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Promis gegen Rechts Keine Geduld mit „diesen Arschgeigen“

Til Schweiger hat mit seinem entschiedenen Eintreten gegen Rechtsradikale große Aufmerksamkeit erregt. Er ist mit seinem Engagement nicht allein. Auch Farin Urlaub und viele andere Prominente erheben ihre Stimme.

Farin Urlaub, Sänger der Rockband „Die Ärzte“, findet klare Worte gegen Ausländerfeinde: „Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben“. Foto: Imago

Herbert Grönemeyer fordert, sich zu bekennen: „Da müssen wir klar Haltung zeigen und denen, die Flüchtlinge bedrohen oder angreifen, deutlich machen, dass sie gegen eine Wand laufen. Und wenn sie das nicht begreifen wollen, dann müssen sie damit rechnen, dass wir ihnen an die Wäsche gehen“, sagte Grönemeyer bei einer Pressekonferenz der ARD zu ihrer Themenwoche „Heimat“. Und weiter: „Wir leben im Jetzt, die Welt rückt zusammen. Wir können diesen Menschen helfen, das ist ein Riesenglück für uns alle. So gehe ich damit um, und daran arbeite ich.“

Helene Fischer, der prominenteste deutsche Popstar, hat sich, soweit bekannt, bisher nicht zu den Ausschreitungen gegen Flüchtlinge geäußert. Das nehmen ihr manche übel, zum Beispiel einer der führenden Cartoon-Zeichner Deutschlands, Ralph Ruthe. Er wandte sich mit einem besonderen Gag gegen das viel gehörte Vorurteil, Einwanderer nähmen den Deutschen ihr Geld, ihren Wohlstand weg, denn: „Natürlich ist Geld übrig für Flüchtlingsheime. Dies ist ein Land, in dem Leute Geld haben, um es für Helene-Fischer-Tickets auszugeben.“ Auch Spott kann aufrütteln.

Das Entertainer-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wenden sich in einem Film auf Youtube gegen Fremdenfeindlichkeit. "Das wird man wohl noch sagen dürfen" heißt das Video, das einen Nerv trifft und unzählige Male in sozialen Netzwerken geteilt wird.

Golde Ebding, Berliner Sozialarbeiterin, hatte mit Freunden eine ganz konkrete Idee, wie man Flüchtlingen helfen kann. Sie schufen eine Website, weil sie der Auffassung sind, „dass geflüchtete Menschen nicht durch Massenunterkünfte stigmatisiert und ausgegrenzt werden sollten“. Sie stellen Kontakte zwischen Privatleuten, die Flüchtlinge aufnehmen wollen, und Hilfesuchenden her und beraten zu rechtlichen und finanziellen Fragen.

Enno Lenze, Journalist, hat mit seinem „Liebe ich bin ja kein Nazi, aber … Leute“- Video viel Aufsehen erregt. „So denke ich über euch. … ihr seid einfach rechtes Pack. Lebt damit“, ruft er den Ausländerfeinden zu. 3,5 Millionen Aufrufe zeigen, welche Wirkung er damit erzielt. Neben sehr vielen positiven Reaktionen sind darunter aber auch solche: Ein Heinz Hinkel postete: „Hallo Herr Lenze, (…) wenn solche Kotzbrocken wie Sie nicht unter dem Schutz dieser Gesinnungsjustiz stehen würden bekämen Sie von mir für Ihre Aussage eine Anzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung. Aber das Internet vergisst ja bekanntlich nichts. Es könnte also durchaus sein daß Ihnen Ihre Blödheit noch auf die Füße fällt.“

Heinz Rudolf Kunze kennt solche Reaktionen. Der Liedermacher ruft dazu auf, für die Aktion „Musik hilft“ Instrumente zu spenden, die nicht mehr gebraucht werden. Er denkt, dass die Menschen in Not nicht nur Essen und Kleider brauchen. Mögliche Anfeindungen halten ihn nicht ab. „Wer sich bewegt, macht was falsch“, sagte er in einem-Interview. „Am besten bewegt man sich nicht und hält die Klappe. Dann kriegt man auch keinen Shitstorm. Aber sobald man etwas Gutes tut, weht von irgendwoher der Dreckwind. Das ist halt so. Damit muss man leben.“

