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Uganda Ein guter Platz im Nirgendwo

Im Nordwesten Ugandas liegt Bidibidi - ein Ort, von dem auch Europa lernen kann, wie man mit Geflüchteten umgeht. Ein Besuch in dem Dorf, das zum größten Flüchtlingslager der Welt ausgebaut wird.

Uganda
Eine schmale Brücke führt in eine ungewisse Zukunft: Stella Akita, 19, (links) und ihre Schwestern aus dem Südsudan waren zwei Wochen unterwegs. Foto: Anne Ackermann/Agentur Focus

So viele wie in Uganda allein. Doch während in den reichen EU-Staaten weiter über Aufnahmequoten gestritten wird, hat sich das Land mit einem Pro-Kopf-Monatseinkommen von nur 42 Euro bereit erklärt, Flüchtlingen vor allem aus dem Südsudan großzügig Aufnahme zu gewähren – obwohl es dabei selbst an seine Belastungsgrenzen geht.

Bidibidi liegt inmitten sanft geschwungener Hügel und gleicht – trotz 270.000 Einwohnern – einem riesigen Dorf. Manche sitzen vor strohgedeckten Lehmhütten, auf der Straße toben Kinder. Ein paar Familien, die schon länger da sind, bestellen bereits ihre Äcker. Neuankömmlinge wiederum zimmern sich mit Planen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Notunterkünfte. Es gibt Schulen, Straßen, Kirchen, Krankenstationen und einen Kinderspielplatz im Lager. 

Ganz hinter sich lassen freilich können auch die Lagerbewohner den Krieg nicht: Angehörige von Dinka und Nuer sind in weit voneinander entfernten Zonen des Lagers untergebracht. Freiwillige helfen, Streitigkeiten zu schlichten – und bei Registrierung sowie Essensverteilung.

Essensbeschaffung und -verteilung obliegen dem World Food Programme der Vereinten Nationen (WFP), die Wasserversorgung an öffentlichen Brunnen koordiniert größtenteils das UNHCR. Bäume fällen für Feuerholz ist unter Androhung von Strafe verboten. Noch verläuft alles geordnet.

„Das könnte sich schnell ändern“, sagt Robert Baryamwesiga, der Bidibidi und die umliegenden Camps im Auftrag der Regierung in Kampala leitet. So sei das Geld für die Versorgung schon jetzt knapp – Nahrungsmittelkürzungen sind die Folge. „Und es könnte bald noch viel knapper werden“, so Baryamwesiga. Sollte etwa US-Präsident Donald Trump wie vor einiger Zeit angekündigt die Ausgaben für Entwicklungshilfe drastisch kürzen, wäre schnell Schluss mit Ugandas großzügiger Flüchtlingspolitik: Laut UNHCR stammen rund 54 Millionen US-Dollar Soforthilfe aus den USA. Die EU gibt 4,4 Millionen, Deutschland 1,1 Million US-Dollar.

Regierung von Uganda setzt auf Integration

Möglichst schnell raus aus der Abhängigkeit, lautet deshalb der Ansatz in Bidibidi. Anders als im kenianischen Dadaab, wo seit drei Jahrzehnten 300.000 somalische Flüchtlinge am Tropf der Entwicklungshilfe hängen, setzt die ugandische Regierung auf Integration: Stella Akita und ihre Schwestern etwa haben das Recht, unmittelbar nach ihrer Registrierung eine Arbeit anzunehmen. An der Hauptstraße von Bidibidi sind Werkstätten entstanden, Kioske, Restaurants und Friseurläden. Familien erhalten Land zur eigenen Bewirtschaftung. Man sorgt vor – auch deshalb, weil die meisten Südsudanesen in Uganda bleiben werden, zumindest vorerst. 250 Quadratkilometer Fläche hat die Regierung für die Neuankömmlinge bereitgestellt.

Das allerdings sorgt auch für Konflikte mit den Alteingesessenen, schließlich lebt jeder dritte der rund 34 Millionen Einwohner Ugandas in extremer Armut. Vor allem in den ländlichen Gebieten ist die Not groß. Immer wieder gebe es Fälle von bettelarmen Menschen, die sich aus lauter Verzweiflung in den Aufnahmelagern als Südsudanesen ausgeben, erzählen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Die meisten seien Frauen mit Kindern. Für sie sei es nicht verständlich, warum den Flüchtlingen geholfen werde und ihnen nicht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Uganda

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