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Open Arms Salvini greift spanische Retter an

Was geschah auf der „Ras Jadir“, einem Schiff der libyschen Küstenwache? Die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms nennt dessen Besatzung „Mörder“, Italiens Innenminister Salvini greift die Seenotretter an.

Rettung
Open-Arms-Mitglieder bringen eine Überlebende in Sicherheit. Foto: afp

Es sind schwere Anschuldigungen, die die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms gegen die libysche Küstenwache erhebt: Die Libyer hätten eine Mutter und ihr etwa dreijähriges Kind in den Überresten eines zerstörten Flüchtlingsschlauchboots ertrinken lassen, weil diese sich weigerten, sich an Bord eines libyschen Schiffs nach Nordafrika zurückbringen zu lassen. Am Dienstag hatte Open Arms aufrüttelnde Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie die beiden Leichen im Wasser treiben und wie eine Überlebende, eine völlig erschöpfte Afrikanerin, aus den Bootstrümmern im Meer gezogen wird.

Open-Arms-Gründer Oscar Camps nannte die libysche Küstenwache auf Twitter „Mörder, die von der italienischen Regierung angeheuert wurden, um zu töten“. Doch inzwischen stehen die Schilderungen einer deutschen Journalistin, die auf dem Küstenwacheschiff war, gegen die Aussagen der NGO. Was genau am späten Montag im Meer vor Libyen passierte und wie es zu dem Drama kam, bleibt unklar.

Die libysche Küstenwache nannte die Vorwürfe „lächerlich“. Ihr Sprecher Ayoub Quasem erklärte auf Facebook, die Besatzung des Schiffs „Ras Jadir“ habe 158 Menschen gerettet, keiner sei zurückgelassen worden. Das könne eine Journalistin des Fernsehsenders ntv bestätigen.

Die Aussagen der Reporterin Nadja Kriewald hat der ntv-Rom-Korrespondent (Udo Gümpel) auf seiner Facebook-Seite dokumentiert. Sie sei während der Rettungsaktion mit einem Kameramann an Bord des libyschen Schiffes gewesen, versicherte Kriewald demnach. Die Flüchtlinge, mit denen sie habe reden können, seien traurig gewesen, nicht in Italien angekommen zu sein, aber nach drei Tagen auf dem Boot ohne Essen und Trinken dem Tode nah. „Nach dem, was ich gesehen habe, ließen sich alle retten. Keiner hat sich geweigert, an Bord zu gehen“, wird Kriewald zitiert. Die libysche Küstenwache habe das Flüchtlingsboot anschließend zerstört.

Nicht sicher bestätigen könne die Reporterin jedoch, dass tatsächlich keiner mehr auf dem Schlauchboot war oder ins Wasser gefallen war, heißt es in dem Post. Die Rettungsaktion fand gegen 23 Uhr statt, im Dunkeln also.

Das italienische Innenministerium nannte die Vorwürfe von Open Arms „Fake News“. Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechten Lega, twitterte: „Lügen und Beleidigungen einer ausländischen NGO belegen, dass wir im Recht sind.“

Salvini hat seit Amtsantritt Italiens Häfen für private Flüchtlingsretter gesperrt. Er beschuldigt sie, Menschenhändlern zuzuarbeiten, die mit illegaler Zuwanderung Profit machen. Mehrere ihrer Schiffe wurden beschlagnahmt. Die Koordinierung der Rettungseinsätze hat Italien an die libysche Küstenwache abgegeben. Sie soll Flüchtlingsboote abfangen und wird dafür von Italien und der EU mit Patrouillenbooten und Ausbildung unterstützt.

Proactiva Open Arms ist derzeit die einzige Hilfsorganisation mit Schiffen im Meer vor Libyen. „Sie warten auf ihre Menschenladung. Sie sollten Zeit und Geld sparen: Die italienischen Häfen sehen sie nur auf einer Postkarte“, twitterte Salvini. Der sozialdemokratische Ex-Verkehrsminister Graziano Delrio rief den Innenminister auf, seinen „Kreuzzug des Hasses“ zu stoppen. Der italienische Abgeordnete Erasmo Palazzotto von der kleinen Linkspartei LEU, der an Bord des Open-Arms-Schiffes war, als die Leichen gefunden wurden, schrieb an Salvini: „Open Arms hat die einzige Überlebende gerettet, während deine libyschen Freunde ein Frau und ein Kind getötet haben. Habe wenigstens den Anstand zu schweigen und die Häfen zu öffnen.“ Das Open-Arms-Schiff entschied am Mittwoch, die Überlebende und die beiden Leichen nach Spanien zu bringen.

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