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Pro Asyl „Ich verteidige Dein Grundgesetz“

Karim Al Wasiti flüchtete 1998 als Regimekritiker aus dem Irak. Er ist seit vielen Jahren deutscher Staatsbürger. Andrea Kothen von Pro Asyl hat ihn interviewt.

20.09.2017 13:01
Andrea Kothen
Karim Al Wasiti
„Ich konnte einfach nicht begreifen, warum das Bundesamt meinen Asylantrag damals abgelehnt hat“, sagt Karim Al Wasiti. Foto: Tim Wegner

Andrea Kothen, Stellvertretende Geschäftsführerin von Pro Asyl, spricht mit Karim Al Wasiti, verantwortlich für die Arbeitsbereiche Aufnahme aus Krisenregionen und Familienzusammenführung beim Flüchtlingsrat Niedersachen.

Karim, du bist vor fast 20 Jahren aus dem Irak geflohen und unterstützt inzwischen schon viele Jahre geflüchtete Menschen durch deine Arbeit beim Flüchtlingsrat Niedersachsen. Kannst du uns erzählen, was dich dahin geführt hat?
Es ist für mich kein Job, es ist die menschliche Verantwortung gegenüber anderen Flüchtlingen. Ich kann mit dieser Arbeit ja auch meine eigene Geschichte verknüpfen. Warum ich selbst geflohen bin, wie ich gelitten habe, was ich vermisst habe – ich kenne das alles und weiß, wie sich Flüchtlinge fühlen – und wie sehr sie am Anfang auf Unterstützung, vor allem in rechtlichen Fragen, angewiesen sind.

Du machst mit bei der PRO ASYL-Kampagne „Flüchtlingsrechte sind Menschenrechte“. Du stehst dabei für die Aussage „Ich verteidige Dein Grundgesetz“. Was bedeutet Dir das Grundgesetz?
Sehr viel. Grundrechte wie das Recht auf Asyl oder der Schutz der Familie sind dort verankert. Wenn ich diese Rechte zum Beispiel im Interesse der Flüchtlinge verteidige, verteidige ich unser Grundgesetz selbst. Denn nur wenn die Rechte der Menschen verwirklicht werden, sind sie real. Ich möchte nicht, dass in Deutschland schutzsuchenden Menschen gegenüber eine Praxis existiert, die nicht mit unserem Grundgesetz übereinstimmt. Das Grundgesetz ist in meinen Augen fast eine Art Heiligtum, das unbedingt unversehrt bleiben muss.

Du hast mal gesagt, dass du dich lange Zeit danach gesehnt hast, in einem Staat zu leben, in dem die Menschenrechte gelten.
Es war immer eine große Sehnsucht! Sie hat mich, seit ich denken kann, begleitet. Ich bin im Irak geboren und habe mir immer gewünscht, in einem Land zu leben, in dem die Grundrechte nicht nur ein wertloses Stück Papier sind. Auch im Irak wollen die Menschen Freiheit und Rechte – sie haben die gleichen Bedürfnisse wie wir. Sie kennen die Menschenrechte zumeist natürlich nicht im Detail, aber sie wissen, dass sie existieren. Sie wissen, dass es Rechte und Werte gibt, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Ich möchte nicht, dass Flüchtlinge aus Ländern wie dem Irak hierher nach Deutschland kommen und feststellen, sie können auch hier ihre Rechte nicht wahrnehmen.

Dein eigenes Asylverfahren war ziemlich schwierig. Kannst du dich noch daran erinnern?
Ja! Ich konnte einfach nicht begreifen, warum das Bundesamt meinen Asylantrag damals abgelehnt hat. Mich hat das jahrelang begleitet – ich fühlte mich durch die Ablehnung des Bundesamtes auf gewisse Weise beleidigt, ja gedemütigt. Ich hatte das Gefühl, mir war großes Unrecht geschehen – ausgerechnet in einem Rechtsstaat, dem ich selbst vertraute. Dieses Gefühl hatte mich krank gemacht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Medienpartnerschaft Pro Asyl
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