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Uganda Ein guter Platz im Nirgendwo

Im Nordwesten Ugandas liegt Bidibidi - ein Ort, von dem auch Europa lernen kann, wie man mit Geflüchteten umgeht. Ein Besuch in dem Dorf, das zum größten Flüchtlingslager der Welt ausgebaut wird.

Uganda
Eine schmale Brücke führt in eine ungewisse Zukunft: Stella Akita, 19, (links) und ihre Schwestern aus dem Südsudan waren zwei Wochen unterwegs. Foto: Anne Ackermann/Agentur Focus

„Was ich von den Flüchtlingen halte?“, fragt Addi Mahazin und rückt den Plastikstuhl vor seiner Hütte zurecht. Seit Generationen lebt die Familie des 57-Jährigen in Kowanga, einem Dorf in der Nähe von Bidibidi. „Das sind Nachbarn, keine Fremden“, sagt er. Er könne sich noch gut an die späten 1970er und 1980er Jahre erinnern. „Da rannten wir um unser Leben wegen der politischen Unruhen in Uganda. Die Sudanesen haben uns damals aufgenommen.“

Über den Hof laufen ein paar Hühner, Mahazin deutet auf eine kleine Baumplantage hinter dem Haus. „Alles Bauholz, das ich demnächst nach Bidibidi verkaufe“, sagt er. Bevor die Flüchtlinge gekommen seien, habe er seine Teakhölzer bis nach Yumbe oder noch weiter karren müssen – ohne dass ihm dort viel abgenommen worden wäre. Aber jetzt, wo in Bidibidi überall gebaut werde, erhoffe er sich gute Geschäfte – auch deshalb, weil durch die Flüchtlinge Hilfsorganisationen ins Land kommen und mit ihnen Geld und Güter. Die ugandische Regierung stellt das Land zur Verfügung – und profitiert gleichzeitig vom wirtschaftlichen Aufbau in der traditionell dünn besiedelten Gegend. 

Das Aufnahmelager von Goboro am späten Nachmittag, zehn Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Der Regen hat das im Wald gelegene Areal in eine Pfützenlandschaft verwandelt. Vier Zelte sind hier als Notunterkünfte hergerichtet, daneben eins für die Krankenversorgung sowie ein Küchenzelt und Zeltlatrinen. Busse stehen bereit, die die Neuankömmlinge nach einer warmen Mahlzeit und einer Nacht im Aufnahmelager weiter nach Bidibidi bringen. Ein Junge in Shorts und Badelatschen springt über die Pfützen, in seiner Hand hält er ein glimmendes Stück Holz. „Zum Feuermachen“, ruft er und deutet auf eines der Zelte. Dann muss er schnell weiter.

Keine zehn Minuten später ist er wieder zurück. „Robert Mandela aus Yei“, sagt er freundlich und streckt die Hand zur Begrüßung aus. Auf seinem viel zu großen T-Shirt steht in weißen Lettern „Humans are so interesting“. Sechs Tage haben er und seine Brüder Noel und Kenedy von der Stadt im Südwesten Jubas gebraucht, um über die Grenze zu gelangen, erzählt der 14-Jährige. „Tagsüber sind wir durch die Hitze gelaufen. Am Wegesrand haben wir Mangos gepflückt und gegessen. Nachts haben wir uns zum Schlafen in die Büsche geschlagen“.

In Goboro sind die drei Jungen ohne Gepäck angekommen; ihre Eltern haben sie bereits bei Beginn des Kriegs im Südsudan 2013 verloren. Zurück wolle keiner von ihnen, sagt Robert. Ihm beipflichtend schütteln die beiden anderen die Köpfe. Was er sich von Uganda erhoffe? Etwas zu essen, Gesundheit und zur Schule gehen damit später etwas aus ihm werde. In Freiheit leben wolle er auch, um die Angst loszuwerden. Und die Erinnerungen an den Krieg auf der anderen Seite der Grenze.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Uganda

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