nicht zu einer Todesgrenze verkommen“, und niemand dürfe zurückgeschickt werden in Krieg und Verfolgung. Schließlich müsse viel mehr getan werden für jene Länder, aus denen die Flüchtlinge kämen.

Umgekehrt habe er nichts gegen eine Begrenzung des Flüchtlingszuzugs an und für sich, stellte Marx klar. Er habe auch „in keinem Interview gesagt: Alle sollen zu uns kommen.“ Es gehe darum, die Begrenzung human zu gestalten.

Zum Wahlerfolg der AfD äußerte sich Marx zurückhaltend. Er nehme das Wahlergebnis zur Kenntnis und werde nun beobachten, was die Partei im Bundestag tue. „Dann wird man das bewerten.“ Auch Gespräche mit AfD-Vertretern seien denkbar. Freilich erklärte der Kardinal ebenso, es stehe bestimmten Gruppen nicht zu, die Interpretationshoheit über das Christentum für sich zu beanspruchen.

„Da ist noch Power“

So gehe die Gefahr einer Instrumentalisierung von Religion derzeit zwar eher vom Islam aus. Gleichzeitig werde „die Chiffre christliches Abendland“ indes „auch von Leuten benutzt, die eine Kirche selten von innen sehen“. Im Übrigen seien beim Christentum nicht bloß Symbole wichtig, sondern vor allem Inhalte. „Der heilige Martin hat seinen Mantel geteilt“, sagte er. „Das ist keine Folklore.“ Und wer ein Kreuz aufhänge, der müsse das als Herausforderung begreifen.

Was die Zukunft der katholischen Kirche angeht, zeigte sich der Kardinal keineswegs pessimistisch. Auch wenn die Zahl der Katholiken abnehme, gingen immer noch rund ein Million von ihnen regelmäßig zum Gottesdienst. In Bayern gingen faktisch alle katholischen Kinder zur Erstkommunion. „Dass wir weniger werden, bedeutet nicht, dass wir keine Bedeutung hätten“, sagte er. „Da ist noch Power, nicht nur bei mir, auch bei anderen.“

Marx warnte vor falscher Nostalgie. „Ist es möglich, in einer offenen Gesellschaft Kirche zu sein wie 1950?“, fragte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und gab sich dann selbst die Antwort: „Nein.“ Ohnehin sollten Kirchenvertreter nicht primär fragen, was aus der Kirche werde. Die primäre Frage müsse lauten: „Was wird aus der Welt? Was wird aus den Menschen?“ Sie sei wesentlich.

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