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Umfrage zu Flüchtlingen Die Willkommenskultur lebt

1. UpdateIn den EU-Staaten sind die Menschen nach einer Umfrage mehrheitlich dafür, dass Kriegsflüchtlinge aufgenommen werden. Kritik gibt es an der Art und Weise, wie die Europäische Union mit Migration umgeht.

EU
Die EU-Bürger sind mehrheitlich dafür, dass Kriegsflüchtlinge in der EU aufgenommen werden. Foto: rtr

Die Menschen in zahlreichen EU-Mitgliedsstaaten sind mehrheitlich dafür, dass Kriegsflüchtlinge in der EU aufgenommen werden. Aber die meisten EU-Bürger lehnen zugleich die Art und Weise ab, wie die Europäische Union mit der Migration umgeht. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Erhebung, die auch zehn EU-Mitgliedsstaaten umfasste.

Die Umfrage des renommierten Washingtoner Instituts Pew Research Center kommt passend zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Salzburg, wo es vor allem darum geht, sich einer Lösung im erbitterten Streit um die Flüchtlingsverteilung wenigstens anzunähern. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet in Spanien, wo zuletzt viele Flüchtlinge ankamen, die Aufnahmebereitschaft am stärksten war. Dort sagten 86 Prozent der Befragten, sie seien dafür, dass Menschen, die vor Gewalt und Krieg fliehen, in ihr Land kommen. 13 Prozent sprachen sich dagegen aus. Deutschland lag mit einer Zustimmungsrate von 82 Prozentpunkten nur knapp hinter den Niederlanden (83 Prozent).

Ungarn und Polen lehnen EU-Plan ab

Auch in Schweden, Frankreich, Großbritannien sagten weit mehr als zwei Drittel der Befragten, dass Flüchtlinge willkommen seien. Selbst in Griechenland und in Italien, an deren Küsten der überwiegende Teil von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Nordafrika anlanden, waren es noch 69 beziehungsweise 54 Prozent. Mehr Ablehnung als Zustimmung zur Aufnahme von Flüchtlingen notierte das US-Institut lediglich in Polen und in Ungarn. Nur 49 Prozent der Befragten in Polen gaben an, Flüchtlinge seien willkommen. In Ungarn waren es sogar nur 32 Prozent.

Die national-konservativen Regierungen in Warschau und in Budapest lehnen einen EU-Plan zur Flüchtlingsverteilung kategorisch ab. Die Regierung des ungarischen Premiers Viktor Orbán hat vor einigen Monaten sogar Hilfeleistungen für Flüchtlinge unter Strafe gestellt. Das EU-Parlament beschloss dieser Tage, dass gegen Ungarn ein sogenanntes Rechtsstaatsverfahren eingeleitet werden soll. Das könnte im Extremfall zum Verlust der Stimmrechte Ungarns auf EU-Ebene führen.

In deutlichem Gegensatz zur Aufnahmebereitschaft steht die Kritik der Menschen an der EU-Migrationspolitik. In allen Staaten findet eine deutliche Mehrheit der Befragten, dass die EU die Flüchtlingspolitik nicht im Griff hat. Am höchsten ist dieser Wert mit 92 Prozent in Griechenland, gefolgt von Schweden (84 Prozent), Ungarn (80) und Italien (78). Auch in Deutschland ist das die Meinung von 66 Prozent der Befragten. Pew Research stellte in seiner aktuellen Studie allerdings nicht die Frage, was den Menschen genau an der EU-Flüchtlingspolitik missfällt. Das US-Institut verweist dazu auf eine Umfrage aus dem Sommer 2017. Diese zeigte, dass Mehrheiten in den meisten EU-Mitgliedsstaaten es vorzögen, wenn ihre nationalen Regierungen sich des Themas annehmen und es nicht der EU überlassen würden.

Für die aktuelle Studie befragte Pew Research im Frühsommer dieses Jahres jeweils 1000 Menschen in Deutschland, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien, Griechenland, Italien, Polen und Ungarn.

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