Tobias Huch, FDP-Politiker aus Rheinland-Pfalz, hat mit einem Video-Clip großes Aufsehen im Netz erregt. Darin knöpft er sich angesichts des Elends im Nahen Osten deutsche Hetzer gegen die Flüchtlinge vor. Er kombiniert verstörende Bilder von einem Bombenangriff, schreienden Kinder und verletzten Menschen in einer syrischen Stadt mit Hassmails, die ihn täglich erreichen. Mit seinem drastischen Video will er aufrütteln. „Denn die Menschen hier in Deutschland haben keine Vorstellung vom Krieg, der vor unserer Haustür tobt.“ Er engagiert sich auch praktisch in einer Initiative, die Trinkwasserflaschen an Flüchtlinge im Nordirak verteilt.

Farin Urlaub, Sänger der Rockband „Die Ärzte“, hat sich viele neue Gegner im Netz mit seinen klaren Aussagen gegen Ausländerfeinde geschaffen. „Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben“, sagte der Musiker. „Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen, auf irgendwas stolz sein. Also suchen sie jemand aus, der anders ist als sie, und halten sich für besser. Oder sie sind bekloppterweise stolz darauf, deutsch zu sein, wozu keinerlei Leistung ihrerseits nötig war.“ Und weiter: „Ich habe jegliche Geduld mit diesen Arschgeigen verloren; wenn ich erleben muss, dass hierzulande hilfesuchenden Menschen der notdürftige Wohnraum angezündet wird… dann schäme ich mich dafür, Deutscher zu sein.“

Friederike Kempter, Darstellerin der Nadeshda Krusenstern aus dem Münsteraner Tatort, engagiert sich für das Uno-Flüchtlingshilfswerk und hat für einen Dokumentarfilm ein jordanisches Flüchtlingslager besucht. Danach sagte sie: „Die Situation dort ist wirklich hoffnungslos. Auch in der jordanischen Bevölkerung gibt es ja Ängste. Aber wenn man vergleicht, wie viele die dort aufnehmen und wie viele wir – dann ärgert mich das Gekeife hier einfach maßlos.“

Dieter Hallervorden, Eckart von Hirschhausen und Jörg Thadeusz, Schauspieler, Entertainer und Publizist, haben schon im vergangenen Jahr zur Unterstützung des Willkommensbündnisses für Flüchtlinge im gutbürgerlichen Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf aufgerufen. Das Bündnis will mit den politisch Verantwortlichen und den Bürgerinnen und Bürgern „dafür sorgen, dass sich Flüchtlinge geschützt vor Übergriffen und Diskriminierungen bei uns einleben und an der Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken können“, heißt es auf seiner Website. Zusammen mit ehrenamtlichen Unterstützern bietet das Bündnis konkrete Hilfsangebote in den Bereichen Schule und Bildung, Begleitung und Patenschaften, Gesundheit und Freizeitaktivitäten an.

Udo Lindenberg darf natürlich in dieser Reihe nicht fehlen. Der Alt-Rocker macht sich mit seiner Stiftung schon lange für eine Welt ohne Rassismus stark. „Nazifreie Bunte Republik Deutschland. Müssen wir hinkriegen“, ist sein Motto. „Man muss doch immer das Einzelschicksal sehen“, rief er seinen Fans gerade auf einem Konzert in Frankfurt am Main zu. Die Begegnungen mit Flüchtlingen, etwa mit der Boxerin Susi Kentikian, hätten ihn auch zu dem Lied „Komm wir werden jetzt Freunde“ inspiriert. „Dein Weg war so weit“, heißt es darin und weiter „bist bei mir angekommen nach einer scheiß-harten Zeit. … Bist jetzt bei uns zu Haus’.“

Zusammengestellt von Holger Schmale

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