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Österreich Angst vor Flüchtlingen im Grenzland

Im österreichischen Spielfeld erinnern riesige weiße Zelte an die vielen Flüchtlinge, die die Grenze überquerten. Obwohl längst niemand mehr kommt, sitzt die Angst bei den Anwohnern immer noch tief - das wird sich auch auf die Wahl am Sonntag auswirken.

Österreich
Ursprünglich sollte der Zaun die Menschen beruhigen, aber das Gegenteil ist der Fall. Foto: afp

Die Invasion nach Spielfeld begann schon vor vielen Jahren. Hunderte Ausländer haben sich hier einquartiert. Sie stehen nun gemeinsam mit Schneewittchen und einem Reh im Vorgarten des 53-jährigen Frühpensionisten Hans-Jörg Hofer. Hofer liebt seine Gartenzwerge – mehr als Hundert an der Zahl – brachte er nach und nach aus Tschechien in seinen Heimatort an der südsteirischen Grenze zu Slowenien. Im Frühling platziert er seine Schützlinge im Gras – im Herbst holt er sie herein, wäscht sie und malt sie wieder an. So liebevoll wurden hier andere Neuankömmlinge nicht behandelt.

„Man konnte sie ja nicht zurückjagen oder erschießen“, sagt Hans-Jörg Hofer über den September 2015, als die Flüchtlinge genau hier in Spielfeld aus Slowenien kommend über die Grenze kamen. Zuweilen mehr als 10.000 am Tag. Herr Hofer ist froh, dass dies zu Ende ist. Aber auch jetzt noch sei es wichtig, dass Soldaten und Polizisten die Weinberge durchforsten und dass die Grenze weiter kontrolliert wird, meint er. „Die hätte man niemals aufmachen dürfen“, sagt der Gegner eines gemeinsamen Schengenraums.

Drei Bordelle, ein Sonnenstudio, verlassene Tankstellen

Herr Hofer weiß noch nicht, wen er am Sonntag wählen wird. Aber er ist sich sicher, dass es zu einem Regierungswechsel kommen wird. Nach Jahren einer Koalition zwischen den Sozialdemokraten und der konservativen ÖVP erwarten viele in Österreich nun eine Regierung zwischen der ÖVP und den rechtspopulistischen Freiheitlichen. Insbesondere die Flüchtlingskrise hat einen eklatanten Rechtsruck verursacht – sogar Leute aus der Mitte der Gesellschaft können sich nun mit den Positionen der Freiheitlichen identifizieren.

Spielfeld wird durch die Bundesstraße, die Autobahn A2, die Richtung Slowenien führt, die Eisenbahn und durch den Fluss Mur geteilt. So konnte kein wirklicher Ortskern entstehen. Deshalb ist es eine Streusiedlung, die von Durchreisenden und deren schnöden Interessen geprägt ist. Drei Bordelle, ein Sonnenstudio, verlassene Tankstellen und ein Laden für Feuerwerkskörper sind hier zu finden. Erst wenn man unter dem Eisenbahnviadukt durch hinauf zu den Hügeln geht, sieht man das wunderschöne Renaissanceschloss, die Weinhügel und die Laubwälder.

Ramadan Llaushi findet die Grenzkontrollen kontraproduktiv und versteht nicht, weshalb sie noch immer stattfinden, obwohl die Flüchtlingskrise bereits vor eineinhalb Jahren zu Ende ging. Er arbeitet an der Tankstelle direkt vor der Grenze. Seit der Flüchtlingskrise dürfen Lastwagen nicht mehr auf der Bundesstraße, sondern nur auf der Autobahn die Grenze passieren. Deshalb hat seine Tankstelle, die an der Bundesstraße liegt, einen Umsatzrückgang von 50 Prozent. Llaushi, der selbst aus dem Kosovo stammt, aber die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, weiß noch nicht, wen er wählen soll. Tatsächlich ist es in Österreich derzeit wirklich schwierig, Politiker zu finden, die sich dafür einsetzen, dass es wieder offene Grenzen in der Schengenzone geben soll.

Geht man von der Tankstelle weiter Richtung Grenze, sieht man bald die riesigen weißen Zelte, die für die Flüchtlinge hier aufgebaut wurden. Davor stehen Dutzende Toiletten – auch sie werden seit fast zwei Jahren weder benutzt noch gebraucht. Die 45-jährige Cornelia S. weiß auch nicht, weshalb die Zelte noch immer hier sind, doch der Bürgermeister habe gesagt, dass sie, solange die Lage nicht geklärt sei, beibehalten werden. Damals, 2015 sei man ja von dem Zustrom der Flüchtlinge komplett überrascht worden, obwohl die Politiker doch gewusst haben müssten, dass diese Leute kommen würden, meint die blonde Frau mit den Sommersprossen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Österreich

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