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Flüchtlinge Die USA machen dicht

Trumps Politik der Abschottung zeigt Resultate: Die Zahl der in den USA aufgenommenen Flüchtlinge erreicht ein Rekordtief. Doch nicht allein der aktuelle Präsident ist dafür verantwortlich.

Käfig
Seinen goldenen Käfig hat der Künstler Ai Weiwei extra für Donald Trump in New York aufgestellt. Foto: afp

Die Inschrift am Sockel der New Yorker Freiheitsstatue heißt die Müden und die Armen ausdrücklich willkommen. Tatsächlich aber werden die USA für Schutzsuchende immer mehr zu einer Festung. Gerade einmal 28.000 Flüchtlinge hat das riesige Land in diesem Jahr bislang aufgenommen. Noch eindrucksvoller ist ein Langfristvergleich, den nun das renommierte Pew-Forschungszentrum in einer Studie anstellt: Während die USA 1982 noch rund ein Prozent aller weltweit Schutzsuchenden aufnahmen, ist die Quote inzwischen auf 0,2 Prozent gefallen.

Die aktuellen Zahlen dürften ganz im Sinne von Präsident Donald Trump sein, der mit seinem Einreiseverbot für Bürger aus neun Ländern zugleich die Zahl der Flüchtlinge, denen der Grenzübertritt erlaubt wird, für das laufende Jahr auf 50.000 begrenzte. Vor der Jahrtausendwende hatte die Zahl im Schnitt bei rund 100.000 gelegen.

Allerdings haben die USA im Verlauf der vergangenen 25 Jahre mit insgesamt rund drei Millionen Menschen mehr Flüchtlinge aufgenommen als die meisten Industrienationen. Doch ausgerechnet in einer Zeit, in der die weltweiten Migrationsströme stark anschwellen, halten die USA nun anteilsmäßig nicht mehr mit. Diese Entwicklung hat nach einer Erhebung des Pew-Instituts schon zu Zeiten von Barack Obama eingesetzt. Zwar nahmen die USA 2016 im Zuge der Syrien-Krise 97.000 Flüchtlinge auf, doch diese Zahl blieb immer noch hinter früheren Spitzenwerten zurück.

Nach dem Willen von Präsident Trump sollen die Zahlen in Zukunft so niedrig bleiben wie dieses Jahr. Er hat dem Kongress eine Deckelung bei 45 000 für das nächste Jahr vorgeschlagen.

Aus Drittstaaten umgesiedelt

Anders als in Europa stammen die Schutzsuchenden in den USA nicht direkt aus Krisenländern, sondern werden aus Übergangslagern in Drittstaaten umgesiedelt. Sie müssen ihre Einreise von außerhalb der USA beantragen und sich dann umfangreichen Sicherheitsüberprüfungen unterziehen.

Das Verfahren dauert laut Pew-Institut etwa zwölf bis 24 Monate. In den USA werden die Neuankömmlinge von Freiwilligenorganisationen betreut und erhalten für eine begrenzte Zeit von einigen Monaten eine finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln. Nach Erkenntnissen des Pew-Instituts findet normalerweise in relativ kurzer Zeit zumindest ein Mitglied eines Flüchtlingshaushalts einen Job. Nach einem Jahr erhalten die Neuankömmlinge ein Bleiberecht. Fünf Jahre später können sie die Staatsbürgerschaft beantragen.

Während noch in den 1990er Jahren die meisten Flüchtlinge, die in die USA einreisten, aus Europa (vor allem aus Bosnien und die Ukraine) stammten, verlagerte sich der Schwerpunkt seither auf Asien und den Mittleren Osten. Mehr als die Hälfte der Schutzsuchenden, die seit 2002 in die USA kamen, stammt aus Birma, dem Irak, Somalia und Bhutan.

Mit gerade einmal 21.000 seit dem Jahr 2002 machen die Syrer eine eher kleine Gruppe aus. Im August und September kamen jeweils gerade noch 48 Syrer in die USA. In den Statistiken sind die illegalen Zuwanderer überwiegend aus Lateinamerika ebenso wenig enthalten wie deren Kinder, über deren Verbleib in den USA gerade ein heftiger politischer Streit tobt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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