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Polizeigewalt gegen Flüchtlinge „Die werden regelrecht zurückgeprügelt“

Helfer prangern Gewalt gegen Flüchtlinge an der gesperrten Balkanroute an. Grenzschutzbeamte und Polizisten aus EU-Staaten werden als Täter genannt.

Migranten am Bahnhof Šid
Raus aus Šid: Flüchtlinge warten im Februar 2016 auf dem Bahnhof der serbischen Stadt. Foto: rtr

Für Flüchtlinge ist die Balkanroute seit fast anderthalb Jahren geschlossen. Doch obwohl deutlich weniger Flüchtlinge sich auf die beschwerliche Reise machen, sind immer noch viele auf der Route unterwegs. Exakte Zahlen gibt es kaum. Der österreichische Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) schätzte in einem Interview, dass von den rund 12 000 Personen, die in Österreich Asyl beantragt haben, rund 8000 über den Balkan gekommen sind. 

Manche schaffen die Reise, kommen irgendwie über die Grenzen. Andere stranden in Lagern, Camps, kommen nicht weiter – und leben an den EU-Außengrenzen unter schlimmsten Bedingungen. 

So wie in Šid, einer kleinen serbischen Stadt an der kroatisch-serbischen Grenze, rund 16 000 Serben leben dort. Von hier versuchen Flüchtlinge nach Kroatien zu gelangen, auf EU-Gebiet, um sich dann weiter durchzuschlagen. Doch meist werden sie von der Polizei aufgegriffen, zurückgebracht. Dann versuchen sie es erneut. Manche hängen sich unter Güterzüge, um über die Grenzen zu gelangen.

Berichte von körperlichen Angriffen auf Migranten

In Šid leben seit einiger Zeit rund 150 Flüchtlinge in einer alten heruntergekommenen Fabrikruine, mal sind es mehr, mal weniger. Um sich vor der Polizei zu verstecken, schlafen sie in den Feldern. Sie kommen aus Afghanistan, dem Irak, aus Pakistan oder den Maghreb-Staaten, meist junge Männer, oft allein, einige sind seit zwei Jahren unterwegs. Manche sind erst zwölf, 13 oder 14 Jahre, Kinder. 

Nathalie Gigla ist als freiwillige Helferin seit Juli in Šid. Die 27-Jährige kommt aus Mainz und ist Mitglied im Verein Rigardu aus Göttingen, der den Flüchtlingen mobile Duschen, Hygieneartikel und Trinkwasser zur Verfügung stellt. Sie berichtet von erbärmlichen Zuständen. „Es regnet seit Tagen ununterbrochen, nachts sind es nur noch drei Grad. Viele sind krank, sie haben schwere Erkältungen, Infektionen, Wunden an der Füßen von den langen Fußmärschen, manche leiden unter Krätze oder haben Flöhe“, erzählt sie. Die Ehrenamtlichen waschen die Kleidung, helfen wo immer sie helfen können.

Seit dem Sommer habe sich die Situation „dramatisch verschlechtert“, vor allem wegen der Witterungsbedingungen. Neben Rigardu ist die spanische Organisation No Name Kitchen vor Ort, die die jungen Männer mit Obst, Suppen, Tee, Brot und warmen Mahlzeiten versorgt. Abends verteilen die Helfer Decken, Schlafsäcke und warme Mäntel, die aus Spenden zusammenkommen. Das Nötigste eben. Auch Ärzte ohne Grenzen kommt regelmäßig und kümmert sich um die Verletzten. 

Erst kürzlich kritisierte Oxfam die Lebensbedingungen von Menschen auf der Flucht: Die EU-Institutionen und ihre Mitgliedstaaten hätten sich in den vergangenen zwei Jahren vorrangig darauf konzentriert, irreguläre Migration zu verhindern und den Grenzschutz zu verstärken, heißt es in dem Bericht. Auch sei es nicht gelungen, die Lebensbedingungen von Menschen auf der Flucht zu verbessern. Oxfam lägen Berichte vor, denen zufolge Migranten von Mitarbeitern ungarischer und kroatischer Grenzbehörden körperlich angegriffen werden.

Brutale Gewalt an den Grenezn der Balkanroute

Das berichten auch die Helfer vor Ort im serbischen Šid. „Viele Flüchtlinge erzählen uns fast jeden Tag von der Polizeigewalt, von Tritten und Schlägen mit Händen oder Schlagstöcken“, sagt Gigla. Der Verein Rigardu dokumentiert die Polizeigewalt auf Grundlage von Augenzeugenberichten und Fotos auf seiner Homepage. Immer wieder würden die Flüchtlinge auf kroatischem Gebiet aufgegriffen und misshandelt, heißt es dort. Die sogenannten „Push Backs“ landen dann wieder in Šid, verletzt, erschöpft. Nach einiger Zeit probieren sie erneut, über die Grenze zu gelangen. 

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